Eine Agathafeier wie immer – und erfrischend anders
1980 geleistete Einsatzstunden, viel Ulk und ein Statement für die Zukunft: An der Agathafeier 2024 der Feuerwehr Michelsamt wurde innegehalten, voraus- und zurückgeblickt – und sehr viel gelacht. Im Hinblick auf die kommende Abstimmung gab es klare Aussagen. Eine Person wurde besonders verdankt.
Der Gemeindesaal war praktisch voll am Freitag, 19. Januar. 105 Eingeteilte der Feuerwehr Michelsamt mit Partnerinnen und Partnern hatten den Weg zur Agathafeier in Neudorf an diesem eisigen Winterabend gefunden. Besinnung gabs gleich zu Beginn, denn keine Agathafeier ohne Heilige Agatha. Sprich: ohne besinnlichen Teil, diesmal wiederum mit Pater Bruno Oegerli, der schon unzählige dieser Feiern mit seinen persönlichen Worten begleitet hat. Auch wenn das Gedenken der Schutzpatronin im Verlauf der Zeit zunehmend an Bedeutung verloren hat, ist sein Inhalt doch immer noch von aktueller Gültigkeit. Auch bei bester Organisation sei eine Feuerwehr immer noch auf Schutz angewiesen, so Oegerli, und um diesen wurde dann auch gemeinsam gebetet und gesungen.
Kaum war das Lied verklungen, stand auch schon Schlag auf Schlag der Salat auf dem Tisch. Die Atemschutz-Abteilung unter der Leitung von Patrick Kneubühler legte zusammen mit dem Verein Mülistei aus Neudorf eine solide Bewirtung an den Tag. Zum Hauptgang musste man einen Turnus absolvieren: Durch den Hintereingang nach draussen, ein Poulet vom Grill fassen und durch die Küche wieder zurück – was für angenehme Auflockerung sorgte.
Locker aber solide ging es auch nach dem Essen weiter, als Kommandant Armin Dörig zum offiziellen Teil anblies. Als Gäste begrüsste er die Gemeinderäte Thomas Zettel aus Rickenbach sowie Lukas Steiger und Maria Conrad-Wey aus Beromünster, sowie Vertreter der benachbarten Feuerwehren. Zudem war an den Gästetisch geladen der ehemalige Kommandant und «Noch-Feuerwehrinspektor» Vinzenz Graf.
Die FW Michelsamt 2023
1980 Einsatzstunden
3628 Übungsstunden
112 Kurstage
132 Probefahrten
72 alarmmässige Einsätze
Jahresrückblick erfrischend anders
«Heuer machen wir den Jahresrückblick etwas anders», verkündete Kommandant Armin Dörig. Statt bloss Folien ab Power Point zu präsentieren, wolle man die Leute im Saal gleich selber zu Wort kommen lassen. Wobei Vize-Kommandant Thomas Bussmann verstecktes Showmaster-Talent offenbarte. Mit dem Mikrofon ging er von Tisch zu Tisch und befragte diese und jenen zu verschiedenen Aktivitäten des vergangenen Jahres – erfrischend anders. «Wie verlief der Einsatz?» - «Sehr gut, aber die Verpflegung hat gefehlt.» Grosses Gelächter im Saal. Oder: «Wie hat es dir gefallen am Gruppenführerkurs?» - «Die Verpflegung war sehr gut!» Immer wieder kam etwa auch die ominöse Übung «Verkehrte Welt» zur Sprache. Unter der Leitung von Ausbildungschef Reto Stoll hatten die Eingeteilten letztes Jahr an einer Übung ihre Jobs und Aufgaben getauscht – kein leichtes Unterfangen. Vor allem wurde dadurch das Verständnis geförderte und aufgezeigt, wie wichtig die spezifische Ausbildung in jeder Abteilung ist.
