Don-Bosco-Fest 2024: «Es lohnt sich zu träumen und Träume zu unterstützen» (mit Bildergalerie)
Am vergangenen Sonntag fand das traditionsreiche Don-Bosco-Fest statt. Nachdem 2023 Pater Mykhailo Chaban, Provinzial der Salesianer Don Boscos, in der Ukraine Hauptgast war, berichtete diesmal Bruder Christof Baum eindrücklich über den Aufbau, seine Arbeit und deren Wirkung im Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien in Ashaiman, Ghana. Dort erhalten junge Menschen aus Westafrika eine hochwertige Ausbildung in Solar- und Elektrotechnik. Es war ein stimmiger, vielseitiger und Mut machender Tag.
Der Auftakt des Fests wurde traditionell mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Stephan begangen. Pater Josef Knupp stand dem Gottesdienst vor und konzelebrierte mit Bruno Oegerli, Toni Rogger und dem ehemaligen Direktor des Don Bosco, Norbert Schützner. Der Gottesdienst wurde musikalisch umrahmt von «African Feelings», von zwei Special Guests aus Burkino Faso: der Sopranistin Fatoumata Dembélé und dem Kora-Spieler Bakari Traore. Eine Kora ist eine mit beiden Händen gezupfte westafrikanische Stegharfe, die auch als Harfenlaute bezeichnet wird. Sie wird seit dem 16. Jahrhundert gespielt. Die Sopranistin Fatoumata Dembélé sang eindringlich und klagend, immer wieder an Gott gerichtet und immer wieder dankbar gegenüber dem Publikum. Sie sprach Französisch, die Dankesworte richtete sie gerne in Deutsch an die Festgemeinde. Markus Lang hatte die musikalische Leitung. Klara Zumthurm (Sopran), Pascal Ineichen (Percussion) und Susi Lang (Orgel/E-Piano) überzeugten zusammen auf der Empore und auch in Interaktion mit den beiden Special Guests.
Predigt in Gesprächsform als fesselndes Interview
Die Predigt wurde interaktiv als fesselndes Interview gestaltet. Geschäftsführer Markus Burri moderierte. Bruder Christof Baum berichtete über den Aufbau, seine Arbeit und deren Wirkung im Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien in Ashaiman, Ghana. Dort erhalten junge Menschen aus Westafrika eine hochwertige Ausbildung in Solar- und Elektrotechnik. Er sagt: «Es macht mir Freude zu sehen, wenn meine Schülerinnen und Schüler besser als ich werden und sie selbständig arbeiten und auch mir Neues beibringen können. Ich liebe es zu sehen, wie sich die jungen Menschen weiterentwickeln. Einzelne Jugendliche nennen mich hin und wieder Papa. Das bedeutet, dass sich ihr Leben durch meine Anwesenheit ganz entscheidend verändert hat.»
Christoph Baum wurde begleitet von Nangoh Dieudonne Monmou aus Guinea, der selber die Ausbildung durchlaufen hat und nun als Trainer im Zentrum in Ashaiman arbeitet. Er erzählte über die wichtigsten Wegmarken in seinem Leben: Mit zwei Jahren haben sich seine Eltern getrennt, mit sieben Jahren hat er seinen Vater verloren, dann fand er sich jahrelang auf der Strasse wieder. Sein Onkel holte ihn dann von der Strasse. Er war bald sehr wissbegierig und ehrgeizig. Er war bei der Ausbildung zum Elektriker in einem Berufsbildungszentrum von Don Bosco in Guinea der Beste von 400 Lernenden. Dieudonné wollte anschliessend unbedingt Englisch lernen und hatte die Möglichkeit, zu Don Bosco nach Ghana zu wechseln. Dort wurde Bruder Christof Baum, Leiter des Kompetenzzentrums für Photovoltaik-Anlagen in Ghana, auf ihn aufmerksam und förderte ihn.
