Editorial: Kultur à discrétion, wo gibts das schon? Im Michelsamt!
Was für eine Kulturwoche im Michelsamt! Nach den unvergesslichen Jahrhundertfeierlichkeiten in Hildisrieden hat «Us em Näihchäschtli» alle begeistert und noch mehr gehalten, als es versprochen hatte. Die Vorfreude auf den 14. bis 17. September ist schon gross bei allen, die es diesmal verpasst haben oder nochmals geniessen wollen.
Schwarzenbach erlebte letztes Wochenende mit zwei magischen, poetischen Aufführungen des Zirkus Balloni als Höhepunkt der Projektwoche und mit der Premiere des sehr gelungenen Stücks «Zoff im Paradies» gleich zwei Highlights.
Schon an der Fasnacht sagte man mir augenzwinkernd: «Du musst dann unbedingt an unser Dorftheater kommen, das ist im Fall richtig gut, nicht so wie das Polittheater, das ihr in Beromünster immer habt.» Ehrensache, dass ich mir die Daten dick in der Agenda eingetragen habe.
«Zoff im Paradies» ist ja auch eine gute Metapher auf das «richtige» Leben: Es wär im Grundsatz paradiesisch, doch irgendwas ist immer, das mindestens die gute Laune trübt, wenn nicht sogar die Sonne verfinstert. Ich hatte während dem Genuss der Komödie den Satz aus Schillers Tragödie «Wilhelm Tell» hartnäckig im Kopf: «Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.» Und war dann froh, dass sich am Schluss nach vielen Turbulenzen in alle Richtungen komödientypisch mit einem «Happy End» alles in Minne auflöste, das Gute im Menschen allumfassend gewann. Daran arbeitet die «Weltregie», wenn es denn eine gibt, für das ganz grosse Erdentheater noch...
Karl Heinz Odermatt
redaktion@anzeigermichelsamt.ch