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«Eine Insel in unserer hektischen und ruhelosen Zeit»

Denise Häfliger leitet seit drei Jahren die Bibliothek Beromünster. Sie kennt über 250 Schüler:innen mit Namen und auch all ihre Lese-Vorlieben. Es ist ihre Passion, die jungen Menschen ans Lesen und damit ans Verstehen der Welt heranzuführen. Da sie die Leitung der Bibliothek per Ende Februar abgibt, traf sich der «Michelsämter» mit ihr in der Bibliothek zum Gespräch und wollte mehr über ihre Philosophie erfahren und darüber, was sie antreibt und wie es mit ihrem riesigen Engagement «für das erste Lesealter» weitergeht.


Denise Häflinger, erzählen Sie uns Ihre Geschichte, besonders in Bezug auf die Gemeindebibliothek.

Seit drei Jahren darf ich die Bibliothek Beromünster leiten. In diese Aufgabe bin ich wortwörtlich hineingerutscht und mit ihr gewachsen. Ich erzähle sehr gerne Geschichten und lese gerne vor. Es fasziniert mich heute noch, wie sich Kinder auf Geschichten einlassen können und mit ihnen mitleben. Ich wollte, dass in der neuen Bibliothek, welche damals in der Planung war, regelmässig Geschichten erzählt oder vorgelesen werden. Es war mir ein Anliegen, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mit Literatur und Wortschatz, mit Reimen und Fantasie auseinanderzusetzen. So konnte ich regelmässig in der Bibliothek Geschichten erzählen. Dazu kam eine Anstellung ­als Bibliotheksmitarbeiterin. Als im Sommer 2019 eine neue Leitung für die noch junge Bibliothek gesucht wurde, meldete ich mich und übernahm diese. Ich schätzte die Tatsache die Bibliothek in eine Richtung «schubsen» zu können und sie in Beromünster zu einem festen Bestandteil werden zu lassen.

Was schätzen Sie an der Arbeit in der Bibliothek?

Diese Arbeit bereitet mir grosse Freude. Ich schätze den Kontakt mit den Bibliotheksbesucher:innen jeden Alters. Ich kann meine Kreativität ausleben und die Bibliothek attraktiv ­gestalten. Ich darf regelmässig Geschichten erzählen und schätze die gute Zusammenarbeit mit der Schule. Da ich selber Lehrperson bin, war es mir von Beginn weg ein Anliegen, den Lehrpersonen den Bibliotheksbesuch so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich wollte, dass sie die Zeit in der Bibliothek sinnvoll nutzen können. Sei es um eine Geschichte vorzulesen, gemeinsam mit den Kindern zu lesen oder beratend zur Seite zu stehen. Ich freue mich über strahlende Kinder- oder Erwachsenenaugen, wenn ich jemandem ein neues, extra für sie ausgewähltes Buch überreichen darf oder wenn jemand nach einer Empfehlung glücklich das Buch zurückbringt.

 
Lebt ihre Leidenschaft für Kinderbücher am liebsten mit den Kleinen: Denise Häfliger.


Welches ist die Philosophie der Bibliothek Beromünster?

Natürlich haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, möglichst für alle Altersstufen passende Medien zur Ausleihe bereit zu haben. Für mich ist es aber sehr wichtig, dass alle gerne kommen und sich wohl fühlen. Die Bibliothek darf und soll auch ein Treffpunkt sein, wo man einen Kaffee trinken und ein Magazin oder die Zeitung lesen kann, wo man sich spontan trifft und verweilen kann. Die Bibliothek soll eine Insel in unserer hektischen und ruhelosen Zeit sein.

Was möchten Sie noch erreichen bis zum Austritt? Was bleibt zu tun?

Ich hatte bei meinem Stellenantritt viele Ideen und Projekte im Kopf. Viele konnte ich umsetzen oder durchführen. Für zwei kostspielige Anschaffungen habe ich mich eingesetzt – den Medienrückgabeschrank und die sogenannte «Onleihe». Ersteren durfte ich im Dezember entgegennehmen. Für die «Onleihe» darf meine Nachfolgerin sich weiter einsetzen.

Wie wird die Bibliothek geführt und finanziert?

Durch einen Verein und sogenannte Träger, bestehend aus der Gemeinde Beromünster und den katholischen Kirchgemeinden Beromünster und Neudorf. Sie leisten alle einen finanziellen Beitrag zum Erhalt der Bibliothek. 

