Das etwas andere Interview mit Alexandra Suter: «Ich bin unkompliziert und habe eine niedrige Peinlichkeitsgrenze»
Alexandra Suter erscheint einige Minuten vor dem Termin zum Interview und hat bereits einen Lebenslauf und Ideen für das Interview vorab und ungefragt eingereicht. Sie sagt beim persönlichen Kennenlernen, dass ihr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wichtige Werte sind, neben Positivität und Engagement. Sofort ist sie auch für ein paar spassige Schnappschüsse zu haben, zu posen ist sie sichtlich gewohnt.
Lexi, wer bist du? Erzähl mal, was du möchtest, dass man von dir weiss im Michelsamt! Das ist deine Chance, die schwierigen Fragen kommen schon auch noch...
(lacht) Diese Frage ist echt tiefgründig. Ich bin Schauspielerin/Moderatorin und 82,14-Prozent-Fachlehrperson in Beromünster, wo ich aufgewachsen bin. Ich lebe aber mittlerweile im wunderschönen Hinterland.
Charakterlich machen mich die Menschen um mich herum aus: Ich möchte so grosszügig und engagiert sein wie meine Eltern, so kreativ und einsatzgebend wie die Lehrpersonen im Schulhaus, so witzig und verständnisvoll wie meine Freunde und so entertaining und friedfertig wie mein Bruder.
Wenn du einen Werbespruch, einen Claim von dir bringen solltest, welcher wäre das?
Mich charakterisiert am allerbesten: «S' gäbige Meitschi vo näbedra». Ich bin unkompliziert und habe eine niedrige Peinlichkeitsgrenze, was beim Schauspielern echt hilfreich ist.
Wenn du drei Adjektive verwenden darfst, die dich ausmachen, welche sind dies?
(Wie aus der Pistole geschossen:) Energiereich – engagiert – karmareich!
Wie und warum bist du ausgerechnet zum Lehrerberuf gekommen, und wie zur Moderation und Schauspielerei?
Als ich noch in der Lehre war, sagte ich meinem Vater eines Tages, dass ich am liebsten im Sommer draussen und im Winter drinnen arbeiten würde. Er meinte: «Ja dann musst du Sportlehrerin werden.» Daran blieb ich dann irgendwie hängen. Nebenbei passt das ja auch noch hervorragend zu meiner Energie und meinem Bewegungsdrang.
Meinen allerersten Einsatz als Moderatorin hatte ich in der 3. Oberstufe am Summer Night Concert. Das Moderieren war zusammen mit selbstgemachten Videos mein Abschlussprojekt. Ein paar Jahre später folgte die Turnshow des STV Beromünster. Es machte immer grossen Spass. Über die Jahre hinweg merkte ich, dass wir in der Familie wohl so ein «Entertainment-Gen» haben, das mein Bruder und ich glücklicherweise vererbt bekamen.
Was sollte man auf Youtube und auf deinem Insta-Kanal anschauen, um deine Art von Humor und von Satire etwas kennenzulernen?
Wer gerne etwas über den (Schul-)Alltag schmunzelt, sollte am besten meine beiden Reihen «Struggles of a Teacher» und «Lexi & Leni» anschauen. Auf humorvolle Art wollen meine Freunde und ich da zeigen, dass hinter dem Lehrerberuf noch etwas mehr als nur Ferienplanung steckt (lacht schelmisch).
Für diejenigen, die eher auf «creepy» (unheimliche) Dinge stehen, kann ich die beiden Kurzfilme «The Gift» und «Bloodhounds» empfehlen, in denen ich mitspielen durfte.
Hast du Vorbilder oder Helden aus deiner Jugend?
Ich habe eher Lebensregeln: Wer Gutes tut, erhält Gutes zurück. Immer höflich sein und alle respektieren. Für diese Haltung spielten meine Familie und meine Lehrpersonen eine wichtige Rolle.
Wie anspruchsvoll ist es, an spannende Aufträge für Moderation und Schauspielerei zu kommen?
In der Schauspielschule habe ich gelernt, dass Networking das Wichtigste ist. Dem kann ich nur zustimmen. Hinzu kommt aber auch das konsequente Dranbleiben und der Durchhaltewille sowie die Bereitschaft, spontan alle Pläne über den Haufen zu werfen.
Worauf bist du besonders stolz, was du schon erreicht hast?
Grundsätzlich habe ich riesige Freude an den Filmen und Videos, die es bis zur Online-Erscheinung geschafft haben (was leider auch nicht selbstverständlich ist). Aber mir liegt auch etwas an den tollen Menschen, die ich am Set und allgemein im Leben kennenlernen durfte. Denn dadurch lernt man immer wieder Neues und kann wachsen.
Du hast eine Serie mit Sketches «Struggles of a teacher», also Kämpfe und Mühen eines Lehrers gedreht. Siehst du auch die Mühen und Kämpfe der Schüler mit den Lehrern und mit dem Schulsystem?
Auf jeden Fall steht der Schulalltag manchmal den Jugendlichen – die ja alle auch ihre täglichen Kämpfe und Probleme haben – einfach nur im Weg. Und manchmal müssen sie Dinge lernen, deren Sinn sie (noch) nicht sehen. Manchmal wäre es toll, wenn sie sich noch mehr auf ihre Stärken fokussieren dürften. Das Tolle aber ist, dass wir letztendlich das gleiche Ziel haben und uns dadurch meist finden.
Hast du schon Shitstorms und «Hatespeech» (Hassrede) erlebt, und wie gehst du damit um?
Ja, ich habe eine Hassmail wegen der Lehrervideos erhalten. Das nagte schon ziemlich an mir. Ich habe dann aber freundlich und neutral zurückgeschrieben und meine Perspektive erklärt. Humor ist halt auch immer Ansichtssache. Auch wurde ich online schon beleidigt. Diese Person habe ich einfach blockiert. Es ist halt schon einfach, online Leute schlecht zu machen, wenn man sich hinter einer erfundenen Identität verstecken kann. Ich versuche, mich möglichst an den positiven Feedbacks zu orientieren, die glücklicherweise bislang überwiegen.
Welche aktuellen Projekte hast du im Michelsamt und darüber hinaus?
An der Schule ist ein Musical für den Frühsommer geplant. Dahinter steckt natürlich «Söufi» Estermann. Ich darf da vor allem im Fokus Schauspiel mithelfen und freue mich wahnsinnig darauf. Zuvor steht im März aber noch die Turnshow des Turnvereins Gondiswil an, wo ich mitturne. Ich darf da moderieren, tanzen und ebenfalls den künstlerischen Teil leiten.
Zusätzlich stehen noch ein Kurzfilmprojekt und weitere Videos vor der Tür. Da kann ich mit Leuten zusammenarbeiten, die ich von Filmsets und der Schauspielschule kenne. Das wird bestimmt witzig.
Wo möchtest du in fünf Jahren gerne sein?
Es wäre echt toll, wenn ich dann in vielen weiteren coolen Projekten mitgewirkt haben könnte. Ein Traum wäre es natürlich, in einem Kinofilm oder einer Serie mitzuspielen. Und gleichzeitig möchte ich gerne auch weiter als Lehrperson arbeiten. So wirds bestimmt nie langweilig.
Beim «Michelsämter» haben alle, die sich den harten Fragen stellen, das letzte Wort: Was möchtest du endlich mal sagen, bist aber noch nie gefragt worden?
Du hast Träume? Gring abe u seckle! (Lacht schallend).
Links zu den Arbeiten und Engagements von Lexi ausserhalb ihres Berufes als Sekundarlehrerin:
Kurzfilm «Bloodhounds»: https://www.youtube.com/watch?v=I21KgRAp9M8
Kurzfilm «The Gift»:: https://www.youtube.com/watch?v=geoQL8iymlE&t=123s
Kurzfilm «Voiceless»: https://www.youtube.com/watch?v=78XqNJ4Jous&t=403s
Struggles of a Teacher: https://www.youtube.com/watch?v=E6txb0m3M_I&list=PLrKJCSeAvRI1SGLOUND-I9_pXBeoEWiqr
Lexi und Leni auf Instagram: https://www.instagram.com/suter.alexandra/
Carmol-Werbung: https://www.verfora.ch/de/produkte/carmol-tropfen/
Das ist Alexandra Suter:
Geburtsdatum: 13. September 1993
Ausbildung: Sek.I-Lehrperson (PH Luzern): Deutsch, Englisch, Geschichte, Geografie, Sport, London Camp, Drama Academy, Stage Academy Switzerland, 1 Jahr
Sprachen: Schweizerdeutsch, Deutsch, Englisch, Französisch (un petit peu)
Hobbys neben den oben genannten Leidenschaften: Unternehmungen mit meinen Freunden (Escaperooms, Trampolinhalle, Lasertag, Essen gehen), imkern
Lieblingslektüre: Ich bin ein riesen Harry Potter-Fan!
Fun facts über mich: Mein Geburtstagsdatum und meine Autonummer beinhalten die gleichen drei Zahlen. In meinem Fuss steckt eine Schraube, die nicht mehr entfernbar ist. Im allerersten Kurzfilm musste/durfte ich weinen. Zum Glück gelang das mit Hilfe der Regisseurin. Ich durfte schon mit Kleinkind und mit Pferd drehen – beide sind nicht einfach zu kontrollieren.
«Söufi» Estermann, legendäre Sekundarschullehrerin in Beromünster, erinnert sich:
«Ui, im nächsten Sommer ist es bereits 20 Jahre her, seit ich Alexandra und ihre ‹Gspändli› in meinem Schulzimmer willkommen geheissen habe. Ich erinnere mich gerne an sie als Schülerin. Sie hat mich schon damals mit ihrer grossen Lebensfreude beeindruckt. Alexandra ist eine Top-Schülerin gewesen, menschlich wie fachlich. Auf sie habe ich mich immer verlassen können. Ich habe gewusst: Sie wird einmal ganz gross ‹herauskommen›! Ihr wunderschönes Heft mit unseren Wochenzielen ist legendär. 2009 hat sie für das 10-Jahr-Jubiläum ‹Happy Birthday, Schulhaus St. Michael 3› in aufwendiger Arbeit einen filmischen Rückblick auf die Zeit von 1999 bis 2009 zusammengestellt und das Summer Night Concert IV gekonnt moderiert.»
Interview und Bilder: Karl Heinz Odermatt / zvg