Heute ist Dieudonne Monmou verantwortlich für die Ausbildung von Solarspezialisten in den französischsprachigen Ländern Afrikas. Vor einem Jahr wurde er getauft. In 6 Jahren wurden nun 1700 Jugendliche zu Solarspezialisten ausgebildet, und 330 Lehrer befähigt, eine grossartige Erfolgsgeschichte. Dieudonne bedeutet Gottesgeschenk, und seine Geschichte und sein Wirken könnten kaum besser beschrieben werden.
Beim Apéro Kontakte gepflegt, am Nachmittag viel Inspiration erfahren
Nach dem Gottesdienst waren alle zum Apéro im Don Bosco eingeladen, wo viele Kontakte gepflegt wurden und ungezwungen neue entstanden. Darauf füllte sich der Don-Bosco-Saal komplett zum Mittagessen, das von der Galfri in Beromünster hervorragend gekocht und von einheimischen Jugendlichen serviert wurde.
Das Nachmittagsprogramm bot viele Informationen über das Jugendwerk Don Bosco und Don Bosco Jugendhilfe Weltweit. Geschäftsführer Markus Burri führte durch das Programm. Der Leiter Finanzen und Stv. Geschäftsleiter Patrick Müller stellte eloquent die Geschäftszahlen von Don Bosco vor und berichtete leidenschaftlich von seinen bereits 25 Jahren bei Don Bosco. Alle Mitarbeitenden stellten sich und ihre Verantwortlichkeiten ebenfalls kurz vor. Gabriel Müller gehört als Leiter Kooperationen ebenfalls zur Geschäftsleitung. Anita Müller, Angela Bütler und Désirée Schöpfer sowie Noel Hodel sind Projektleitende und Länderverantwortliche. Katharina Kocherhans verantwortet die Kommunikation, Monica Vincent ist zuständig für die Administration und Spenderkommunikation.
Pater Toni Rogger ist Vorsitzender der Geschäftsleitung. Er berichtete über die Stiftung Don Bosco für die Jugend der Welt. Unter dem Dach dieser Stiftung können Stifterinnen und Stifter einen Projektefonds äufnen oder einen individuellen Fonds eröffnen. Die Stiftung ist sehr erfolgreich. Sie ist zu einem der grössten Geldgeber für Projekte der Don Bosco Jugendhilfe Weltweit geworden und kann jährlich über eine Million Franken ausschütten. Da die Stiftung immer wieder neue Zuwendungen in Form von grösseren Beiträgen und Legaten erhält, nimmt das Stiftungsvermögen trotz der grossen Ausschüttungen nicht ab.
Dank den Mitarbeitervorstellungen und Wortbeiträgen hatte man die Chance, dass die Aufgaben und Verantwortlichkeiten ein Gesicht bekamen.
Die in der interaktiven Predigt angesprochenen Themen wurden vertieft in einem Talk mit Bruder Christof Baum und Nangoh Dieudonne Monmou sowie Angela Bütler, Projektleiterin Afrika und Karibik, die perfekt zwischen Deutsch, Englisch und Französisch jonglierte. Dieudonne Monmou ist nun für eine Woche in der Schweiz unterwegs, für Projektbesprechungen und Anlässe in Zürich, Luzern und Liechtenstein, wie er gegenüber dem Anzeiger Michelsamt mit einem Leuchten in den Augen ausführt.
Das Albin Brun Trio begeisterte restlos
Das Nachmittagsprogramm wurde musikalisch vom Albin Brun Trio begleitet. Schon vor vielen Jahren hatte das OK mit Albin Brun Kontakt aufgenommen, nun hatte es endlich geklappt. Albin Brun, Schwyzerörgeli, Claudio Strebel, Kontrabass, und Markus Lauterburg, Schlagzeug/Perkussion, begeisterten die Festgemeinde mit ihren stark gespielten Stücken. Das Albin Brun Trio spielt Eigenkompositionen von Albin Brun, die inspiriert sind von Musikkulturen rund um den Globus – eine lebendige, direkte und unmittelbare Musik voll Drive und Poesie. Die mehrfach ausgezeichneten Musiker haben allesamt reiche internationale Erfahrung und strotzen vor Schalk, ausgelassener Spielfreude und hingebungsvoller Leidenschaft. Der Musikjournalist Pirmin Bossart schreibt zu Bruns Kompositionen: «Es ist ein Gefühl wie Heimweh und Fernweh zugleich. Wenn alles im Lot zu sein scheint und dennoch eine Sehnsucht aufblitzt. Ein imaginärer Ort, wo das Vertraute und das Fremde einander berühren. Das verleiht Bruns Sound diese persönliche Färbung.»
