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Das Jahr startet ohne Zunftmeister

In Hildisrieden wurde am «Bärzelistag» die Fasnacht ausgerufen. Weil keine Anlässe stattfinden können, wird auf eine Zunftmeisterwahl verzichtet. Zum ersten Mal seit dem Seuchenwinter von 1965/1966 gibt es ein zunftmeisterloses Jahr. 

Altzunftmeister Georg Wieser, Weibel Armin Hurni und Jakob Estermann, der «Noch-Zunftmeister».

Traditionsgemäss zog am «Bärzelistag» der Zunftrat mit Gefolge begleitet von der Musikgesellschaft Hildisrieden, die einen flotten Marsch spielte, vom Schulhaus zum Gasthaus Roter Löwen. Zwischen den Musikstücken las der Zunftweibel Armin Hurni den Wachruf zur Fasnacht 2022, alle wussten nun, die närrische Zeit wird gestartet. Im Löwensaal begrüsste Präsident Oliver Rüttimann die 96 zünftigen Männer. Eine lange Liste von mehrheitlich pandemiebedingten Abmeldungen hatte der Vorsitzende auf seinem Rednerpult. Da im letzten Jahr kein Bot stattfand und auch kein neuer Zunftmeister inthronisiert wurde, blickte er auf zwei Jahre mit einigen Höhepunkten zurück. Ein Highlight war sicher die Weihe der neuen Fahne am 10. Oktober 2021.

2022 – statuarisches Wahljahr

Der Präsident meldete seinen Rücktritt aus dem Vorstand an. Er war ab 2005 sieben Jahre Bannerherr und von 2012 bis heute erfolgreicher Präsident. Er drückte seine Freude aus, dass er so lange Jahre in einer so «coolen» Truppe mitarbeiten durfte. Sein Grundsatz war immer: «Offen sein für Neues und zur guten Tradition Sorge zu tragen.» Der sehr lange dauernde Applaus bewies, dass sein ausserordentliches Engagement sehr geschätzt wurde. In seine Fussstapfen wurde von der Versammlung der jetzige Bannerherr, Georg Rüttimann, gestellt. Die Lücke im Zunftrat wird Roland Disler, aktiver Landwirt im Bäseris, stopfen.

Mike Shiva und Wätterschmöcker mussten helfen

Nun kam Spannung im Saal auf. Es war Zunft-Sketch-Zeit. Zunfträte spielten eine Sitzung des «Zunftmeisterfindungskomitees» im «Ochsen» von Traselinge. Sie diskutierten das Vorgehen und erwähnten valable Kandidaten. Als sie nicht mehr weiterkamen, rief man den verstorbenen Wahrsager Mike Shiva in seinem speziellen Outfit (gespielt von Martin Garn) zu Hilfe. Als er mit mystischen Geistriten aus seiner Auswahl die gespannten Zuschauer auf eine Fährte führte, wurde er von der himmlischen Stimme zurückgerufen. Dann kam die Idee, der Wätterschmöcker Sandstrahler Suter, der letztes Jahr gestorben ist, könnte helfen. Auch er (gespielt von Georg Rüttimann) konnte mit seiner «Hampeissi-Näscht»-Suche auch nichts Sinnvolles ausrichten. Und die Bearbeitung des «Zältlers» von Hildisrieden mit einem externen Mediator brachte nichts. Mit der Schlussrede des Vizepräsidenten Adi Jund war klar, dass sich kein Kandidat herauskristallisierte. Präsident Oliver Rüttimann meinte klärend: «Ja so ist es nun. Da der Fasnachtsumzug wieder nicht stattfinden kann, die Dorffasnacht, der zunftmeisterliche Schul- und Heimbesuch noch keine Bodenhaftung hat, ist niemand würdig das Amt des Zunftmeisters zu übernehmen und wir wollen auch keinen dazu überreden. Treten wir halt, wohl oder übel, in ein zunftmeisterloses Jahr ein.» Das ist erst einmal vorgekommen, im Seuchenwinter 1965/66, als das ganze öffentliche Leben auf Sparflamme lief. Disler Fritz war damals der 29. Zunftmeister.

Am Tag nach dieser Ankündigung ist die Enttäuschung in Hildisrieden spürbar. Gemeindepräsidentin Monika Emmenegger meinte: «Die alljährliche Wahl des neuen Zunftmeisters gehört zu Hildisrieden, gemäss der Redewendung, Topf und Deckel passen zusammen. Nachdem die Fasnacht 2021 auf 2022 verschoben wurde, war die Vorfreude gross. Ich bedauere den Entscheid sehr, kann ihn jedoch in dieser Zeit nachvollziehen und akzeptieren.» Der eingefleischte Fasnächtler und Verslischmied Altzunftmeister Walter Schmid sagt es in einem Vers: «Der Fasnachtsvirus siegt auch ohne Meister – auch wenn versorget ist der Umzugskleister – ein aktiver Rat doch ’s Zunftschiff lenkt – und an Brauch und Traditionen denkt.»

Entthronisierung statt Inthronisierung

Der Statthalter Georg Wieser hatte nun die unangenehme Aufgabe nach zwei Jahren Amtszeit den Zunftmeister Jakob von der Öli zu «entmachten», indem er ihm die Insignien, den Hut des Stolzes, das Zepter der Macht und die Kette der Zusammengehörigkeit abzunehmen und für ein Jahr an den dafür bezeichneten Zunftmeister-Insignienständer zu hängen. Als Trost bekam Jakob II die Altzunftmeister-Medaille und wurde in den Statthalter-Status versetzt.

Georg I ist nun für ein Jahr Adjunkt und verdrängte Cornel Estermann in die normalen Reihen. Bevor man zur Darbietung der Lüütertüter und ein paar Kaffee-Schnaps ins Freie ging, äusserte sich der abtretende Zunftmeister noch einmal und ermahnte die Zunftmänner, sich bei den Partnerinnen zu bedanken für ihre ­geschätzte Mithilfe und die Rückenfreihaltung für die Zunfteinsätze. «Unbedingt, gällid!» Der scheidende Zunfpräsident sagte zum Schluss: «Danke trotzdem, für euer Erscheinen!» Er verneigte sich dazu und zeigte zum Kopf: «Ihr merkt, es ist Zeit abzutreten.»

Der abtretende Götschizunftpäsident Oliver Rüttimann, Georg Rüttimann, neuer Präsident, Adi Jund, Vizepräsident und Leiter des Wahlvorgehens.


Text und Bilder: Emil Barmet




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