Den wilden Wisenten auf der Spur
Der Ostermontag war der 1. April. Der Tag, an dem das ausgestorbene, europäische Büffeltier Wisent im Michelsamt wieder angesiedelt wurde. Oder auch nicht. Egal, Spass machte es trotzdem.
Es ist erst zwei Monate her, dass die Medien über die Aussetzung einer Wisent-Herde im Solothurner Jura berichtet haben. Dass nun das Vernetzungsprojekt Michelsamt, das sich für nachhaltige Vernetzung der Landwirtschaft einsetzt, ähnlich nachkommt und das grösste Landsäugetier, das Europa einst besiedelt hatte, auch hierzulande wieder anzusiedeln versucht, schien durchaus plausibel.
Nun, grosse Menschenmassen zog der ausführliche Vorbericht im «Michelsämter» nicht an, als angeboten wurde, man dürfe am Ostermontag um 10 Uhr zuschauen, wenn die Tiere bei der Korporationshütte im Chegelwald der wilden Natur übergeben würden. Dennoch waren einige vor Ort, und wahrhaft – gelogen war da nichts. Alles war da, Infotafeln, überzeugte Referenten der Vernetzung Michelsamt und auf dem Transporter drei Wisente – allerdings aus Plüsch.
Es wurde theatralisch gefachsimpelt über das Verhalten der urtümlichen Büffeltiere, die «ganz lieb seien, ausser jemand verlasse die Waldwege ...» und die Korporation Beromünster, die trotz der Wildschäden sehr froh sei um diese tierische Personalunterstützung, die fortan den Wald unterhalte. Wessen Idee dieser Aprilscherz gewesen sei, schoben die Organisatoren Werner Hüsler und Pius Estermann vom Vernetzungsprojekt Michelsamt jedoch gerne «dem andern» zu.
Ein Wanderpaar mit Hund kam «zufällig» hinzu und brachte per Handy auch noch den Originalton eines brüllenden Wisents mit. «Wirklich originell!», sagten auch Marie-Therese und Klaus Marti aus Willisau, die mit ihrer Familie extra ihren Spaziergang am Ostermontag in diese Gegend verlegten. Überrascht waren sie tatsächlich, hätten sie doch wirklich gerne die wilden Urtiere in natura gesehen. Bei Kaffee und Kuchen vor der Hütte lachten sie herzhaft. «Ein lustiger Scherz. Er schadet niemandem, man hat einen Marsch gemacht und kriegt dazu noch etwas zu trinken!» Und ihre Tochter Nicole, in Beromünster wohnhaft, scherzte: «Ich lese den ‹Michelsämter› nie mehr vor dem 1. April!»
Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, seine Mitmenschen am 1. April durch erfundene oder verfälschte, meist spektakuläre oder fantastische Geschichten, Erzählungen oder Informationen in die Irre zu führen («in den April zu schicken») und so «zum Narren zu halten». Aufgelöst wird der Schwindel meist mit dem Ruf «April, April». Die Tradition des Aprilscherzes gibt es in den meisten europäischen Ländern sowie in Nordamerika.
Erstmals überliefert ist die Redensart «in den April schicken» in Deutschland 1618 in Bayern. Mit den europäischen Auswanderern gelangte diese Tradition auch nach Nordamerika. Der Begriff Aprilscherz bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In Grimms Deutschem Wörterbuch von 1854 ist zwar der Aprilsnarr verzeichnet, aber noch nicht der Aprilscherz.
Wie es dazu kam, dass der 1. April zum Tag für besondere Scherze wurde, ist unbekannt. Gesichert ist einzig, dass es schon im Volksglauben der Antike eine Vielzahl von angeblichen Unglückstagen gab (vgl. Freitag, der 13.), zu denen regelmässig auch der 1. April zählte.
Quelle: wikipedia
Ursula Koch-Egli