Dr. Wolle verordnet: 400-mal Lachen pro Tag
Der Pfarreirat von Beromünster lud am Sonntag zum dritten «Abenteuer und Genuss» ins Pfarreiheim. Spitalclown «Dr. Wolle» von der Stiftung Theodora war Gastreferent und beeindruckte mit Erzählungen aus seiner Berufspraxis. Seine Verordnung fürs Leben: Mehr Seich machen.
Der Pfarreirat von Beromünster lud am Sonntag zum dritten «Abenteuer und Genuss» ins Pfarreiheim. Spitalclown «Dr. Wolle» von der Stiftung Theodora war Gastreferent und beeindruckte mit Erzählungen aus seiner Berufspraxis. Seine Verordnung fürs Leben: Mehr «Seich» machen.
Es herrschte eine heitere Stimmung im Pfarreiheim Beromünster am Sonntagmitttag. Kein Wunder, wenn man einen Clown zu Gast hat. Ernst bis tieftraurig aber waren die Themen, mit denen man an diesem Anlass in Berührung kam.
Der Spitalclown «Dr. Wolle» von der Stiftung Theodora war eingeladen worden, um aus seiner Arbeit als Spitalclown zu berichten. «Abenteuer und Genuss» heisst der alljährliche Anlass, den der Pfarreirat Beromünster jeweils im November durchführt. Dabei geht es immer um das «Abenteuer Leben» in verschiedenster Form. «Genuss» deshalb, weil man dabei jeweils bestens zum Mittagessen verköstigt wird. Diesmal waren es «Ghackets und Hörnli» aus den Töpfen der Gebrüder Meyer.
Wie viel man lacht, und wie ein Clown mit Leid umgeht
Von Begegnungen mit kranken, auch todkranken Kindern erzählte der wuschelköpfige «Dr. Wolle», der mit bürgerlichem Namen Kurt Bucher heisst, seinem aufmerksamen Publikum und erklärte, wie wichtig das Lachen für die Menschen ist. 400 Mal lachten Kinder pro Tag, wusste der Fröhlichmacher vom Dienst zu erzählen, während es Erwachsene auf gerade mal 15 Einheiten brächten. Eine beeindruckende Differenz.
«Wir wissen alle nicht, wie viel Zeit wir noch haben. Wir sollten viel mehr ‹Seich› machen!» Wie sagt man doch? Kinder und Narren sagen die Wahrheit.
Im Anschluss an das Referat entstand ein angeregtes Gespräch. Der Clown zeigte sich nach ein paar Kunststücken, die nicht nur die Kinder im Saal zum Lachen brachten, offen für die Fragen aus dem Publikum. Wie kommt ein Spitalclown zurecht mit all dem Leid, mit dem er täglich konfrontiert ist? Er antwortete mit Überzeugung: «Wenn ich einem Kind einen schönen Moment geben kann, bekomme ich so viel!» Er würde ja so gerne etwas an der Situation der kranken Kinder ändern, aber er könne das nicht. Und im Gegensatz zu den Ärzten, die den Kindern oft weh tun müssten, könne er ihnen eine Freude bringen.
Rote Nase als Vorschuss
Was, wenn ein Kind stirbt? Dies gehört für den Spitalclown zum Beruf, und er antwortete, dass das ihn nur noch stärker motiviere, mit den Kindern noch lustiger zu sein. «Wir wissen alle nicht, wie viel Zeit wir noch haben. Wir sollten viel mehr ‹Seich› machen!», betont er mit einem Lächeln unter seinem Hut und Wuschelkopf mit strahlend hellblauen Augen – und man nimmt es ihm ab.
Er erzählt von magersüchtigen Teenagern in den Spitälern, die keinen Clown, aber einen Freund bräuchten. Vom Gespür, zu merken, was jemand braucht und was nicht. Alle lauschten interessiert. Eine Frau fragte nach der Ausbildung. «Clown ist man, oder ist man nicht», so die lakonische Antwort. Aber ja, er habe eine Clownschule gemacht. Blödsinn machen könne man lernen. Und dann unvermittelt: «Überlegen Sie es sich auch, die Clownschule zu machen?» Die Seniorin lachte herzlich und verneinte, sie bekam aber vorsorglich eine rote Nase geschenkt. Alle lachten mit – ja, so einfach kann Lachen sein.
400-mal Lachen am Tag – für Kinder kinderleicht, im Arbeitsalltag aber ein hoch gestecktes Ziel. Der Verordnung von Doktor Wolle nachzukommen, wäre empfehlenswert, die Nebenwirkungen fielen garantiert positiv aus.
Ursula Koch-Egli