Neun verabschiedet, acht begrüsst
Zügig und süffig markierte Kommandant Dörig darauf die wichtigsten Eckpunkte des Feuerwehrjahres 2023. Die Präsenz an der LUGA im Frühling war ein Highlight, die Bekämpfung der Brände in der Locheten am 21. April und im Bäch am 22. August waren die gewichtigsten Einsätze. Sein besonderer Stolz: 112 Kurstage waren zu verzeichnen im vergangenen Jahr. «Das ist sehr grosses Kino!», lobte er unverblümt.
Nun das Personelle: Austritte, Ehrungen und Beförderungen, neu Eingeteilte. (Man muss sich dabei der Versuchung erwehren, von «Neumitgliedern» zu sprechen. Die Feuerwehr ist kein Verein, sondern eine Institution, zählt also keine Mitglieder, sondern Eingeteilte, Kameradinnen und Kameraden.) Doch zuerst zu den Austritten: Neun Personen legten den – teils hoch dekorierten – Hut nun an den Nagel. Zehn Personen wurden zu Ehrungen und Beförderungen zur Bühne gebeten und als Neue wurden eine Kameradin und sieben Kameraden unter Applaus begrüsst. (Namen siehe Box) «Wir sind in der glücklichen Lage, dass junge Leute von selbst kommen!», so Dörig.
Beförderungen zum Leutnant:
Lehmann Cheryl
Koch Pirmin
Lisebach Jörg
Lang Marco
Neu Eingeteilte:
Kottmann Manuela, Jost Reto, Wandeler Pascal, Kottmann Jonas, Schmidlin Gabriel, Stalder Sascha, Hunkeler Michael, Meyer Samuel.
2024 als «wegweisendes» Jahr
Mit Ausblick auf das kommende Jahr bekräftigte er: «2024 wird ein extrem wegweisendes Jahr!» Als oberstes Ziel nannte er, unfallfrei zu sein bei allen Einsätzen und Übungen. «Das funktioniert nur, wenn wir alle zusammen proben. Denn in der Feuerwehr gilt: Einer ist keiner!» Dass man gemäss Aristoteles den Wind zwar nicht ändern, aber die Segel richtig setzen könne, bezog der Kommandant generell auf die Feuerwehr, gezielt aber auf das Projekt «Dreifachhalle mit Feuerwehrmagazin in Beromünster», worüber die Gemeinde am 3. März abstimmen wird. Für die Zukunft der Feuerwehr Michelsamt, welche ihre neue und zeitgemässe Infrastruktur in besagter Lokation bekommen soll, eine entscheidende Abstimmung. Dörig bat um kräftige Unterstützung. Er sprach zudem seinen Dank aus an die Behörden, die Feuerwehrkommission und das kantonale Feuerwehrinspektorat, im Speziellen dabei dem per Ende Januar 2024 in Pension gehenden Feuerwehrinspektor Vinzenz Graf.
Kameradschaft drückt sich auch im Humor aus
Mit einem fetten Lob an die Atemschutzabteilung für die tadellose Organisation des Abends schlossen die Kommandanten Dörig und Bussmann ihrerseits die Agathafeier 2024. Es zeige sich einmal mehr: «Man kann sich aufeinander verlassen, Tag und Nacht!» Dann wurden gehaltvolle Crèmeschnitten serviert und der Abend durfte in den gemütlichen Teil übergehen – wobei er dies zuvor schon war. Auf der Bühne wurde verheissungsvoll mit Tischen hantiert, da sollte wohl bald etwas passieren... klar, ein Leutnant tritt nicht leise ab, auch zwei nicht und schon gar nicht drei. In diesem Fall eben: Herbert Portmann, René Marbach und Martin Dörig.
