Die Medienlandschaft verändert sich besorgniserregend
Den über fünfzig Teilnehmenden am kürzlichen Politforum der Mitte 60+ Kanton Luzern wurde der besorgniserregende Wandel der Medienlandschaft ungeschminkt aufgezeigt. Die Medienvielfalt sei innert weniger Jahre massiv eingebrochen, was zunehmend problematischer werde.
Mit spannenden Statements schilderten die Podiumsteilnehmenden Jean-Michel Cina (Präsident der SRG SSR), Politikwissenschaftler Michael Hermann (Geschäftsführer des Forschungsinstituts Sotomo) und Ida Glanzmann-Hunkeler (ehemalige Nationalrätin) ihre Besorgnis zur Medienentwicklung in letzter Zeit, welche gar einer Medienkrise gleichkomme. Neue Kommunikationskanäle, Künstliche Intelligenz, zunehmende Digitalisierung und Vernetzung, geändertes Verhalten der Gesellschaft und mediale Konzentrationen seien grosse Herausforderungen. Glaubwürdige und unabhängige Qualitätsmedien seien auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unseres Landes wichtig. Zu diesem unverzichtbaren Stabilisator sei Sorge zu tragen. Eine reduzierte Zahl von Printmedien könne sich wohl noch behaupten, ihre Zukunft sei aber ungewiss.
Ungleicher Bezug zur vielfältigen Medienwelt
Die Bedürfnisse und der Zugang zu den verschiedenen Medien und ihren Plattformen seien je nach Alter und Bildung unterschiedlich. Mit gratis angebotenen Informationen und kurzen, oft reisserisch redigierten Artikeln sei beispielsweise die Meinungsbildung oberflächlicher und lückenhafter geworden. Solches schwäche gerade die politische Meinungsbildung und entfremde von den aktuellen demokratischen Entwicklungen. Für Jean-Michel Cina und Michael Hermann sei deshalb entscheidend, wie die neuen Kommunikationskanäle und Technologien sinnvoll und zeitaktuell zum echten Nutzen von Mensch und Gesellschaft eingesetzt werden. Qualitätsmedien national und regional seien unverzichtbar für die politische Meinungsbildung und für eine partizipative föderalistische Demokratie.
Bedrückende Gefühle einer professionellen Journalistin
Ein ungeschminktes Statement, digital von der krankheitsbedingt am Podiumsgespräch verhinderten und bei ‹NZZ am Sonntag› tätigen Journalisten Raffaela Roth (aufgewachsen in Neudorf) bewegte das Publikum. So beschrieb sie vor dem Hintergrund der durch die TX Group AG (vormals Tamedia AG) angekündigten Massnahmen unter anderem, dass im Schnitt jede Woche zwei Medienschaffende aus ihrem Beruf aussteigen und konstatierte, dass der Journalismus in der Politik keine Lobby habe. Für die Zukunft eines unabhängigen Journalismus bauche es dringend nachhaltige Lösungen.
Wertschätzung der Regionalzeitungen
Der Einbruch an Ressourcen (höhere Produktionskosten, abnehmende Werbeeinnahmen und Rückgang an zahlenden Abonnenten) und zunehmende politische Einflussnahmen bei den Medienunternehmen hätten zur Folge, dass viele überregionale Zeitungen sich in bestimmten Bereichen (wie Ausland- und Wirtschaftstexte, Kommentare) gleichen wie ein Ei dem anderen, was tendenziell journalistischer Einheitsbrei sei. Alt Nationalrätin Ida Glanzmann schlug deshalb eine Lanze für die Regionalzeitungen am Beispiel ihres Leibblattes Willisauer Bote. «Regionalzeitungen berichten erfahrungsgemäss bürgernaher, zeitaktuell und sind auch aus kultureller Sicht geschätzt.» Sie müssten sich aber gegen Gratiszeitungen durchsetzen, die – meistens ohne journalistische Leistungen – ihnen wichtige Webeeinnahmen wegschnappen. Von den grossen Medienhäusern erwartet Glanzmann vermehrt sachgerechte und vertiefte Berichterstattung und Analysen.
Die Vielfalt und den Zusammenhalt der Schweiz stärken
Zu der Halbierungs-Initiative bestand im Podium wie offensichtlich auch im Publikum Konsens: Die SRG praktiziere mit Erfolg, der Vielfalt unserer schweizerischen Sprach- und Kulturregionen gerecht zu werden. In unabhängigen Umfragen bestätige sich – gemäss Politikwissenschafter Michael Hermann – die hohe Wertschätzung der SRG/SSR bei der Bevölkerungsmehrheit. Würden aber im Sinne der Halbierungs-Initiative die finanziellen Mittel gekürzt, wären namhafte Budgetkürzungen bei der SRG verbunden mit einem problematischen Leistungsabbau unausweichlich, erklärte SRG-Präsident Jean-Michel Cina. Die von den Konsumenten und reduzierten Abgaben der Unternehmen eingesparten Gelder würden stattdessen aber nicht den privaten Medien zukommen. Gemäss Jean-Michel Cina hat ‹die Vielfalt› die Schweiz medial gross gemacht. Deshalb sind die Schweizer Eigenheiten zu fördern und das Miteinander von Mehr- und Minderheiten weiterhin zu stärken, was auch in den Meinungen des anwesenden Publikums zum Ausdruck kam.
Bericht: Peter R. Hofmann – Bild: Marianne Kneubühler