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Eine geballte Ladung Weihnachten

Im November kamen sie an, 100 Christbäume dicht gedrängt auf dem Platz bei der Landi. Eine geballte Ladung Weihnachten wartete auf ihren Auftritt. Hier ist er.

Was für ein Potenzial. Was für eine geballte Ladung Freude und Glückseligkeit liegt da zusammengepresst auf einem Stapel, denke ich im November, wenn die Landi-Christbäume frisch geliefert auf ihren Auftritt warten.

In der Sekunde, da ich an ihnen vorbeifahre, denke ich: Wo werden die wohl alle einmal stehen? In welchem Haus, welcher Stube, welchem Entrée? Wer wird sie schmücken? Um sie herum hüpfen, festliche Musik hören, singen, weinen, lachen oder streiten, essen und trinken? Nun, natürlich bleibt das ihr Geheimnis.

Würde es dann auf einmal und plötzlich Weihnachten, würden sich die 100 Tannenbäume auf dem Stapel explosionsartig befreien. Sich das Netz vom Reisig reissen und ihre Äste entfalten, sie würden glitzern und glänzen, mit Kugeln und Sternen behängt, mit Lametta und Engelchen und Schaukelpferdchen aus Nürnberg.

Jeder einzelne Christbaum stünde da auf dem Landiplatz in seiner schmucken Einzigartigeit, hundert Christbäume auf einmal. Das wäre doch schön. Das ist der von Müllers, sähe man dann, der von Meiers, Hubers haben weisse Kerzen und Furrers elektrische und Suters – nein. Suters haben ihren Baum nicht von der Landi.

Alle hundert Christbäume auf einmal zu sehen, oder noch besser: alle die der Michelsämter Leserschaft, dann wäre auch Ihrer dabei – das wären dann über 3000 Christbäume. Schön nebeneinander aufgestellt vom Landi­platz bis zur Schanz. Da würden sie dann stehen, 3000 grüne Tannen auf grünem Grund. Es würde allmählich dunkel, der Nachtwächter käme und riefe laut: «Licht an!» Und alle Christbäume leuchteten auf einmal. Gemeinsam. Glitzernd, schimmernd, auch Suters. Was für eine Pracht. 3000 Christbäume auf der Schanz. Was für eine Freude.

Weihnachten, das Fest der Illusionen. Kein anderes wirkt so sehr auf die Imagination der Menschen wie dieses, arbeitet so stark mit der Vortäuschung von etwas, was man nicht sieht. Und das es doch irgendwie geben soll. All der Glitzer und Glanz, wir wissen es, ist tonnenweise Glas, Metall und Polyethylen und doch, erzeugt er in uns jedes Jahr wieder dieselbe Illusion. Die Erinnerung an etwas, das wir nicht genau benennen können und doch kollektiv in unserem Innersten kennen. Das Geheimnis von Weihnachten.

Ursula Koch-Egli




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