Die spinnen, die Römer... und die andern auch!
«Die spinnen, die Römer...», sagten sich die Gallier und gönnten sich noch einen Zaubertrank. Die gesamte unverwüstliche Fankonsorte aus dem Asterix-und-Obelix-Comic hatte sich für den Maskenball der Fischlizunft so richtig ins Zeug gelegt.
Zunftmeister Achille I. Guiot hatte einen guten Riecher, als er sein Motto «Die spinnen, die Römer» aussuchte. Zum Maskenball am vergangenen Samstagabend waren viele gekommen und wie dem Comic entschlüpft, hatten sie sich, mehr oder weniger erkenntlich, in verschiedensten Rollen kostümiert und entsprechend selbstverwirklicht. Was man doch schon immer am liebsten gewesen wäre: Der herrschende Cäsar, der starke Obelix, der mysteriöse Miraculix... ja, und das Gefolge erschien in Heerscharen. Naja, in Scharen. Ein paar hatte es von allen: Legionäre in Rüstung, Cäsaren mit Lorbeerkränzen, Schönheiten in Togen, Cleopatren, Druiden, sogar ein Wildschwein. Und Amor. Und einen «Jesus». Zugegeben, der war etwas comicfremd, stammte aber immerhin auch etwa aus dieser Zeit. Und da war eine, die das Motto wortwörtlich umgesetzt hatte und den ganzen Abend, die Arme, mit einem Spinnrad tanzte. Die spinnen wirklich, die Römer, und die andern natürlich auch. Es war ein Heidengaudi an diesem Maskenball.
Tanzfläche durchgehend in Betrieb
Die erprobten «Zuzweit-Unterhalter» The Ringo’s gaben durchgehend den Takt des Abends vor. Die Tanzfläche, die immerhin fast einen Viertel der Halle ausmachte, blieb nie leer. Im Paartanz wurden Tanzbeine und alles was sich bewegen liess, fröhlich geschwungen. Zu Schlagern wurde gejohlt und natürlich fehlten all die Reisser nicht, die die Leute vom Hocker holten und in eine langgezogene Polonaise lockten. «Und dann die Hände, zum Himmel... wir wollen fröhlich sein...» Ja, das waren sie, die Leute von der Fischlizunft und ihre Gäste. Auch die Zünfte von Neudorf und Hildisrieden machten ihre Aufwartung und musikalischen Besuch gabs von den Stössucheibe, den Schnäggeschränzern und zu Mitternacht von der Guuggemusig Auckland, welche mit Rickenbach eine jahrelange Freundschaft verbindet, und die all Schaltjahr mal wieder hier auftauchen. Es war ein Riesenfest.
Genügend Platz für alle Vorlieben
Der Kubus bot genügend Platz für alle Vorlieben. Tischreihen zum Sitzenbleiben, eine Fläche zum Tanzen, eine Bühne für die Ringos zum Spielen, eine Bar mit vielen Tischchen zum Durststillen und Hängenbleiben, eine Verpflegungstheke gegen Magenknurren, und wem das alles etwas zu hektisch vorkam, der verzog sich mal ein bisschen in die Küche, wo Wey Walter Riesenberge von Pommes frites rührte. Dort angetroffen wurden auch Philu und Thömu. Sie waren beide so eine Art Cäsar, also in Toga und mit Blättern auf dem Kopf und lehnten sich gelassen zurück. Justin I., letztjähriger Zunftmeister mit dem Job, auf den amtierenden Zunftmeister aufzupassen, meinte, er habe es nicht so streng. Ausser, dass er den Zunftmeister manchmal einfach nicht finde. Da kam schon wieder ein Cäsar mit Lorbeerlaub, es war Chregu, der betonte, der einzig wahre Cäsar zu sein.
Wer war das nur?
Rita I. war als Obelix im Küchendienst, trug statt Hinkelstein viele Tabletts und meinte ebenfalls, sie könne es diese Fasnacht etwas «relaxter» nehmen. «Ich gebe wieder viel mehr Gas!» Die Ringo’s drehten nochmals einen auf – oh Baby Baby balla balla – und schon war die Tanzfläche wieder mit vielen Tanzpaaren gefüllt. Römer Roli tanzte nonstop. Gerda und René hatten wie seit Tagen schon ihren Bartisch dabei, ihnen dampfte der Hut mit Zaubertrank. Cleopatra Claudia war erst seit ein paar Stunden Mitglied der Zunft – ja, so schnell kann das gehen. Lidia, die schöne Römerin in Toga, hatte ihre perückierte und frontal ausstaffierte «Freundin» dabei – wer war das nur? Die Spinnerin tanzte immer noch mit ihrem Rad und drei Druiden hüpften um einen Kochtopf herum und schenkten Zaubertrank aus. Auch Evi als Keltin hinter der Bar schenkte viel Flüssiges aus, strahlte und lachte: «Jaja, sie trinken schön!» Alle seien in guter Stimmung, locker und gut aufgelegt. Ein «Stössucheib» im Skipulli stand an der Bar und fand, es sei gemütlich hier, nicht so überlaufen, man könne sich noch gut unterhalten.
Und wo war der Zunftmeister?
Ja und wo war jetzt eigentlich der Zunftmeister? Achille I. war überall. Er tanzte, lachte, führte Polonaisen und prämierte Masken. Kurz an der Theke sagte er nur: «Hammer! Viele Leute, und alle machen mit!» Er lächelte zufrieden und meinte, Zunftmeister, das würde er wieder machen. «Man lernt so viele Leute kennen. Ich bin halt eine Partynudel!» Das sah man. Sein Sujet sei schlicht ein Glückstreffer. Ja, auch das sah man. «Ich habe Freude!», so Achille, «denn wenn die Leute Freude haben, habe ich auch Freude!» Die spinnen also nicht nur, seine Römer und all die andern, sie können sich auch so richtig freuen und feiern. Beim Teutates!
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli
Weitere Impressionen vom Zunftball in Rickenbach, aufgeschnappt von uke:
Bilder: uke