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Der gestiefelte Kater

Es war einmal ein Kater… nein, es war eine Kätzin und ich will Ihnen ja eigentlich auch kein Märchen auftischen. Aber der Titel passt zu diesen reisefreudigen Katzen, von denen ich heute berichten will. 

Vor nicht allzu langer Zeit streunte nämlich eine weiss-getigerte Katze im unteren Flecken durch die Gassen. Mal ging sie auf die Baustelle um vielleicht Resten eines Znünibrotes zu finden, mal zum Beck Fischer oder auf die Kantonalbank. Offensichtlich war sie gar nicht scheu, sondern kontaktfreudig und suchte wohl ihr zu Hause. Eine couragierte Anwohnerin brachte die Katze dann in die Praxis, wo der Microchip abgelesen, und

«Beromünster, wo ist denn das?»

 darauf die Besitzerin aus Büren an der Aare (!) kontaktiert werden konnte. Sie fragte am Telefon: «Beromünster, wo ist denn das?», was den Ruhm unseres Fleckens nicht schmälern soll, aber doch zeigt, dass die Katze schon sehr weit von zu Hause weg war. Jedoch kaum mit den neuen Stiefeln wie der Kater in Grimms Märchen, sondern vielleicht als blinder Passagier in einem Fahrzeug oder einem Lieferlastwagen? Die Katze laufe öfters mit Leuten mit, sei auch schon bis zum Bahnhof gelaufen, erklärte die erstaunte Besitzerin am Telefon. Aber wie sie wissen, ist Beromünster mit dem Zug ja nicht mehr erreichbar. So reiste dann auch die Besitzerin mit dem Auto an, um ihren Liebling wieder abzuholen.

Er war sehr überrascht, seine seit vier Jahren vermisste Katze wieder aufgetaucht zu wissen.

Eine andere Katze war blinder Passagier in einem Wohnmobil: Beim Zwischenhalt auf dem Chommleparkplatz bemerkten die Touristen – vom Bielersee kommend – ihre Mitfahrerin. Vermutlich hatte sie es sich auf dem Campingplatz im Wohnmobil gemütlich gemacht und ging mit auf Reisen, ohne dass es jemand bis zum Halt bemerkt hätte. Auch bei diesem ­Anhalter konnten durch den implantierten Microchip die Besitzer schnell ausfindig gemacht werden, welche das Verschwinden ihres Vierbeiners noch gar nicht bemerkt hatten. Sie sehen, in diesem Restaurant kümmert man sich nicht nur um zweibeinige Gäste.

Etwas länger dauerte die Odyssee bei der Katze, die vor Jahren beim Flugplatz Beromünster/ Neudorf zugelaufen war. Ihr Chip wurde in Deutschland registriert und an der angegebenen Schweizer Adresse war der Besitzer nicht mehr wohnhaft und die Telefonnummer auch nicht mehr gültig. Durch die Suche des nicht alltäglichen Namens im Telefonregister konnte der Besitzer aber im oberen Wynental ausfindig gemacht werden und dieser war sehr überrascht, seine seit vier Jahren vermisste Katze wieder aufgetaucht zu wissen. Chip sei Dank!

Patrick Curschellas arbeitet als Tierarzt in der Kleintierpraxis Dr. Küng in Beromünster. In seiner monatlichen Kolumne «Tierisch gut beraten» beantwortet er Fragen rund um die geliebten Vierbeiner. www.kleintierpraxiskueng.ch 




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