Editorial: Von Schafen und Regierungsräten
Was bleibt von dieser Woche? Oft sind es die kleinen Geschichten am Rande. Ich fuhr zu einem jährlich stattfindenen lockeren Austausch von Journalisten mit den Regierungsrätinnen und Regierungsräten Reto Wyss, Armin Hartmann, Michaela Tschuor und Ylfete Fanaj, ohne Traktanden, ohne Protokoll.
Da sah ich unterhalb von Hildisrieden die Schafherde, die mich schon mehrmals zu einem Halt und einem Schwatz animiert hat. Ich hatte zehn Minuten Zeit für einige Gegenlichtaufnahmen der fast biblischen Szenerie und ein Gespräch mit dem Wanderhirten Michael Cadenazzi, der bis Mitte März durchs Michelsamt zieht. Die Schafe waren jedoch für ein Interview nicht zu haben. Mehr als ein «Määääääh» war ihnen nicht zu entlocken. Auch die prächtigen Esel waren äusserst wortkarg. So nahm ich am Folgetag nochmals mit dem Wanderhirten Kontakt auf und recherchierte über die Tiere und das Wanderhirtentum.
Umso mehr freute ich mich dann nach diesem glücklichmachenden Moment auf den inspirierten, lockeren Austausch mit den Regierungsrät:innen. Die Gespräche waren bereichernd und spannend, wie beim Feierabendbier unter Kollegen, eine grosse Stärke des Schweizer Politsystems. Der stellvertretende Regierungspräsident Reto Wyss betonte die Bedeutung des Journalismus und nannte die Aufgaben der vierten Gewalt im Staat «systemrelevant und zentral für das Funktionieren unseres direktdemokratischen Systems».
Beim Weiterfahren kam mir das Gleichnis vom verlorenen Schaf in den Sinn. Lustigerweise kommen die Schafe auch in der Kolumne von «Hie und da – Carina» vor. Das Lesen der Seite 20 der aktuellen Ausgabe des Anzeigers Michelsamt lohnt sich diesmal also ganz besonders.
Karl Heinz Odermatt
redaktion@anzeigermichelsamt.ch