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Die Ära nach Urs Rimensberger ist bestens aufgegleist

Die Erlosenpraxis in Hildisrieden wird am 1. April eröffnet. Damit geht die letzte der vier Seetalpraxen in Betrieb. Zu den Aufgaben der Gemeinschaftspraxis gehört auch die Betreuung von rund 50 Bewohnerinnen und Bewohnern des Altersheimes in Beromünster. Das medizinische Angebot in der Region wird weiter ausgebaut. 

Cornel Raess, Geschäftsleiter der Seetalpraxen, in einem der sechs Sprechzimmer der Erlosenpraxis in Hildisrieden. (Foto: Milena Stadelmann)


Noch sind die Türen der Erlosenpraxis am Kreisel im Zentrum von Hildisrieden geschlossen. Während im Aussenbereich die letzten Bauarbeiten laufen, fehlt im Innenbereich noch der Feinschliff. «Ich freue mich darauf, die Praxis in Betrieb zu sehen», sagt Cornel Raess. Der 56-Jährige wird die Gemeinschaftspraxis nach der Eröffnung wie die drei weiteren Seetalpraxen in der Region als Geschäftsführer leiten. In weniger als einem Monat ist es so weit: Dann werden in den Sprechzimmern der Praxis die ersten Patientinnen und Patienten behandelt.

In Hildisrieden sind ab April zwei Allgemeinärzte und eine -ärztin sowie sechs medizinische Praxisassistentinnen angestellt. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt und ein Orthopäde erweitern das medizinische Angebot. Ab Sommer 2022 stossen eine Allgemeinärztin und ein -arzt zum Team dazu. Geplant sei auch ein Arzt oder eine Ärztin für Dermatologie mit an Bord zu holen, sagt Raess. Zu den Aufgaben der Gemeinschaftspraxis gehört zudem die Betreuung von rund 50 Bewohnerinnen und Bewohnern des Altersheimes in Beromünster. Damit werde das ganze Spektrum der Hausarztmedizin abgedeckt – von der Geburt bis ins Alter. Raess: «Man kann mit jedem Anliegen zu uns kommen.» Ebenfalls im Betrieb tätig sind eine Buchhalterin und eine Reinigungsangestellte. 

Neben der Rezeption befinden sich auf den 400 m2 der Praxis ein Labor, digitales Röntgen, zwei Wartebereiche, sechs Sprechzimmer, ein separater Notfalleingang für die Ambulanz und die Personalräumlichkeiten. Die Apotheke ist mit einem modernen Medikamentenroboter ausgestattet.

50 Ärzte decken das Seetal ab

Die Erlosenpraxis in Hildisrieden eröffnet als Nachfolgepraxis von Urs Rimensberger, welcher Ende März nach 30 Jahren als Hausarzt in Pension geht. Vor etwa drei Jahren sei Rimensberger auf Raess zugekommen, um eine Nachfolgelösung für seine Praxis zu suchen. Dabei stellte sich Hildisrieden als optimalen Standort für eine weitere Seetalpraxis heraus. «Mein Ziel ist es nicht etwas Neues zu schaffen, sondern bei Hausärzten, die aufhören, die Praxen zu übernehmen und diese zusammenzuführen», sagt Raess. Umgesetzt hat der Allgemeinmediziner dieses Vorhaben bereits mit der Oberhofpraxis in Eschenbach, dem MedZentrum in Hochdorf und der Lindenbergpraxis in Hitzkirch. In Letzterer arbeitet Raess selbst in einem 50-Prozent-Pensum als Arzt. 

Mit der Erlosenpraxis in Hildisrieden öffnet somit die vierte und letzte Seetalpraxis in der Region ihre Türen. In der Praxis können durch die erweiterten Kapazitäten nicht nur die bestehenden Patientinnen und Patienten von Rimensberger über-, sondern auch neue aufgenommen werden. «Damit ist das Seetal medizinisch sehr gut abgedeckt», sagt Raess. Als der Arzt vor etwa zehn Jahren ins Seetal kam, seien die Hausarztpraxen «quasi am Aussterben» gewesen. Nun arbeiten in den vier Gemeinschaftspraxen – inklusive Spezialisten – etwa 50 Ärzte. «Der Unterschied ist riesig.»

