Das etwas andere Interview mit Niggi I. zur Machtübernahme: «Runter mit den Steuern, Baubewilligungen durchwinken, Vereinsunterstützungs-Initiative lancieren»
Historisch Einmaliges trägt sich an der Fasnacht dieses Jahres zu: Sonst wollen ja fast immer alle viel Macht, diesmal und erstmals hat die Böögezunft an der Machtübernahme vom Mittwoch, 31. Januar 2024 die alleinige Macht und muss/darf sie nicht mit der Fläckezunft teilen, da diese ein Jahr pausiert. Das bedeutet doppelte Arbeit und doppelte Verantwortung für die Böögenzunft Nüderef.
Niggi I., worauf freust du dich in der Zeit der Machtübernahme bis am Aschermittwochmorgen früh am meisten?
Auf die vielen interessanten Begegnungen und Erfahrungen während dieser rüüdigen Zeit. Und den etwas anderen Einblick in die Organisationen und Strukturen der verschiedenen Zünfte unserer Region. Mit einem Wort: «Netzwerken».
Was möchtest du anders machen als deine Vorgänger:innen?
Da gibt es nichts anders zu machen. Meine Vorgänger:innen haben mit Hilfe der Böögenzunft all die Jahre eine grandiose Fasnacht in Neudorf und auch im Flecken Beromünster organisiert. Ich hoffe, dass ich es annähernd so gut hinkriege…
Was hast du an konkreten Aktionen für diese Zeit vor?
Der Ablauf der Fasnacht ist bereits seit einer Weile in trockenen Tüchern. Wir halten an diversen Traditionen der Böögenzunft Nüderef fest, lassen uns aber auch Fenster zum Verweilen und Geniessen offen. Mir persönlich ist es ein Anliegen, die Zusammenarbeit und die Kollegialität mit unseren Zünften der Region zu pflegen und wo noch möglich auch zu verbessern. Eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation macht alles so viel einfacher. Wir wollen alle dasselbe, eine gute Fasnacht im Michelsamt!
Politisch wenn wir dann mal die Macht haben, werden wir: Steuern senken, Baubewilligungen für Schul- und Vereinsräumichkeiten in Neudorf durchwinken, Initiative zur Unterstützung unserer regionalen Vereine lancieren…. Ich merke, die 14 Tage werden nicht reichen….
Was würdest du an der Politik generell ändern, was ganz konkret?
Mehr Unterstützung und Wertschätzung der lokalen Vereine. Nicht finanziell, sonst geht der Plan mit der Steuersenkung nicht mehr auf (lacht).
Unsere Vereine machen unsere Gemeinde interessant. Sie leisten einen riesigen Beitrag zum kulturellen Gut, zu diversen Anlässen und zum Geselligen. Diese unzähligen Stunden von Fronarbeitenden muss unterstützt und geschätzt werden. Wenn mehr Unterstützung der Gemeinde, mit z.B. passenden Räumlichkeiten u.a. kommt, wird es auch einfacher, Neumitglieder zu finden, als Verein attraktiver zu werden und dieses kostbare Gemeingut weiterführen zu können.
Gibt es Anekdoten aus der Vorbereitungszeit der diesjährigen Fasnachtszeit, die du dem Michelsämter im Vertrauen verraten könntest?
Die Begeisterung und Freude der Zunft und auch der Neudorfer Bevölkerung, als ich das Amt der Zunftmeisterin annahm, war und ist überwältigend.
Als im Sommer einige Mitglieder der Zunft zu Besuch kamen, um mich im Geheimen für das Amt des Zunftmeisters anzufragen, stellten sich zwei Hürden: die Betreuung unserer beiden Töchter, wenn ich abends häufig unterwegs sein sollte. Und ob ich während der Fasnacht Ferien gesprochen bekomme. Dies galt es zu organisieren. Die Ferien konnte ich selbst organisieren. Die Organisation der Kinderbetreuung, da kam mir die Böögenzunft zuvor. Bei meinen Eltern sind Mitglieder der Zunft zu Hause vorbeigegangen, um anzufragen, ob sie die Kinderbetreuung wenn nötig übernehmen würden. Meine Eltern hatten solche Angst, die Zunft käme vorbei,um sie anzufragen ein Jahr Zunftmeister zu machen, dass Sie der Kinderbetreuung erleichtert zusagten. Sprich die Zunft hat dies für mich gemacht! Danke an die Zunft und natürlich meine Familie für diese riesen Unterstützung!
Am Abend der Zusage nach 1 oder eventuell 2 Gläsern Wein erwähnte ich im Witz, dass es schön wäre, eine Zunftbar im Zentrum des Dorfes zu haben, da wir etwas abgelegen wohnen. Und dabei erwähnte ich beiläufig, dass doch das alte Haus der Familie Amrein (Schreinerei Amrein) abgerissen werden sollte. Die Woche darauf ging ein engagierter Böögenzünftler vorbei und fragte sie an, ob wir über die Fasnacht in der leeren Wohnung des alten Hauses eine Bar betreiben dürften. Sie stimmten spontan zu und schon war klar, wir hatten eine Fasnachtsbar. Ich bin überwältigt vom Engagement der Zunft, die Wünsche seiner Zunftmeisterin so präzise umzusetzen. Und von der Flexibilität, dem guten Willen und auch dem Vertrauen der Familie Amrein, uns Ihr Haus für eine Fasnachtsbar zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank dafür!
Was möchtest du endlich mal loswerden, das auch der fasnächtlichste Journalist des Michelsämters dir nicht zu entlocken wagt...
Politisch: Der Wunsch, dass Schwarzenbach und Neudorf als Aussenstandorte nicht vergessen gehen oder aussen vor gelassen werden.
Fasnächtlich: Möchte ich einen grossen Dank an die Böggenzunft Neudorf aussprechen. Sie unterstützen mich in meinem Amt zuvorkommend, leisten eine riesige Arbeit, und das alles in einem sehr angenehmen, geselligen Arbeitsumfeld. Es ist fantastisch, Mitglied eines so tollen Vereins zu sein! Auch möchte ich dem Umzugs-OK und allen Wagenbauern für Ihren grossen Einsatz für den Neudorfer Umzug danken. Das wird eine super Sache! Auch der ganzen Bevölkerung von Neudorf gilt es einen Dank auszusprechen, dass sie die Anlässe der Böögenzunft wie auch der Joggumusig Nüderef so zahlreich besuchen und immer eine super gute Stimmung verbreiten. So lohnt sich unser Einsatz und es macht umso mehr Spass!
Ich freue mich auf eine rüüdig verreckte Fasnacht im Michelsamt und hoffe ihr alle seid auch dabei!
Das ist Niggi Müller-Bachofer:
Hobbys: Familie, Fasnacht, Garten, Sport, Reiten
Zivilstand: verheiratet
Beruf: Medizinische Praxisassistentin EFZ (MPA)
Blutgruppe: AB+
Schuhgrösse: 39
Trinkverhalten: geeicht
persönliches Lebensmotto: Das Leben in vollen Zügen geniessen, so lange es geht, und immer versuchen positiv zu bleiben.
Vorsatz für die Fasnacht 2024: Gesund bleiben und jeden Moment geniessen. Lassen wir das Niveau sinken und tauchen ein!
Das ist die Böögenzunft:
Gründungsjahr: 1935
Zunftmeisterinnen: 10
Zunftmeister: 44
Jägermeister: immer mehr als genug...
Motto 2024: «S'Niveau sinkt! Abtauche i die füecht-fröhlichi 5. Johreszyt»
Besonderes: E huere geile Huufe!
Interview und Bilder: Karl Heinz Odermatt