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Ein Schwarzenbacher und ein Neudorfer gemeinsam unterwegs: Alle 48 Viertausender erklommen (mit Best of-Bildergalerie)

Ohne Bergführer haben der Neudorfer Stefan Müller, der heute in Ermensee lebt, und der Schwarzenbacher Josef Willimann, heute in Hohenrain zu Hause, alle 48 Viertausender der Schweizer Alpen bestiegen. Das Lauteraarhorn im Kanton Bern kam Anfang September als letzter gemeinsamer Gipfel hinzu.

Josef Willimann (links) und Stefan Müller stehen am 4. September auf dem Gipfel des Lauteraarhorns. 


Sie sind zusammen in Beromünster zur Schule gegangen. Nach vielen Jahren haben sie sich zufällig wieder getroffen, seither gehen sie zusammen «z'Berg». Unter dem Namen «Projekt 48-4000» haben die beiden Alpinisten Josef Willimann und Stefan Müller alle Viertausender in der Schweiz erklommen. Schliesslich verblieb noch das Aletschhorn, das am diesjährigen Ostersonntag gemeinsam durch die beiden Bergsportler bezwungen wurde. Danach bestieg Müller zusammen mit seiner Cousine über den Festigrat den Dom und Willimann mit einem Bergkollegen den Bernina. Dies über die klassische Route über das Val Roseg, die Tschiervahütte und über den einzigartigen Biancograt.

Die beiden Bergsportler sind ohne Führer unterwegs. Dazu haben sie sich entsprechend weitergebildet und das erforderliche Wissen angeeignet. Umso wichtiger, dass sich die zwei Alpinisten vor einer Tour umfassend erkundigen und mit dem Berg auseinandersetzen. Willimann führt aus: «Es gibt einen Haufen an Informationsquellen, beispielsweise SAC-Führer, Topos, Karten, Beschriebe, Bilder und auch die sozialen Medien. Dennoch bleibt der Charakter einer Expedition. Mit einer Überraschung ist immer zu rechnen.»

Der letzte gemeinsame Gipfel, das Lauteraarhorn mit 4042 Meter über Meer, sollte nun im Spätsommer bestiegen werden. Der erste hierzu gewählte Zeitpunkt Ende August fiel jedoch einem Kälteeinbruch zum Opfer. Dieser hatte den Berg eingeschneit. Bei der Schreckhornhütte auf 2527 Meter über Meer, dem Ausgangspunkt für das Lauteraarhorn, lagen gemäss Hüttenwart 35 Zentimeter Schnee.

Tagwache um 1.50 Uhr

Der zweite vorgesehene Termin Anfang September versprach dann ein Wetterhoch. Angegangen wurde der Aufstieg zum letzten gemeinsamen Viertausender am Sonntag, 3. September. So führte der Weg an diesem Tag ab Grindelwald/Pfingsteggbahn über die Bäregg in die Schreckhornhütte. Dort gingen die beiden Alpinisten früh ins Bett, denn der Wecker sollte bereits mitten in der Nacht auf Montag um 1.50 Uhr klingeln. Gestartet wurde um 2.30 Uhr, vorerst mit einem Abstieg auf den 100 Meter tiefer liegenden Gletscher.

Über fast endlose Serpentinen ging es dann zum Strahleggpass hoch. Auf exakt 3333 Meter über Meer erlebten die Bergsportler Müller und Willimann um 6.30 Uhr den Sonnenaufgang. Danach wechselten sie auf den Südwestgrat des Lauteraarhorns. Mit zunehmender Höhe nahm auch die Schneemenge zu, weshalb Steigeisen erforderlich wurden. Dann bot sich den beiden ein immer besserer Einblick in den für sie entscheidenden Schraubengang auf 3800 Meter über Meer. Motiviert stiegen sie in diese nicht gespurte Passage ein. Der Schraubengang forderte die beiden 56-jährigen Alpinisten, denn der Schnee war tief und teilweise schwer, aber dennoch griffig. Der Ausgang aus dieser Querung führte sie durch eine sehr steile Rinne auf den Süd-Ost-Grat. Und so konnten Willimann und Müller die letzten 200 Höhenmeter auf dem trockenen Gipfelgrat in Angriff nehmen. Dabei bot sich ihnen ein atemberaubendes Panorama.

Um 11 Uhr erreichten die beiden den Gipfel, müde von den Strapazen. Nach kurzer Pause führte sie der Weg über die gleiche Route zurück. Ein wesentlicher Unterschied war jedoch, dass sich die beiden Alpinisten über mehrere vorhandene Anker abseilen konnten. Dennoch war auch der Abstieg fordernd. Die Sonne brannte, und der Durst nahm zu. Nach 19 Uhr war die Hütte erreicht. Mit Freude konnten Stefan Müller und Josef Willimann dem Hüttenwart von den Verhältnissen und dem Gipfelerfolg berichten. Damit war ihr «Projekt 48-4000» abgeschlossen.

Sehr schwierige Route

Das Lauteraarhorn lässt sich sowohl im Winter als auch im Sommer besteigen. Im Winter ist jedoch der Zustieg vom Grimsel her sehr lange und einsam. Entsprechend wird es öfters von der Seite Grindelwald beziehungsweise der Schreckhornhütte begangen. Da die Route viel im Fels und am Grat verläuft, ist es einfacher, diese im Spätsommer zu begehen, wenn wenig oder kein Schnee im Fels liegt.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) stuft die von Willimann und Müller begangene Route als «SS» ein (sehr schwierig). Für den Weg von der Hütte bis zum Gipfel gibt der SAC unter optimalen Bedingungen 7,5 Stunden an. 


Josef Furrer aus Gunzwil, der oft für den «Michelsämter» fotografiert, sagt gegenüber unserer Zeitung: «Ich bin in Schwarzenbach als Nachbar von Josef Willimann aufgewachsen. Ich habe grossen Respekt vor der bergsteigerischen Leistung von Josef Willimann und Stefan Müller. Es freut mich, dass ich ihr Projekt begleiten durfte. So bin ich selber auch auf einem guten Dutzend der Viertausender gestanden und konnte so manch gutes Erlebnis mit den beiden teilen.»


Aufstieg im Biancograt an der Bernina. Josef Furrer (Furep) aus Gunzwil in der Bildmitte.


Am Ostersonntag glücklich auf dem Aletschhorn: Josef Willimann und Stefan Müller.



Gipfelrast auf der Bernina: Josef Furrer (Furep) und Josef Willimann.


Getroffen beim Aufstieg auf das Lauteraarhorn.
Prächtige Stimmung mit Mondbegleitung beim Aufstieg auf das Aletschhorn.



Bilder vom Aletschhorn
Farbenpracht beim Aufstieg aufs Lauteraarhorn.
Wenn das Morgenrot grüsst.
Die Schreckhornhütte am Lauteraarhorn.
Bilder von der Bernina-Expedition.


Text: Josef Willimann / Karl Heinz Odermatt, Bilder: Josef Willimann, furep




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