Ein bewusstes «Nein»
Das «Nein» ist kein beliebtes Wort bei Kindern. Kein Wunder, scheuen sich Eltern zuweilen, das unpopuläre «Nein» laut und deutlich auszusprechen. Besonders müde Mütter und Väter fürchten sich vor der Reaktion der Kleinen, aber auch der jugendlichen Söhne und Töchter. Je nach Alter und Temperament zeigt der Nachwuchs seinen Protest mit tobendem Gebrüll, beleidigtem Davonlaufen, stummem Augenverdrehen oder lautem Türknallen. Es braucht also eine grosse Portion Mut, die Familie zu einem bewussten «Nein» aufzufordern.
Zu diesem Wagnis ruft uns die Kirche in der Fastenzeit auf. Ein Ruf, welcher auch bei Erwachsenen nicht nur auf positives Echo stösst. Wer lässt sich schon gerne vorschreiben, was auf den Teller kommen soll oder wie oft die Badewanne gefüllt werden darf! Die Erfahrung der elterlichen Erziehung zeigt: Das strenge «Nein» mit gehobenem Mahnfinger führt nicht selten zu Protest statt Einsicht.
Als Familie die Fastenzeit gestalten
Wer als Familie die 40 Tage Fastenzeit bewusst gestalten will, muss gemeinsam eine Form finden, auf die sich alle einlassen können. Es darf mit Fantasie und Kreativität überlegt werden, worauf die einzelnen Familienmitglieder freiwillig verzichten möchten. Das muss nicht für alle derselbe Verzicht sein. Experimentieren und Neues ausprobieren kann auch Kinder motivieren. Das selbstgewählte «Nein» soll durchaus herausfordern und aus der Komfortzone herausführen. Und es soll auf neue Freiräume aufmerksam machen. Unbedingt dazu gehört das gegenseitige Unterstützen bei Durchhängern und Loben beim Gelingen. Hier ein paar Fastenexperimente für Familien:
– «Nein» zur täglichen «Paw-Patrol»-Sendung dafür eine Gutenachtgeschichte erzählen
– «Nein» zum Liftfahren dafür Treppenhüpfen
– «Nein» zum plastikverpackten Znüniriegel dafür gemeinsam Brötli backen
– «Nein» zum Onlineshopping dafür überzählige Spielsachen in die Brocki eines Hilfswerks bringen
Sonntage sind «Ja»-Tage
Dabei dürfen die Eltern aber nicht aus den Augen verlieren, dass diese besondere Zeit der Vorbereitung auf das christliche Auferstehungsfest dient. Deshalb gehört zur Fastenzeit neben Verzicht, Gebet und Hingabe für Bedürftige auch die Vorfreude auf Ostern. Darum darf am Sonntag auch ausdrücklich auf das «Nein» verzichtet werden. Als «Ja»-Tage weisen die Sonntage in der Fastenzeit schon hin auf das «Ja» zum Leben, welches uns zu Ostern neu geschenkt wird.
Christa Wandeler-Wey, Katechetin