Editorial: Jagdglück, intensiv erlebt
Es gehört zu den schönsten Erlebnissen für einen Journalisten, in eine für ihn unvertraute Welt eintauchen zu dürfen und in einem Tag so viel Neues zu lernen und zu erfahren wie sonst in einer ganzen Woche. So geschehen, als ich kürzlich mit der Jagdgesellschaft Römerswil die Treibjagd intensiv miterleben und jahrhundertealte Traditionen kennenlernen durfte.
Da ich immer gerne gut vorbereitet bin, fragte ich unter anderem vorgängig einen guten Kollegen, der passionierter Jäger ist, was für ihn das Wichtigste daran sei. «Dass ich sehr viel Zeit in der Natur verbringen und die Zusammenhänge immer besser verstehen darf», sagte er mir überzeugt, fast nach dem Motto «Heute hab ich nichts geschossen, dafür die gute Luft genossen».
Selber zu erleben, was Jagdglück bedeutet, wie die Jäger:innen miteinander und mit der Natur umgehen, eigene Vorurteile zu entkräften und sich dabei in Geduld und Demut zu üben, war ein tiefes, hoch emotionales Erlebnis. Auch das Jägerlatein, das verbale Ausschmücken und liebevolle «Blöffen» untereinander, hatte ich ziemlich rasch drauf. Dabei kam mir das Zitat von Otto von Bismarck in den Sinn: «Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd».
Jagd ist zutiefst menschlich, die Journalisten machen Jagd auf Primeurs, die Fussballer auf Tore, die Künstler auf Applaus und die Politiker auf Wählerstimmen. So schliesst sich der Kreis zu weiteren Themen dieser Ausgabe. Der Fokus auf den Seiten 2 und 3 dieser Ausgabe zur Jagd sei ganz besonders zur Lektüre empfohlen.
Karl Heinz Odermatt
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