Zukunft der medizinischen Versorgung

In Gemeinschaftspraxen sieht Raess die Zukunft der medizinischen Versorgung. «Nur noch wenig Medizinabsolventinnen und -absolventen können es sich vorstellen, in einer Einzelpraxis zu arbeiten.» Beim Ärztenachwuchs seien Ärztinnen gegenüber ihren Arztkollegen in der Überzahl. «Für viele Frauen ist es schwierig, neben der Familie Vollzeit zu arbeiten.» Die Teilzeitarbeit werde aber auch bei den Männern immer gefragter. «Für eine Einzelpraxis musste ein Arzt früher viel Geld investieren und das ganze Risiko selbst tragen.» Im Vergleich dazu sei die Gemeinschaftspraxis attraktiver: «Die Ärztinnen und Ärzte können sich an einem fertigen Projekt beteiligen.» Das Ziel von Raess sei es, dass die Mediziner bei ihm «ihre Lebensstelle» finden. «Bisher war das auch so.»


Ich freue mich darauf, die Praxis in Betrieb zu sehen.    Cornel Raes, Geschäftsleiter der Seetalpraxen


Obwohl es zurzeit schwierig sei, medizinisches Personal zu finden, hatte der Geschäftsleiter bisher keine Probleme die Stellen in den Seetalpraxen zu besetzen. Darüber ist der gebürtige Appenzeller sehr erfreut und dankbar: «Das Modell scheint den Wünschen und Bedürfnissen der jungen Ärzte und Ärztinnen gerecht zu werden.» Für die Erlosenpraxis übernahm Raess ausserdem einen Teil des Personals von Rimensberger oder besetzte Stellen durch Lehrabgängerinnen oder interne Transfers. So unterstützen drei medizinische Praxisassistentinnen vom MedZentrum in Hochdorf den Aufbau vom Standort in Hildisrieden. «Damit wird das Wissen zwischen den Seetalpraxen direkt weiter gegeben.»

Mit Rohbau, Innenausbau und Einrichtung kostet die Erlosenpraxis in Hildisrieden etwas 1,2 Millionen Franken – dazu kommen 150 000 Franken für den Medikamentenroboter. Finanziert wird die Praxis hauptsächlich durch Aktionäre, aussenstehende Drittaktionäre, Eigenkapital und wenige Kredite. «Die Ärztinnen und Ärzte sowie leitende medizinische Angestellte können sich als Aktionäre an der Praxis beteiligen.» Die vier Gemeinschaftspraxen sind mittels Aktionärsbindungsverträgen miteinander vernetzt.

Eröffnungsfeier im Juli

Die Eröffnung der Erlosenpraxis findet ein Jahr später statt als ursprünglich geplant. «Es gab Probleme mit der Ausfahrt», erklärt Raess. Diese war zu schmal. Dadurch hätten die Praxisbesucher durch das Quartier fahren müssen – es gab Einsprachen. «Deshalb musste beim Kanton die Verschiebung der Haltestelle beantragt werden.» Die Vorfreude auf die Eröffnung sei dafür nun umso grösser: «Es macht grosse Freude, den Betrieb bald mit dem Team aufzunehmen.»

Eine Eröffnungsfeier mit einem Tag der offenen Tür ist am 2. Juli geplant, zusammen mit der Physiotherapie, welche einen Stock oberhalb der Erlosenpraxis in das vierstöckige Wohn- und Geschäftsgebäude im Zentrum von Hildisrieden zieht.

Langweilig wird es dem Appenzeller nach der Inbetriebnahme der Praxis sicher nicht. Das nächste Projekt stehe bereits in den Startlöchern. Raess unterstützt weitere Gemeinschaftspraxen ausserhalb des Seetals beim Aufbau. Zudem steht für ihn zwei Mal in der Woche der Besuch in allen Seetalpraxen an. Mit der Eröffnung der Erlosenpraxis kommt ein weiterer Stopp auf seiner Tour durchs Seetal hinzu.

Bildlegende:

Cornel Raess, Geschäftsleiter der Seetalpraxen, in einem der sechs zukünftigen Sprechzimmer in der Erlosenpraxis in Hildisrieden.

Text: Milena Stadelmann / Karl Heinz Odermatt




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