«Es lohnt sich zu träumen und Träume zu unterstützen», sagte Geschäftsführer Markus Burri zum Abschied nach einem gehaltvollen, informativen und stimmungsvollen Fest.
Einmaliges Ausbildungsprogramm in Elektro- und Solartechnik für Westafrika
Die Salesianer Don Boscos haben ein einmaliges Ausbildungsprogramm in Elektro- und Solartechnik für Westafrika entwickelt. Es trägt zur Stromversorgung mit Sonnenenergie bei, ermöglicht jungen Menschen, in einem zukunftsorientierten Beruf Fuss zu fassen und bekämpft gleichzeitig die hohe Jugendarbeitslosigkeit.
Alternative Energieformen haben in Westafrika viel Potenzial: Solaranlagen können zum Beispiel eine instabile Stromversorgung stabilisieren oder Elektrizität in Gegenden bringen, die noch unerschlossen sind. Dank der Nutzung des reichlich vorhandenen Sonnenscheins für die Stromgewinnung wird gleichzeitig die Umwelt geschont. Die Salesianer Don Boscos verfügen dank langjähriger Tätigkeit im Solarbereich in Afrika über praxiserprobte Erfahrung auf höchstem Niveau.
Durch die von Don Bosco entwickelte Ausbildung erhalten Instruktoren, Lehrkräfte und angehende Solartechniker eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Zudem wird die Nutzung von Solarenergie in verschiedenen Ländern Westafrikas gefördert. Die praxisorientierte technische Ausbildung eröffnet jungen Menschen Zugang zu einem wachsenden, nachhaltigen und zukunftsorientierten Arbeitsmarkt.
In einer zweiten Phase wird das bestehende Kompetenzzentrum weiterentwickelt, die laufenden Aktivitäten werden konsolidiert und die Ausbildung den neuesten Anforderungen angepasst.
Projektziele
Förderung alternativer Energiequellen in Westafrika, die eine stabile Versorgung durch erneuerbare Energien bieten und jungen Menschen Zugang zu qualitativ hochstehender Berufsbildung eröffnet. Das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien in Ashaiman, Ghana, wird durch Innovation in Forschung, Infrastruktur und Zusammenarbeit gestärkt, um mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten und eine breitere Wirkung durch qualitativ hochwertige Lerninhalte und Ausbildung in erneuerbaren Energien zu erreichen. Junge Menschen in Afrika erhalten Zugang zu einer ausgezeichneten praktischen und theoretischen Ausbildung im Bereich der Solartechnik und der erneuerbaren Energien. Dadurch gewinnen sie Perspektiven für ihre Zukunft. Ausgewählte Don-Bosco-Einrichtungen in Afrika erhalten Zugang zu stabilen, erneuerbaren Energiequellen, verringern ihren ökologischen Fussabdruck und dienen den umliegenden Gemeinden als Vorbild für die Nutzung erneuerbarer Energien. Das Programm wird mittels Ausbildung von Lehrkräften auf weitere Standorte ausgedehnt.
