«Es ist mehr als ein Beruf!»
Das Stiftstheater füllte sich bis auf den letzten Platz, als die KSB am vergangenen Sonntag zum Podiumsgespräch lud. Von Anfang an war unter den Anwesenden etwas Familiäres, Verbindendes zu spüren. Der Anlass mit zwei Ehemaligen der Kantonsschule Beromünster, die von ihrem Werdegang zum Medienberuf erzählten, lockte viele Interessierte auf den Plan.
Es waren zwei Medienleute, die Moderator Paul Leisibach am vergangenen Sonntag im Stiftstheater begrüssen durfte: Philipp Scholkmann und Zita Affentranger, welche die Kanti Möischter 1987 und 1988 abgeschlossen hatten und danach wahrlich aus weiter Welt berichten konnten. Während im ersten Gesprächsteil vor allem auf die Ausbildungszeit zurückgeblickt wurde, ging es danach um Aktuelles: Zita Affentranger ist inzwischen Leiterin des Teams Osteuropa bei Tamedia und Philipp Scholkmann stellvertretender Leiter der Auslandsredaktion von Radio SRF.
Prägende Erinnerungen an die Kantizeit? Der Radiomann schmunzelte. Sehr gerne erinnere er sich an die Klassenfeste. Aber auch an Lektionen in Medienkunde, an meterlang ausgedruckte Telexmeldungen, die in den Zimmern ausgelegt worden seien. Medienschaffen in den Achtzigern, es hatte ihn schon damals fasziniert. Der späteren Osteuropa-Fachfrau indes blieben die vielen Freundschaften in Erinnerung und vor allem: Klassenreisen nach Rom und Prag. Ob die Karriere bereits an der Kanti vorgespurt worden sei? «Ja, wenn man zum Fenster rausschaut und immer den Landessender sieht, muss man ja zum Radio kommen!», antwortete Scholkmann prompt und erntete einige Lacher. Nun, wenn dem so wäre, entsprängen dieser Region wohl wesentlich mehr Medienschaffende – oder aber die Schüler schauen im Unterricht vielleicht zu wenig zum Fenster hinaus?
Wie auch immer, die sieben Jahre an der KSB waren und sind für alle wichtig und prägend, meinte Zita Affentranger, die aus Grossdietwil stammt. Nach der Matura wollte sie, weil «absolut fasziniert», osteuropäische Geschichte studieren. Also musste sie Russisch lernen, was ihr «total den Ärmel reinnahm», 1990 reiste sie erstmals nach Moskau. Philipp Scholkmann, in Hildisrieden aufgewachsen, interessierte sich für das Studium der Geschichte «im ganz grossen Zusammenhang», in Verbindung mit Literatur. Er erzählte sehr unterhaltsam, wie er abenteuerlich in den Zeiten des Aufbruchs die DDR bereiste. «Wir waren zwei Schweizer ‹Studis›, die mitten in die Revolution hineinstolperten!», lachte er. «Wir waren ‹Revolutionstouristen›, die auf der Euphorie mitsurften...»
Musik und Worte die unter die Haut gingen
«Wie wird man Auslandskorrespondent?», fragte Leisibach. «Man muss viel Schwein haben!», so Zita Affentranger, was in ihrem Fall bedeutet, dass der Tagesanzeiger eben gerade im rechten Moment eine Moskau-Korrespondentin suchte. Auch für Philipp Scholkmann hat sich «immer wieder etwas ergeben», oftmals glückliche Umstände, auch jener, dass halt plötzlich ein Platz beim «Echo der Zeit» frei wurde. So sandten die beiden alsbald als professionelle Medienleute aus Russland und dem Nahen Osten Nachrichten via Radio und Zeitung in die Stuben der Schweiz, über den «Frühling in Moskau», vom «Chaos in Beirut».
Nach einer musikalischen Reise nach Russland mit dunklen, spannungsgeladenen Stücken von Sergei Rachmaninov, eindrücklich interpretiert am Klavier von Susanne Bättig und Andreas Gilomen, gelangte man wieder in die Gegenwart. In die Aktualität, zu den Erdbeben in der Türkei, dem Ukraine-Krieg, Erdogan, Putin. Die beiden Medienschaffenden erzählten authentisch, einfach und direkt von ihrer Arbeit in den Krisengebieten. Ihre Worte gingen unter die Haut. Jemanden derart nahe am Geschehen vor sich zu haben, beeindruckte das Publikum, welches mehrheitlich aus aktuellen und ehemaligen Lehrerinnen, Rektoren, Klassenkamerad:innen, Eltern oder sonstwie KSB-Verbundenen bestand.
«Meine Arbeit ist sehr beglückend. Das klingt pervers angesichts all des Leids, worüber ich berichte.» Philipp Scholkmann.
Ein pensionierter Englischlehrer, der die Sendungen seines Schülers aus dem Nahen Osten jeweils verfolgt, fragte, ob Philipp Scholkmann denn Sprachen wie Kurdisch und Arabisch wirklich beherrsche. «Englisch habe ich gelernt!», konterte Scholkmann elegant und setzte wieder einen humorvollen Treffer. Er sei natürlich nie alleine auf Reportage, sondern immer zusammen mit einer lokalen Assistenz. In der Tat habe er diese Sprachen aber schon gelernt. «Es ist von Vorteil, wenn man die Sprache kann, dann kann man auch die Übersetzung kontrollieren!»
Werbespot für den Medienberuf
Zum Schluss bat Paul Leisibach die beiden «engagierten Medienprofis» noch um einen Werbespot für ihren Beruf. «Es ist mehr als ein Beruf», meinte Zita Affentranger entschieden. «Auch nach dreissig Jahren finde ich es immer noch spannend, wenns hoch zu und her geht. Es ist lässig, so viele Lebenswelten kennenzulernen.» Auch Philipp Scholkmann strahlte Überzeugung aus. «Meine Arbeit ist sehr beglückend. Das klingt pervers angesichts all des Leids, worüber ich berichte. Aber in diesen Situationen bin ich voll dabei und spüre, was ich mache.» Er motivierte: «Wer die Leidenschaft hat, soll es machen!» Nur um gleich anzufügen: «Aber wenn man lieber sichere Bedingungen hat und ein stabiles Umfeld, dann ist Lehrer wohl die bessere Wahl...»
Bevor es nach dem gut einstündigen Talk zum ersehnten Apéro im Erdgeschoss ging – es war etwas stickig geworden im Theaterraum unter dem Dach – wurde Paul Leisibach von Rektor Stössel herzlich verdankt. Er hatte das beliebte Symposium zum letzten Mal geleitet und bekam vom Publikum einen warmen, nicht enden wollenden Applaus. Der jährlich stattfindende Anlass bietet den «KSBlern» auch immer Gelegenheit, sich nach vielen Jahren wiederzusehen, auszutauschen. Dem wurde beim Apéro denn auch rege nachgekommen und damit man auch weiterhin nicht bloss übers Radio voneinander hört, wurde sogleich ein nächstes Klassentreffen vereinbart.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli