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Ein «Sack voll Bohnen» als Abschluss einer begeisternden Lagerwoche

Das Abschlusskonzert des Musiklagers der Musikschule Michelsamt-Surental ist jeweils ein voller Genuss. Am vergangenen Samstag gaben die jungen Bläserinnen und Perkussionisten in Triengen wieder Vollgas. Nach einer Woche Lagerleben war jeder Ton am richtigen Ort, wenn auch zuvor die Lagerleitung manchmal einen quirligen «Sack voll Flöhe» zu bändigen hatte.

Sympathische Sache: Lagerleiter Patrick Hummel (rechts) bedankt sich bei Ensemble-Dirigent David Schwarzentruber.


Solide und schwungvoll eröffnete das Ensemble der Jüngsten das Konzert vom Samstagabend. Ein Grossapplaus war ihnen nach dem ersten Stück schon gewiss – das konnte ja heiter werden. Und das wurde es: Das Abschlusskonzert des Musiklagers war von Anfang bis Schluss ein einziges Highlight. Die drei Formationen, die sich im Lager aus den Teilnehmenden gebildet hatten, boten je ein stichfestes Programm. Das Ensemble unter der Leitung von David Rufer und David Schwarzentruber, die Brass Band dirigiert von Joel Spitaleri sowie das Blasorchester unter der Leitung von Patrick Hummel.

Zwei rhetorische Jungtalente mit blonden Zöpfchen führten souverän und fast stolperfrei durch den ersten Abschnitt des Abends. Mit den vier dargebotenen Stücken des Ensembles kamen feinste Querflöten- und tiefwarme Saxofonklänge zum Zug, und nur schon die hingebungsvoll musizierenden Kinder zu beobachten, erwärmte das Herz der vielen Eltern und Grosseltern im bis zum Rand des vollbesetzten Saals im Forum Triengen.

Volle Konzentration für Querflöte, Klarinette und Co.: Das Ensemble der jüngsten Lagerkinder trumpfte auf.


Schaumparty und Sweet Caroline

Lagerleiter Patrick Hummel begrüsste: «Ein bewegtes und abwechslungsreiches Lager» sei es gewesen in Sarnen vom 6. bis am 12. Oktober. Er erwähnte das intensive Proben in den einzelnen Registern, das quirlige Lagerleben und die ominöse «Schaumparty», die eigentlich nur der Reinigung der Instrumente dienen sollte. Nur wer dabei war, weiss Genaueres. Grosses Lob bekam die Lagerküche unter dem Regime Schwarzentruber, die insgesamt 1500 Menüs produziert hatte in einer Woche. Glücklicherweise war man dieses Jahr von verdauungsbeschleunigenden Viren verschont geblieben.

Die Zugabe, mit der die Jüngsten das Publikum beschenkten, war ein Ohrwurm so herzerwärmend, dass er bestimmt jetzt beim Lesen gleich wieder aktiv wird. «Sweet Caroline, oh-oh-oh...» Das Publikum sang fröhlich mit.

«Warum gibt es an der Musikschule eigentlich nur ein Lager pro Jahr? Es sollte sieben geben!»  Der etwas hoch gegriffene Wunsch einer ganz jungen Cornetschülerin.


Geburtstag und Triangel

In der ersten Pause hörte man hinter dem samtroten Vorhang Geräusche von verschiebender Perkussion, leisem Gedudel, eine Tuba am Einspielen. Man durfte nun gespannt sein auf den Auftritt der Brass Band. Auch sie in der Lagerbesetzung, bot ein Programm von vier Stücken, wobei «Little Suite for Brass» das Teststück für den Schweizerischen Brass Band Wettbewerb 2024 darstellt. Mit dem Marsch «Death or Glory» ging es gleich volle Kraft voraus, solide, beschwingt. Zwei charmante Ansagerinnen in Schwarz-Blau führten durch die seidenfeine und powergeladene Darbietung. Nach dem letzten Stück ertönte ein nicht enden wollender Applaus. Ganz klar, das Publikum wollte eine Zugabe.

