Darstellerische Glanzleistung zu heimtückischem Thema
Sowas haben vielleicht alle schon mal erlebt: Unannehmlichkeiten von Menschen, die heimtückisch andere belästigen, gar bedrohen, um sich dadurch an den Emotionen ihrer Opfer zu erlaben. «Trolle» nennt man sie, also Wesen wie lästige Zwerge, die man zwar spürt, aber doch nie so genau zu Gesicht bekommt. «Trolle» und wie man damit umgehen kann, machte sich der Kulturabend der KSB unter der Leitung von Matthias Gaiser und Jolanda Brunner zum Thema. Entstanden ist eine eindrückliche Performance aus Text, Gesang und Visualisierung, gezeigt im Stiftstheater am vergangenen Sonntagabend.
Die Performance wirkte kontrastreich in Dunkel und Hell, und der Gesang brachte warme und nuancierte Klänge in den Raum. Die Darbietung war optisch und akustisch ein Erlebnis. Vier Protagonistinnen, schwarz gekleidet mit weissen Masken, sitzen auf Stühlen, fungieren an Laptops. Kurze Sprechpassagen und sich wiederholende Bewegungsabläufe ziehen wirkungsvoll in den Bann. In Projektion im Hintergrund ein transparentes Wechselspiel aus Formen und Bildern in Schwarz-Weiss. Es zeigt die Situation einer Gruppe, aus der ein einzelnes Mitglied ausgeschlossen wird, welches sich folglich aus dem Hintergrund heraus Aufmerksamkeit verschafft mit anonymer Belästigung und Drohung via Social Media. Die Verunsicherung, die das bewirkt, wird eindrücklich dargestellt wie auch die Ansätze zur Lösung, die schliesslich nur im Verständnis und in der Vergebung gefunden werden kann.
Zeitlos und berührend
Ein zeitloses und berührendes Thema, das da aufgegriffen wurde. Text und Inszenierung wurden von Matthias Gaiser, Deutschlehrer an der KSB, konzipiert und geschrieben und darauf mit vier Schülerinnen eingeprobt. Gesangslehrerin Jolanda Brunner hat mit ihren Schüler:innen passende Songs ausgesucht und einstudiert, die harmonisch in den Ablauf eingegliedert wurden. Die Bildprojektionen stammen von Schüler:innen des Schwerpunktfachs «Bildnerisches Gestalten» und sind unter Anleitung von Oliver Rickli entstanden. Eine dreifache Co-Produktion also, die ein aktuelles gesellschaftliches Thema durch künstlerische Ausdrucksform aufs Tapet bringt.
Nicht nur online
«Ich lasse mich von Beobachtungen, Erlebnissen und Erfahrungen anregen. Meine freiwillige Arbeit als Moderator in Online-Communities – also Interessengruppen, die sich online zu gewissen Themen austauschen – hat mich mit dem Phänomen des Internet-Trolls vertraut gemacht und ebenso mit dem Instrumentarium, das sich zur Zähmung von Trollen eignet», erklärt Matthias Gaiser seine Anknüpfungspunkte zum Thema. Trolle gebe es nicht nur online, so Gaiser. Viele Trolle seien im wahren Leben sozial isoliert oder erfolglos und kompensierten dies mit übergriffigem Verhalten. Die wichtigste Strategie sei daher: «Don’t feed the troll!», übersetzt: «Gib dem Troll kein Futter!»
In der Freizeit
Darstellerinnen waren Gina Bucher, Mara Müller und Amelie Schmidiger aus der G22a und Philomena Hausheer aus der G20b, Gina Bucher, geprobt haben sie in ihrer Freizeit.
Gesangsinterpretinnen waren Theodora Zumthurm mit zwei lässigen Songs in «Walliserdiitsch» von Sina sowie Lynn Bucher mit einem geschmeidigen «Burn» aus Hamilton. Tabea Tschopp und Isobel Synnott bezauberten mit «Poison & Wine» (The Civil Wars) und Naima Cottone mit einem vollends überzeugenden «Voilà» von Barbara Pravi. Als einziger männlicher Interpret markierte Malin Gautschi mit «Hold On» (Shawn Mendes) den willkommenen, sehr gelungenen Kontrapunkt. Und mit «Goodbye Yellow Brick Road» (Elton John) gaben Tabea Tschopp den langanhaltenden Ohrwurm und Isobel Synnott den glanzvollen Schlusspunkt mit «To Be Human» von Sia dem Publikum mit auf den Heimweg.
«Extrem wichtig»
«Ich finde es extrem wichtig, Kulturabende – oder allgemein Kulturanlässe – zu organisieren, weil Kultur viele Themen, die Heranwachsende und junge Erwachsene stark beschäftigen, aufnehmen kann», sagt Gesangslehrerin Jolanda Brunner. «Sich mit gesellschaftlichen, politischen, historischen oder sozialen Themen intensiv auseinander- zusetzen ist enorm wichtig und spannend», ist sie überzeugt. «Und dies dann mit anderen zu teilen, ebenso! Ich finde es auch jedes Mal bewundernswert, wie viel Zeit und Herzblut die Beteiligten in ihrer Freizeit einsetzten, um eben ‹Kultur zu leben› und ein kulturelles Erlebnis auch anderen zugänglich zu machen.»
Dies war bereits der dritte KSB-Kulturabend unter der Leitung von Matthias Gaiser, Oliver Rickli und Jolanda Brunner. Für Ausgabe Nummer vier schweben den Initianten bereits neue Ideen vor. Man darf sich also freuen.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli
Weitere Impressionen des KSB-Kulturabends 2023:
Bilder: uke