Das vorgeführte Spiel war so einfach wie effektvoll, man kennt es von jedem zweiten Skilager und doch bringt es alle immer wieder zum Tränenlachen: Das mit den Köpfen, dem Tisch, dem Leintuch und den Gummistiefelchen. Zum Grölen – Portmann und Marbach gaben sich die Ehre. Dann ein nicht minder die Lachmuskeln strapazierendes Frage-und-Antwort-Spiel, wo zwei Kandidaten per Tafel rücklings sitzend dieselben Fragen beantworten. Ich? Du? Wer? Portmann und Dörig demonstrierten perfekte Übereinstimmung ihrer Zusammenarbeit bei Fragen wie «Wer hat die besseren Proben organisiert?» Oder: «Wer ging nach der Übung früher nachhause?» Ich! Du! Wer? Gute Kameradschaft drückt sich auch in gutem Humor aus.
Klares Statement am Hydranten-Rednerpult
Damit war der Darbietung aber noch nicht genug. Thomas Zettel, Gemeindevertreter der Feuerwehrkommission der FW Michelsamt, trat ans traditionelle Hydranten-Rednerpult und vermochte die Leute auch zu vorgerückter Stunde noch sachlich, kollegial und mit Humor in den Bann zu ziehen. Er dankte allen für den Einsatz und zeigte die Wertschätzung dafür, wie das Milizsystem hier gelebt und umgesetzt werde. Sein Dank ging galt auch den Angehörigen der Eingeteilten, die eben oft auch verzichten müssten, «aber vielleicht ist es ja auch mal schön», witzelte er und hatte die Lacher auf sicher.
Thomas Zettel betonte seinen Dank gegenüber dem Kommandanten Dörig, der die Feuerwehr mit viel Herzblut und Engagement führe. Irgendwo müsse aber doch noch gejammert werden, so Zettel, nämlich drücke der Schuh beim Geld. Die Neuerungen und Ausbildungen müssten am Ende des Jahres auch finanziert werden, «ein schwieriger Aspekt», räumte er ein. Womit er klar machte, dass eine top ausgerüstet und ausgebildete Truppe auch von irgendwoher finanziert werden muss.
Für die Mehrfachhalle in Beromünster setzte er ein klares Statement. «Als Rickenbacher könnte ich mich ja zurücklehnen und zuschauen», meinte Zettel, «aber für die Feuerwehr Michelsamt generiert dieser Neubau sehr viele Vorteile und Synergien. Deshalb: Vertretet dieses Projekt!» Mit einer bildhaften Schilderung seines visionären Eröffnungsfestes schloss Thomas Zettel seine Rede.
«Meine Feuerwehr – unser Feuerwehrinspektor»
Zu guter Letzt wurde dann in Sachen Ehrungen noch einer draufgehauen. Dazu wurde auf der Bühne ein Stammtisch inszeniert, an dem die abtretenden Leutnante noch einmal so richtig durchgenommen wurden mit Scherzen und Anekdoten. Manche Jungs zeigten dabei unter dem Feuerwehrkäppi ihr verstecktes Showtalent.
Da war aber noch einer, der besonders drankam. Wer wohl? «Also ich ging schon zu ihm in die Schule, dann war er mein Kommandant, dann mein Inspektor – was ist wohl das nächste?» rief Thomas Bussmann. «Das Altersheim!», witzelte ein anderer. Und weiter gings: «Ihn brachte nichts aus der Ruhe.» «Er ist sozusagen der Gründervater der Feuerwehr Michelsamt!» «Und er sprach immer von ‘seiner’ Feuerwehr!» Wer? Unschwer zu erraten. Vinzenz Graf, ehemaliger Kommandant und Seilzieher der Feuerwehrfusion vor 21 Jahren, wurde als demissionierender Feuerwehrinspektor ebenfalls gebührend verabschiedet. Das musste einfach sein, fand die Feuerwehr Michelsamt, denn schliesslich war er auch «ihr Vinz».
Damit war der gemütlichere Teil des Abends definitiv eröffnet. Die Shot Bar wurde angeworfen, der Redefluss und anderweitig Flüssiges kamen in Gang und es wird gemunkelt, bei einigen sei es darauf recht spät geworden. Ganz wie es sein muss.
Ursula Koch-Egli
Weitere Bilder und Impressionen der Agathafeier 2024 in Neudorf:
Bilder: uke