Welche Veranstaltungen organisiert die Bibliothek?

Wir hatten einige Veranstaltungen vor der Pandemie. Seit dem ersten Lockdown mussten wir stark zurückfahren, da die Räumlichkeiten aufgrund der Personenbeschränkungen keine Veranstaltungen innerhalb der Bibliothek zulassen. Was mir aber eine Herzensangelegenheit ist, ist der «Buchstart». Das Projekt setzt sich dafür ein, dass alle Kinder in der Schweiz vom ersten Lebensjahr an in ihrer Sprachentwicklung so gefördert werden, dass sie den Zugang zur Welt der Bücher und des Wissens finden. Diesen «Buchstart» habe ich während der ganzen Zeit draussen durchgeführt: Im November und Dezember am Feuer mit Punsch und Wolldecken, im Sommer mit Wasser und Schatten. Es ist mir wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben, regelmässig Geschichten zu hören, mitzuerleben und mitzugestalten. Immer weniger Erwachsene nehmen sich die Zeit, um den Kindern Geschichten zu erzählen. Diese Veranstaltungen sind immer gut besucht und finden jeweils an einem Mittwochnachmittag statt. Im Durchschnitt sind 25 Kinder anwesend.

 
Einige Buchempfehlungen von Denise Häfliger.

Was gibt es Neues im ersten Quartal 2022? 

In den kommenden Monaten wird es in der Bibliothek einige personelle Änderungen geben. Ich werde die Leitung der Bibliothek per Ende Februar abgeben. Karin Amgarten wird die Leitung übernehmen. Ich bin mir sicher, dass sie die Bibliothek Beromünster professionell und gut weiterführen wird. Für die Schulausleihe vom Dienstag suchen wir noch eine lesebegeisterte Person. Es freut mich sehr, dass ich selber weiterhin Geschichten erzählen darf und so einmal monatlich doch noch in der Bibliothek anzutreffen bin.

Was geben Sie leseinteressierten Zeitgenossen im Michelsamt gerne auf den Weg mit?

Investieren Sie ein wenig Geld in ein Jahresabonnement der Bibliothek Beromünster und wir investieren in die für Sie spannenden Bücher. Kommen Sie vorbei, gerne zeigen wir Ihnen unsere kleine Oase. Bestimmt finden auch Sie ein spannendes Buch. Haben Sie noch kleinere Kinder? Besuchen Sie doch als Inspiration für tolle Kinderbücher einmal das «Geschichten hören»: das nächste Mal am 23. März 2022 um 14.30 Uhr auf dem Pausenplatz der Sekundarschule oder in der Bibliothek (je nach BAG Bestimmungen). Ich freue mich auf Sie!

Denise Häfliger, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Freude beim Wecken von Lesebegeisterung und damit beim Vorbereiten der Kleinsten auf die lebenslange Lektüre des «Michelsämters».

Interview und Fotos: Karl Heinz Odermatt

Macht regelmässig Einsendungen und liest natürlich auch selber den Michelsämter leidenschaftlich - what else? 


Persönlich: Das ist Denise Häfliger

Geboren am: «Freitag, der 13.» … nämlich 13. September 1985

Geburtsort: Riehen BS (da wo das Beyeler-Museum ist)

Wohnort: Beromünster, schon seit 12 Jahren

Beruf: Bachelor of Arts in Primary Education, also Primarlehrperson (lacht)

Sternzeichen: Jungfrau, jedoch keine grosse Bedeutung…

Lieblingsessen: Risotto, ich bin Vegetarierin, weil ich Fleisch schlicht nicht mag

Lieblingssound: Jack Johnson, ich bin jedoch eine grottenschlechte Musikkennerin

Mag ich nicht: Schubladisieren in jeder Form

Schuhgrösse: 42, ich lebe nur physisch auf grossem Fuss

Würde ich auf die einsame Insel mitnehmen: Meine Familie, doch dann wärs nicht mehr einsam. Also: Meine Nähmaschine, genau

Hobby: Boarden, wir sind Wintersport-Freaks

Motto: Mut ist nicht immer lautes Gebrüll, sondern manchmal eine leise Stimme am Ende des Tages, die sagt: Morgen versuche ich es wieder.

Lieblingsbuch: Alle Kinderbücher, da kenn ich mich wirklich aus!

Lieblingslektüre: «Psychologie heute» und «Geo»

Lieblingszeitung: Der «Michelsämter», what else?! 


Karl Heinz Odermatt



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