Der Kreisel hat wieder ein Zentrum
Seit über einem Jahr stand er leer, dann ging es auf einmal schnell: Dem Kreisel in Hildisrieden wurde ein neuer Blickfang verpasst. Er heisst «Begegnungen» und lebt durch die Bewegung.
Am Mittwoch 7. Juni 2023 nach der Durchfahrt des 10.31-Uhr-Busses ging es schnell. Sicherheitsleute in gelben Westen sperrten die vier Zufahrten zum Dorfkreisel ab, damit der Kranlastwagen ohne Behinderung in die richtige Position manövriert und mit Stützen stabilisiert werden konnte. Dann wurde der Verkehr kontrolliert, dosiert durchgelassen. Schon hob sich der Arm des Kranes, ein längliches, gepolstert verpacktes Ding wurde von Künstler Mark Walker und vom Chef des Gemeinde-Werkdienstes, Jörg Schürmann, an Gurten angehängt und dann vom Chauffeur und Maschinisten aufgezogen – bis das 700 Kilogramm schwere Paket senkrecht hing. Der Kran schwenkte den Arm in die Mitte des Kreisels, wo eine präzis waagrechte Plattform mit vier Schrauben vorbereitet war. Mit einem zentimetergenauen Manöver fanden die vier Schrauben der noch verpackten Skulptur die Löcher der Bodenplatte. Sofort wurde die Kreiselskulptur mit den Muttern fixiert, und siehe, sie stand senkrecht. Nach einer geschätzten Viertelstunde verabschiedete sich der Fahrer des Kranfahrzeuges, der «Spuk» war vorbei, der Kreisel wieder für den ganzen Verkehr freigegeben. Dann folgte noch die «Entkleidung» des Schmuckstückes.
Gemeinde Hildisrieden beschenkt sich zum 850-Jahr-Jubiläum
Seit Frühjahr 2022 stand der Dorfkreisel leer da. Die aus dem Jahr 2005 stammende Installation des Initianten Otto Troxler und des beauftragten Architekten Toni Bühlmann hatte ausgedient. Eine Restauration lohnte sich nicht mehr. Das ästhetische Wasserspiel wurde aber vermisst. So bekam der ortsansässige Künstler Mark Walker den Auftrag des Gemeinderates und des «OK 850 Jahre Hildisrieden» im November 2022, sich etwas zu überlegen. Das hat er gerne gemacht. In Kreuzform sind nun vier Chromstahlplatten aufgestellt in Richtung der Strassen nach Hochdorf, Rothenburg, Sempach und Beromünster. Darin sind oben Gesichter im Profil eingefräst, die in die vier Hauptrichtungen blicken. Der seit 35 Jahren in Hildisrieden wohnhafte Künstler hat schon im Jahr 2006 auf dem Begegnungsplatz bei Bank, Post und Gemeindeverwaltung eine gleich gearbeitete Stahlstele mit eingelassenen Gesichtern errichten dürfen zum sehr sinnigen Thema «Begegnungen». Sie stellt mit den Kopfprofilen ein Kommen und Gehen, ein Treffen und Auseinandergehen dar. Die Skulptur zeigt den Menschen der unterwegs ist, unterwegs in seinem Lebenslauf, im Erfüllen seiner Lebensaufgaben. Das neue Kunstwerk ist eine Fortsetzung, eine Ergänzung dieses Themas. Mark Walker sagt: «In Hildisrieden kreuzen sich die Nord-Süd- und die Ost-West-Strassenverbindung. Hier ist der Ausgangspunkt jedes Weggehens aus Hildisrieden an andere Orte. Das Denkmal auf diesem Punkt ist eine Hommage an die Menschen, die in Hildisrieden leben und in den letzten 850 Jahren gelebt haben und hier noch leben werden. Es appelliert an die Passant:innen, andere Kulturen, andere Denkweisen in Nah und Fern zu respektieren, denn Respekt ist der Schlüssel zu Kommunikation und damit zum Frieden.»
Text und Bilder: Emil Barmet