Editorial: Es war einmal...
... im Sommer 2015, als mir Noldi Eichenberger eine Bewerbung in die Hand drückte. Das war meine erste Begegnung mit Sandro. Darin stand unter anderem: «... möchte meine journalistische Heimat finden.» «Und, hast du eigentlich deine journalistische Heimat gefunden?», fragte ich Sandro Jahre später über die Pulte hinweg. Er lehnte sich im Bürostuhl zurück und sagte lächelnd: «Ja-a». Es war sein typisches, sanft in die Länge gezogenes «Ja-a», das bald alle kennenlernten, die mit ihm zu tun hatten. «Findi guet», war ein anderer, wohlbekannter Ausdruck seiner unvergleichlichen Grosszügigkeit, wenn es darum ging, Ideen aufzunehmen, einzubringen, umzusetzen. Nichts, so schien es, hätte den Chefredaktor in einer noch so hektischen Lage je aus der Ruhe bringen können. Ausser, wenn jemand sein journalistisches Ethos touchierte. Dann konnte er deutlich anders werden. Und wenn es gar aufgeheizte Leserbriefe gab, freute er sich schelmisch. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Geradlinigkeit und Grosszügigkeit hat Sandro Portmann dem «Anzeiger Michelsamt» über knapp sieben Jahre hinweg seine Prägung und Ausstrahlung verliehen – und das Blatt ihm seine Heimat. Nun zieht es ihn weiter. Denn auch sein Herz hat eine neue Heimat gefunden. Die Zahl Sieben ist übrigens in den Märchen immer entscheidend. Sieben Schwäne, sieben Raben gilt es zu erlösen, und die sieben Zwerge sind zuverlässige Helfer. Wie lautet das Märchen von spo? Vielleicht: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen? Wir alle sind gespannt auf die Fortsetzung. Das Leben schreibt die schönsten Märchen. «Vergesse nie die Heimat, wo deine Wiege stand, du findest in der Fremde kein zweites Heimatland», so ein Sprichwort. Ich hoffe, dass spo in der Fremde gerne hin und wieder an seine journalistische Heimat zurückdenkt... und wenn er nicht gestorben ist, so schreibt er heute noch. Vielleicht einen Leserbrief.
Ursula Koch-Egli