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Drei Engel für eine Serenade

Wenn Judith Müller, Sabine Bachmann-Frey und Andrea Hofstetter-Huwiler zusammen musizieren, solls erlaubt sein, die drei Künstlerinnen als Engel zu bezeichnen. Auch an der Rickenbacher Sommerserenade vom vergangenen Sonntag kam man nicht darum herum, von ihrer Musik berührt zu werden.

Boten schönsten Musikgenuss: Andrea Hofstetter-Huwiler, Judith Müller und Sabine Bachmann-Frey.


«Serenade» ist aus dem Französischen entlehnt, sérénade, oder dem Italienischen, serenata, – was für «Abendmusik» steht. Etwas malerischer: «Abendständchen des Liebhabers vor dem Fenster der Geliebten». In diesem Fall war es kein Liebhaber, sondern drei professionelle Musikerinnen, die rund hundert Gästen in der Kirche Rickenbach ein hochklassiges Sommerabendkonzert boten.

Da das Programm der Serenade vom vergangenen Sonntagabend auf das Thema Himmel abgestimmt war, ist es nicht ganz verwegen, von drei Engeln zu sprechen, die auf anmutige, lockere und professionelle Weise ihr Konzertpublikum in klangvoll himmlische Gefilde entrückten – mit einem Querschnitt durch Filmmusik, Oper und Operette. Ganz zum Abschweifen, Zurücklehnen und Geniessen.

Ein dem Mentor gewidmeter Tanz

Geigerin Judith Müller strahlte eine warme, virtuose, auch irgendwie strenge Präsenz aus – sie, die vor 31 Jahren als Teenager erstmals für eine Sommerserenade in Rickenbach aufspielte und schon damals für grosses Staunen im Publikum sorgte, strahlt auch heute noch die volle und kompromisslose Hingabe für ihr Geigenspiel aus. Am schönsten zur Geltung gebracht beim temperamentvollen ungarischen Tanz Czárdás, den sie ihrem einstigen Mentor Hans Willimann-Frank widmete. «Dieses Stück haben wir immer zusammen gespielt», so die Geigerin erklärend, und fast etwas trotzig klang der Zusatz: «De spelemer haut dä Czárdás!» Es war ein absoluter Genuss.

«Hast du ihre wunderschöne Geige gesehen? Ich glaube, die ist über 300-jährig...!» Eine Besucherin, die nebst der Musikalität auch das Instrument von Judith Müller bewunderte.


Die Profimusikerin und gebürtige Rickenbacherin Judith Müller spielt seit ihrer Kindheit für die Sommerserenade.


Eine Welt in Himmelblau

Wer Andrea Hofstetter-Huwilers optische und stimmgewaltige Präsenz von letztem Jahr her schon kannte, war vielleicht diesmal zwar nicht ganz so überwältigt von ihrem Auftritt, aber immer noch fasziniert. Eine Stimme, für die das Kirchenschiff von Rickenbach zu klein ist, und eine Ausstrahlung, die über eine Stunde hinweg auch den hintersten Winkel des Raumes erreicht. Im azurblauen Top verzauberte die Sopranistin das Publikum mal kokett mit Operette («Die ganze Welt ist himmelblau...»), mal ausdrucksstark mit Oper, keck mit Musical («It’s delightful, it’s delicious...») und schliesslich absolut berührend mit dem Sehnsuchts-Klassiker «Memory» aus dem Musical Cats.

Solide Grundlage

Dass solch glanzvolle Darbietungen nicht ohne solide Basis auskommen, ist klar. Diese gab dem Trio Sabine Bachmann-Frey am Piano und am Akkordeon. Etwas im Hintergrund wirkend, im schwarzen Kleid hinter den grossen Instrumenten, spielte sie eine wohlklingend tragende Rolle und es machte Freude, das Trio der drei so verschiedenen Musikerinnen als Einheit zu erleben, das dem Publikum stets auch ein sympathisches Lächeln schenkte. Drei Engel für hundert Gäste? Nun, die himmlische Anlehnung möge angesichts der wunderbaren Darbietung erlaubt sein.

«It's delicious, it's delightful...!» Sopranistin Andrea Hofstetter-Huwiler füllte den Raum mit ihrer Präsenz.


Wer bekommt den Engel?

Drei Engel für drei Musikerinnen – auch das gab es an diesem Abend. Thomas Wyss, Präsident des Kulturforums Rickenbach, überreichte den Künstlerinnen zum Abschluss ein kleines «Schutzengelchen» aus Schokolade, welches angesichts der hochsommerlichen Temperaturen, sogar abends um acht in einer Kirche, bald zu schmelzen drohte.

Ein zusätzliches Engelchen – und das ist Tradition bei der Rickenbacher Sommerserenade – verschenkt der Präsident jeweils spontan einem anwesenden Gast. Diesmal bekam es Hans Estermann («Weil du immer dabei bist»), der es erstaunt und erfreut entgegennahm. Ebenfalls gehört der Apero im Pfarrgarten jedesmal zum beliebten Ausklang der Serenade. Mitglieder des Kulturforums servierten Weisswein und Speckzopf unter freiem Himmel, ein lauschiges Ambiente für fröhlichen Austausch. Durchwegs waren begeisterte Stimmen zum Konzert zu vernehmen. «Toll! Sensationell! Diese Leistung! Und Judith... hast du ihre wunderschöne Geige gesehen? Ich glaube, die ist über 300-jährig!»

Immer eine Freude: Der Apero, offeriert vom Kulturforum Rickenbach, nach dem Konzert im lauschigen Pfarrgarten.


Weitere Impressionen von der Sommerserenade 2023:



Text und Bilder: Ursula Koch-Egli




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