Da drehte sich Dirigent Joel Spitaleri um, spähte in die Zuschauermenge und verriet, dass irgendwo ein Geburtstagskind sitze. Jemand, wer noch kein einziges Konzert der Jugend Brass Band Michelsamt-Surental verpasst habe. Gemeint war Musikschulleiterin Susanne Bättig, die irgendwo im Saal wohl während dem ihr gewidmeten «Happy Birthday» die eine oder andere Träne der Rührung verbergen musste.

Dirigent Joel Spitaleri hält Ausschau nach dem Geburtstagskind im Saal.

Die Zeit verging wie im Flug, getragen von so viel Energie, widerspiegelt in glücklichen, zufriedenen Gesichtern. Musik als Schule, als Emotion, Gemeinschaft. Sie war so bezaubernd und man war so aufmerksam – man hätte einen Triangel fallen hören. Was heisst da, hätte. Das metallene Geräusch im Hintergrund während Noël Kochs Tuba-Solo in «Song for the Skies» gehörte gewiss nicht zum Arrangement. Tatsächlich, ein Triangel hatte sich selbständig gemacht. Das Schmunzeln in den Gesichtern der Spielenden erklärte alles.

Charmante Ansagerinnen in Blau-Schwarz, den Farben der Jugend Brass Band Michelsamt-Surental.


Disziplin und Elan

Das letzte Drittel begann funky jubilierend, das Blasorchester in Schwarz und Weiss unter Direktion von Patrick Hummel, versprühte pure Begeisterung. Ein sicherer Auftritt. Ein irisches Festival liess keltische Färbungen anklingen, «Stärn vo Bärn» liess Melancholie aufkommen.

Vor dem Abschluss bedankte sich Musikschulleiter Christian Plaschy herzlich bei all den jungen Musikerinnen und Musikern und bei ihren Eltern. «Es braucht sehr viel Aufwand, Disziplin und Elan von den Anfängen, da ein Kind ein Instrument zu lernen beginnt bis zum Moment, da ein Stück bühnenreif dasteht. Ich wünsche euch, dass ihr den Elan behaltet und noch viele, viele Lager miterlebt!» Plaschy bedankte sich auch bei den Registerleiterinnen und -leitern, die dafür schauten, dass «jeder Ton an den richtigen Ort kam» und «aus wildem Gedudel ein geordnetes Musikstück» geschaffen wurde. Besonderen Dank richtete er an Patrick Hummel, der das Lager zum dritten Mal in Folge leitete und alles «top organisiert» hatte.

«Sie schauten, dass jeder Ton an den richtigen Ort kam und dass aus wildem Gedudel ein geordnetes Musikstück geschaffen wurde.» Christian Plaschys Dank an die Registerleiterinnen und -leiter des Musiklagers.

Bohnen und Flöhe

«Full of beans» machte den Abschluss des Musiklagerkonzertes. «A bag of beans» bedeutet übersetzt «ein Sack voll Bohnen». Oder wie man hier auch zu sagen pflegt: «Ein Sack voll Flöhe». Nicht unpassend für eine quirlige Bande wie es die 85 Lagerkinder waren, die sich eine Woche lang voll und ganz der Musik widmeten und wohl manchmal ein bisschen gebändigt werden mussten.

Das Blasorchester Michelsamt-Surental unter der Leitung von Patrick Hummel bot einen souveränen Auftritt.
Ebenso charmant die Ansagen in Weiss und Schwarz, die Farben des Blasorchesters Michelsamt-Surental.
Noël Koch konnte zurücklehnen nach seinem dreiminütigen Solo an der Tuba, die Band spielte indessen weiter.

Ursula Koch-Egli


Weitere Impressionen des Abschlusskonzertes am 19. Oktober im Forum Triengen: 


Bilder: uke




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