Projektaktivitäten
Das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien in Ashaiman wird durch Forschung, Infrastruktur und Zusammenarbeit gestärkt, um mit dem technischen Fortschritt Schritt zu halten und eine breite Wirkung durch eine qualitativ hochwertige Ausbildung anzubieten. Dank intensiver Zusammenarbeit mit Hochschulen und der Privatwirtschaft in Europa und Afrika verfügt es über aktuelles Wissen und Erfahrung im Bereich der erneuerbaren Energien und kann diese mit der vorhandenen Infrastruktur umsetzen. Es werden Weiterentwicklungen im afrikanischen Kontext getestet und geschult, so zum Beispiel Solarwasserpumpen, verschiedene Batterietechnologien, E-Mobilität, intelligentes Solarstromnetz («smart grid»), Energielastmanagement, Energieaudit, Wasserstoff und Biogasanlagen. Das Don Bosco Solarteam, das Solaranlagen plant und installiert, wird weiter gestärkt durch Mitarbeit in Netzwerken und Zusammenarbeit mit Akteuren für erneuerbare Energien (Ghana und regional). Das gut vernetzte Solarteam bietet hochwertige Schulungen und Planung sowie Installation von Solaranlagen an. Es wird bedürfnisgerecht dahin unterrichtet, mit welcher Anlage des Kompetenzzentrums möglichst viel erklärt, geübt und unterrichtet werden kann. Stufengerecht werden die Kurse für folgende Teilnehmergruppen angeboten: Berufsschullehrer in Elektrik, Absolventen des Lehrgangs in Elektrotechnik in unserer Einrichtung sowie anderer Institutionen sowie ausgebildete, selbständige Elektriker.
Alternative Energieformen fördern in Westafrika die Bildung, tragen zur Grundversorgung von Strom abgelegener Orte bei und schützen die Umwelt. Solaranlagen können zum Beispiel eine instabile Stromversorgung stabilisieren oder Elektrizität in Gegenden bringen, die noch unerschlossen sind. Dies ist ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Entwicklung. Dank der Nutzung des reichlich vorhandenen Sonnenscheins für die Stromversorgung wird gleichzeitig die Umwelt geschont. Die Programmverantwortlichen verfügen dank langjähriger Tätigkeit im Solarbereich in Afrika über ausgezeichnete praxiserprobte Erfahrung. Ebenso kann auf bewährte lokale und internationale Partnerschaften zugegriffen werden. Um weitere Synergien nutzen zu können und den Wissensaustausch zu fördern, pflegt das Projekt die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor und mit Bildungseinrichtungen sowohl im globalen Süden als auch im Norden.
Multiplikationseffekt dank «Training of Trainers»
Der erhoffte Multiplikationseffekt durch die Ausbildung von Instruktoren und Fachlehrern im Solarbereich zeigt sehr gute Resultate: Die geschulten Fachlehrer aus anderen Ländern gehen an ihre Ursprungsorte zurück und vermehren ihr Wissen dort. So haben beispielsweise zwei Absolventen der Ausbildung in Ghana im Don-Bosco-Berufsbildungszentrum in Onitsha, Nigeria, eine Solarausbildung für die Ausbildner der Berufsschule durchgeführt. Das Programm wird auf weitere Länder ausgeweitet und dadurch das Wissen in den nächsten Jahren an Hunderte junge Menschen weitergegeben. Als Lehrmittel werden die eigens von Don Bosco erarbeiteten Module verwendet.
Don Bosco Jugendhilfe Weltweit:
Die Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos wurde 1859 von Giovanni Bosco in Turin gegründet. Dort bekämpfte er erfolgreich die Not der benachteiligten und ausgegrenzten Jugendlichen. Das Anliegen Don Boscos, die jungen Menschen ernst zu nehmen, ihre Nöte und Bedürfnisse zu sehen, ihnen eine Stimme zu geben und die Möglichkeit, ihr Leben selbst zu gestalten, ist auch heute wichtig – überall auf der Welt. Die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit ist Teil des weltweiten Netzwerks der Salesianer Don Boscos und unterstützt die Arbeit der Salesianer zugunsten benachteiligter und bedürftiger Kinder, Jugendlicher und Familien, unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht. Aktuell sind rund 14 100 Ordensangehörige und mehr als 400 000 Fachkräfte und Freiwillige in 136 Ländern tätig.
Spendenkonto Postfinance
Vereinigung Don Bosco Werk – Jugendhilfe Weltweit
CH06 0900 0000 6002 8900 0
Internet: www.donbosco.ch
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt