«Das Volk will Brot und Spiele – wir liefern die Spiele»
Für den Feuerwerks-Hersteller Bugano AG ist Silvester/Neujahr neben dem 1. August der wichtigste Tag des Jahres. In den Wochen davor herrscht Hochsaison. Der «Michelsämter» traf Geschäftsführer Daniel Bussmann, der die Firma seit zwei Jahren leitet, aus aktuellem Anlass diese Woche am Firmensitz in Neudorf.
Daniel Bussmann, wie sind Sie mit dem diesjährigen Silvester zufrieden? Wie lief das Geschäft?
Daniel Bussmann: Diese Saison ist wirklich sehr gut gelaufen. Wir haben zwar «ein lachendes und eineinhalb weinende Augen», denn in unserem wichtigen Absatzmarkt Deutschland herrscht ein Verkaufsverbot, das uns weh tut, vor allem auch wegen der langjährigen Partnerschaften. Zum Glück wurde die Lage in der Schweiz, und übrigens auch in Österreich ganz anders eingeschätzt. Mit Ausnahme der Gemeinde Zermatt gab es keine Gemeinden, die ein Feuerwerksverbot erlassen haben. Da auch in der Schweiz Grossfeuerwerke wie bei unserem Partner seit 14 Jahren, der Hotelvereinigung der Stadt Luzern, abgesagt wurden, lässt sich der Ausfall insgesamt nicht kompensieren. Doch die privaten Feuerwerke haben sich über Erwarten erfreulich entwickelt.
Welche Produkte sind am besten gelaufen? Welche gar nicht gut?
Erfreulicherweise haben wir viel weniger Rücknahmen als in anderen Jahren, es wurde fast alles verkauft, was wir produziert haben, was uns nun natürlich Aufwände und Kosten reduziert (Trotzdem läutet mehrmals während des Gesprächs das Telefon, vieles will organisiert sein, Daniel Bussmann ist generell viel auf Achse). Die Vulkane, die 40 Prozent des Verkaufs ausmachen, sind ein 100-prozentiges Schweizer Produkt und werden hier hergestellt. Auch die Rohstoffe stammen zu 50 Prozent aus der Schweiz, vorwiegend aus Schweizerhalle/Basel.
Wie wichtig ist das Michelsamt für Ihren Vertrieb? Welches sind Ihre Hauptabsatzmärkte?
Seit zwei Jahren haben wir auf unserem Areal einen Zeltverkauf, der von meinem Vater, Firmengründer Toni Bussmann, geleitet wird und sich bestens entwickelt. Wir sind hier verwurzelt und sehr gut akzeptiert, was uns jeden Tag freut und nicht selbstverständlich ist. Wir haben auch in der Region gute Verkaufspartner, so in Rickenbach, Eschenbach und Sursee.
Wie ist Ihr Vertrieb organisiert? Wie kommen die Produkte zum Endkunden?
Wir verkaufen seit zwei Jahren zusätzlich zum Verkauf via Zwischenhandel auch über unseren Onlineshop. Inzwischen macht dies über 15 Prozent der Verkäufe aus, wir sind sehr zufrieden damit, so sind wir zukunftssicher unterwegs. Wir fahren mit eigener Flotte zu den Zwischenhändlern und haben eine Partnerschaft mit dem Spediteur Planzer, da sehr viele Produkte nicht mit der Post versandt werden dürfen.
Hatte das Jahrhundert-Hagelunwetter von Anfang Juli noch Auswirkungen?
Glücklicherweise fast keine mehr. Die Distanzvorschriften, die auf den Produkten stehen, müssen gelesen und eingehalten werden.
Aus welchen Berufen stammen Ihre 20 Mitarbeitenden?
Aus sehr unterschiedlichen: wir haben zum Beispiel zwei Zimmerleute, einen Automechaniker, einen Sanitär, aber auch einen Bauern und einige Kaufmännische in unseren Reihen und sind auf alle sehr stolz.
Hat die Corona-Thematik nach den neusten Entwicklungen Ihren Betrieb beeinflusst?
Mein Vater, Firmengründer Toni Bussmann, pflegt zu sagen: «Das Volk will Brot und Spiele». Das Zitat des römischen Dichters Juvenal besagt: Gerade wenn es einem nicht so gut geht, braucht es auch seelische Nahrung, Lebensfreude und etwas Ablenkung. Deshalb sind die Verkaufszahlen von Feuerwerk in Krisenzeiten höher, als wenn alles bestens läuft. Nach einem gemeinsam erlebten Feuerwerk sind alle gut gestimmt und lebensfroh.
Sie leiten die Bugano AG bereits in zweiter Generation. Wie sehen Sie die längerfristigen Tendenzen für Ihr Business?
Wir sind generell Optimisten und nach diesem tollen Jahreswechsel noch zuversichtlicher, gerade dank dem Online-Bereich und dem Direktverkauf vor Ort.
Tierschützer fordern immer wieder Feuerwerks-Verbote. Lässt sich Tierschutz mit Feuerwerk vereinbaren?
Da sollte man die Relationen wahren, es geht um zwei Tage im Jahr. Ich lebe selber auf einem Bauernhof. Wir testen hier in Absprache mit den Nachbarn immer wieder unsere Produkte, ohne irgendwelche Probleme. Ich sage immer «wie der Halter, so das Tier». Mit gegenseitigem Respekt der Tierbesitzer als auch der Feuerwerks-Freunde kommt man wie fast überall im Leben am weitesten.
Luftverschmutzung ist der zweite Dauerbrenner bei der Kritik. Gibt es zum Thema Umweltschutz neue Aspekte oder Fortschritte in der Produktion?
Wir nehmen die Kritik sehr ernst, auch da gilt es jedoch die Proportionen zu wahren: Gemäss einer neuen Studie ist die Feinstaubbelastung sehr gering und sehr kurzfristig. Wir sind für Toleranz und gesunden Menschenverstand. Verbote sind generell der falsche Weg.
Was steht nun in den nächsten Monaten bis zum Jahreshöhepunkt 1. August bei der Bugano an?
Jetzt steht das Inventar an, nächste Woche startet die Produktion für die Schweiz, für Deutschland ist sie weiterhin nicht notwendig, da die Lager noch voll sind. Wir wollen für den 1. August wieder startklar sein. Letztes Jahr wurde Kurzarbeit nötig, dieses Jahr hoffen wir ohne durchzukommen.
Sie haben das letzte Wort: Was möchten Sie der Michelsämter Bevölkerung mal sagen?
Wir bedanken uns herzlich bei der Michelsämter Bevölkerung für das Wohlwollen und die Akzeptanz, die wir seit 1992 hier geniessen, dass sie Tests, die der Sicherheit und der Produktweiterentwicklung dienen, breit akzeptieren und unseren Zeltverkauf unterstützen.
Interview: Karl Heinz Odermatt