Editorial: Wir sind endlich wieder Bundesrat!
Grosse Freude herrscht, denn dies ist ein historischer Moment, ja es ist eine Sensation: Die Zentralschweiz ist mit dem Zuger Martin Pfister erstmals seit 2003, seit dem Rücktritt von Kaspar Villiger aus Pfeffikon, wieder im Bundesrat vertreten. Zug war sogar über 50 Jahre, seit Hans Hürlimann, nicht mehr im Bundesrat vertreten. Dass Pfister ohne Hausmacht und ohne Erfahrung im Bundeshaus gegen den gewieften Lobbyisten und hartnäckigen, um nicht zu sagen kompromisslosen Bauernvertreter Ritter deutlich gewinnen konnte, spricht für ihn. Es wird kaum nur daran liegen, dass er den Rang des Obersten bekleidet, während Ritter nur Gefreiter ist. Man könnte es etwas verkürzt zusammenfassen mit: Regierungserfahrung schlägt extremen Lobbyismus. Gut für die Schweiz, gut für uns alle.
Der sympathische Zuger Regierungsrat mit Pfadinamen «Hecht», der in Allenwinden wohnt, studierte Germanistik und Geschichte. Er ist auch leidenschaftlicher Jogger, wird immer wieder bei der beliebten Zugerberg-Trophy gesichtet. Und er spielt Posaune in einer Guuggenmusik, die am Mittwoch fröhlich auf dem Bundesplatz aufspielte. Wichtig ist nun jedoch, dass die Kakophonie von Einzelkämpfern und Sologängen im Bundesrat aufhört. Die Landesregierung muss sich gerade in diesen sehr anspruchsvollen Zeiten gut konstituieren, zusammenraufen und nach aussen endlich wieder als Einheit auftreten, auch eine Vision entwickeln für das Land, zum Nutzen des Landes, zum Vorteil von uns allen. Und wer das nicht mittragen kann oder will, sollte zum Nutzen des Landes Platz machen für neue Kräfte, die reichlich vorhanden sind. Ein Hoch auf die Schweiz und unsere Demokratie, unsere Institutionen und die Menschen, die sie immer wieder mit Leben füllen.
vl: Christine Bulliard, Regina Durrer, Karin Stadelmann, Martin Pfister, Andrea Gmür, Luca Boog, Nicole Barandun und Erich Ettlin: Zentralschweizer Freude über den neuen Bundesrat.
Karl Heinz Odermatt
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