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Kultur | Rain

«Don’t Stop Us Now» – Jetzt wird Rainer Musikgeschichte geschrieben

Das neu gegründete Blasorchester Rain, die stimmige Fusion der traditionsreichen Rainer Musikformationen «Harmonie» und «Feldmusik», macht Ernst mit Harmonie und lud erstmals gemeinsam zum Jahreskonzert ein. «Der Weg dahin war kurvenreich, intensiv und hielt den einen oder anderen Stolperstein bereit und ist vor allem noch lange nicht fertig!» schrieben die Co-Präsidenten Roland Schacher und Patrick Amrein in der Ankündigung. Das Motto passte in mehrfacher Hinsicht. Das Konzert begeisterte und weckte die Vorfreude auf den weiteren Weg.

Sichtlich entspannt nach der dritten Zugabe!

Nun sind sie in voller Fahrt und bringen dies zum Ausdruck mit dem aktuellen Programm. «Ob musikalisch, gemeinschaftlich oder administrativ: Wir geniessen die vielen Möglichkeiten, die sich nun eröffnen. «Nichts und niemand hält uns auf, keine hin- und herwechselnden 5/8-Takte, keine irrsinnig schnellen Tempoangaben und auch kein Ton, der soooo lange ausgehalten werden muss…» hiess es in der Einladung. Das steigerte die Vorfreude auf das erste Konzert.

Egal ob liberal oder «die Mitte der Mitte»: Lasst die Musik sprechen

Offiziell gibt es seit 1866 einen Musikverein in Rain. Erst 1906 fand die Teilung in zwei Vereine statt. Die Fusion ist also eigentlich eine Rückführung in den ursprünglichen Zustand. Zwischen den beiden Vereinen herrschte über Jahrzehnte strikte Trennung. Von der politischen Gesinnung bis zur Familienplanung war der jeweils andere Musikverein ein Tabu. Dass es in einem Dorf zwei Blasmusikvereine gibt, die sich die Erstklassigkeit immer wieder erspielten, ist aussergewöhnlich. Vor zehn Jahren gab es die ersten zaghaften Annäherungsversuche. Seit 2019 wird es nun konkret, professionell aufgegleist und mit einer sechsköpfigen Steuerungsgruppe mit je drei Personen aus beiden Vereinen, damit man bald Logo, Fahne und vieles mehr hat und rasch zusammenfindet. Der Verein zählt nun 75 Mitglieder, ist also ein «XXL-Blasorchester». Logisch, dass da Kulturen zusammengeführt werden müssen und erst langsam zusammenkommt, was zusammengehört.


Severin Schnurrenberger am Sex und Gino Rossit am S-Bass.


Grosse Leidenschaft für die Musik – vom Dirigenten bis zum Platzanweiser

Gemeindepräsident Oski Berli wies wie seit vielen Jahren zusammen mit Vize-Fähnrich Alois Bucheli charmant zu den Plätzen – und es gab ausschliesslich gute. Doch nun zum Musikalischen: Der Abend wurde eröffnet von einem allzu kurzen Set der Juniorband Rain/Hildisrieden. Die jungen Musiker überzeugten und sagten sich schon sehr professionell selber an. Dann folgten die «ausgewachsenen» Musiker mit einem ersten Höhepunkt: Queens Hymne «Don’t Stop Me Now» aus dem Album «Jazz» von 1979, ein wahrer Klassiker. Der Basler Thierry Rau fiel gleich auf als Dirigent mit wallender Haarpracht und Leidenschaft für die Musik, die er in vielen Projekten auslebt, auch als Arrangeur und Komponist von modernen Musikproduktionen. Er ist der erste von drei Dirigenten, die nun mit dem neuen Musikverein je sechs Monate engagiert wurden, damit man in diesen «Assessments» die optimale musikalische Passung findet. Co-Präsident Patrick Amrein, der zusammen mit Roland Schacher die Geschicke des neuen Vereins leitet, verdankte die grosse Arbeit aller, insbesondere der Fusionskommissionen. Die Stücke wurden charmant und humorvoll anmoderiert von Carmen und Rahel Kaufmann. Die beiden 19-Jährigen machten dies zum ersten Mal, was man fast nicht glauben konnte.

Das Stück «Arabesque» brachte Gefühle aus «Tausendundeiner Nacht» auf, man konnte sich die Bauchtänzerinnen bestens vorstellen. «Dr Alpeflug» von Mani Matter war dazu ein sehr schöner einheimischer Kontrast. Faszinierend, dass auch die jüngste Generation seine kurzen, tiefgründigen Songs kennt und schätzt. «Songs of the Wizz» von Musikgenie und Jackson-Entdecker Quincy Jones begeisterte durch Wucht und Abwechslungsreichtum. «A Choral for a Solemn Occasion» kam feierlich rüber, vom Holländer Marc van Delft 2001 komponiert.

Drei Zugaben und dann… fröhliches Beisammensein

Nach dem Programmteil sagte der Co-Präsi «wir haben Zugaben vorbereitet, ihr entscheidet, wie viele wir spielen». Das kam bestens an, es wurden drei schöne Zugaben: Duke ­Ellingtons «I don’t mean a thing» von 1943, der obligate Marsch, «Army of the Nile» und schliesslich als Reprise nochmals Queens Mottogeber «Don’t Stop Me Now», wo alle im Takt mitwippten.

Die drei Jahreskonzerte vom Freitag bis Sonntag waren alle gut besucht, jedoch nicht ganz ausverkauft. Nach dem Konzert wurde noch lange an den Tischen gegessen, getrunken und diskutiert, bevor viele an der Bar den Event ausklingen liessen. Mit vielen der Musiker konnte man nach dem Konzert einen Schwatz halten. Alle waren zufrieden, wie es gelaufen ist, einzelne sahen auch noch «Luft nach oben», wie das ja bei dieser Ausgangslage nur logisch ist. Überall traf man begeisterte Musikfreunde und lockere Stimmung. So soll es sein, und so ist es hoffentlich bald wieder. Am 11. März 2022 ist die Fusionsversammlung angesetzt. Musikalisch weiter geht es mit Auftritten am 20. März mit dem «Jubilarenständli», am 24. April (Weisser Sonntag), am 16. Juni (Fronleichnam) und als Höhepunkt am 18. Juni 2022 mit dem herbeigesehnten, wegen der Pandemie verschobenen «Kantonalen Musikfest» in Emmen. Sie lassen sich definitiv nicht stoppen…

Rahel und Carmen Kaufmann moderierten den Abend gekonnt und charmant. 


Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt




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