Skip to main content Skip to page footer

Brass und Jodel – Harmonisch im Aufbruch zu Neuem

Traditionell auf neuen Wegen – so lässt sich das Jahreskonzert 2023 der Brass Band Harmonie Rickenbach vom vergangenen Wochenende umschreiben. Vom obligaten Marsch bis zum experimentellen Choral wurden im breitgefächert viele Gegensätze vereint, vor allem aber: Brass Musik und Jodelgesang. Glänzend dabei die junge Jodlerin Arlette Wismer.

Brass und Jodel – Arlette Wismer und die Brass Band Harmonie Rickenbach mit Dirigent Luca Frischknecht.

Eröffnet wurde das Samstagabendkonzert solide und sattelfest durch die Jugend Brass Band Michelsamt. Erst mit einem Marsch und dann mit dem Teststück «Misterious Bridge» fürs Jugendmusikfest spielten sie auf, mit dem sie nach einem ersten, ruhigeren Teil regelrecht davonpreschten. Und mit der hitverdächtigen Zugabe «Sir Duke» von Stevie Wonder legten sie unter der Leitung von Joel Spitaleri nochmals richtig los und ernteten grossen Applaus im vollbesetzten Kubus Rickenbach.

Die Jugend Brass Band Michelsamt eröffnete das Konzert am Samstag.


Einschenkend, hinreissend und experimentell

Moderator Matthias Gisler begrüsste das Publikum mit einem kräftigen «Jutz» zum Jahreskonzert der Brass Band Harmonie Rickenbach und stimmte damit die Kombination «Brass und Jodel» gleich an. Das Programm beinhaltete vier Stücke, die Jodel mit Brass vereinten. Dazu kamen zwei Stücke, in die Alphorn- und Büchelklänge integriert wurden. Fünf Stücke im Programm waren reine Brass-Literatur und kamen auch als solche äusserst verschieden daher. Die BBHR unter der Leitung von Luca Frischknecht präsentierte von einschenkender Marschmusik über hinreissenden Mundarthit bis hin zu einer experimentellen Darbietung mit Vokaleinlagen ein sehr vielfältiges Repertoire.

Erstes Jahreskonzert mit der BBHR: Dirigent Luca Frischknecht gab seinen Einstand vor den Rickenbacher Publikum.


Naturtöne, Vertrauen und ein musikalischer Wirbelwind

Mittendrin brillierte die 24-jährige Rickenbacher Jodlerin Arlette Wismer strahlend, charmant, und mit von Stück zu Stück gelösterer Stimme. Bereits mit «Caprice» erheiterte sie die Laune des Publikums im vollbesetzten Saal. Beim besinnlichen «Underem Rigichänzeli», im herzerwärmenden Duett mit Yvonne Fendt, wurde man musikalisch an sonnenbeschienene Wiesen inmitten der Bergwelt versetzt. Sehr berührend gelang das Stück «Gottvertraue», einem intonierten Gebet aus der Feder von Joel von Moos, arrangiert durch Luca Frischknecht. Sanfter Jodelgesang wurde dabei von dezenten Brassklängen untermalt – das ging dem gebannten Publikum direkt unter die Haut.

Komplett gegensätzlich und wie ein musikalischer Wirbelwind fegte Arlette Wismer schliesslich den bekannten Hit «Oldbox» hin, ein zunehmend schneller werdender, wahrhafter Zungenbrecher, mit dem die junge Jodlerin nicht nur ihre Virtuosität bewies, sondern auch ihre natürliche Begeisterungsfähigkeit. Die Menge forderte umgehend eine Zugabe, obschon dies noch nicht der letzte Programmpunkt war. «Noch etwas schneller!», lächelte Arlette mit blitzenden Augen dem Dirigenten zu – und die Gesamtformation nahm ihre Gäste nochmals mit Vergnügen mit auf diese rasante Berg- und Talfahrt durch alle Tonlagen.

Mit Naturtönen aus seinem Alphorn bereicherte Stefan Grüninger das Programm. In «Derborence» von John Galland inszenierte er zusammen mit der Band spannungsvoll das Naturereignis eines Felssturzes vor 300 Jahren im Wallis. Mit «Urchig und Lüpfig» stimmte Grüninger darauf den Büchel an und verlieh der Darbietung seine ganz persönliche Note.

Stefan Grüninger spielte den Büchel und das Alphorn.


Mehrdimensionales Klangerlebnis

Die Brass Band Harmonie Rickenbach präsentierte sich unter der Leitung ihres neuen Dirigenten als sympathische, homogene Truppe im Aufbruch zu Neuem. Dass sie mit Märschen und traditionell liebgewonnener Blasmusik zu begeistern weiss, ist längstens bekannt und ebenso, dass sie mit schwungvollen Hit-Interpretationen wie etwa «Üs ghört d’Nacht» das Publikum mitreissen kann. Mit einer ungewohnten Präsentation aber wie dem «Visions» im zweiten Programmteil, bricht die 127-jährige Formation die Gewohnheiten auf und geht Wege, die man an dieser Stelle nicht gerade erwartet. In besagtem Stück erheben sich nach einem einleitenden Teil die Musizierenden von ihren Stühlen und begeben sich, bloss begleitet von Perkussion, hinunter in den abgedunkelten Saal, positionieren sich an verschiedenen Stellen und korrespondieren dann miteinander abwechslungsweise spielend, und dann gar singend, wie in einem Choral. Es war ein unerwartet eindrückliches, mehrdimensionales Klangerlebnis, das vom Publikum mit grossem Applaus bestätigt wurde.

Die BBHR verbindet am Jahreskonzert 2023 Tradition mit Neuem.


Heimspiel und Neuland

Mit dem Jahreskonzert vom vergangenen Wochenende feierte Luca Frischknecht Einstand vor dem Rickenbacher Publikum. Er übernahm die Leitung der Brass Band Harmonie im Sommer 2022 und erreichte mit der Formation am Schweizerischen Brass Band Wettbewerb in Montreux im November mit dem 2. Rang in der zweiten Stärkeklasse bereits einen erfreulichen Erfolg. «Es war ein spannendes Projekt», sagt der 39-jährige Dirigent über sein erstes Jahreskonzert in Rickenbach. Bloss zwei Monate zum Vorbereiten seien etwas knapp gewesen, meinte er im Anschluss ans Konzert. Sein Highlight? «Es gab viele Highlights», sagt er. Eines davon sei, dass Arlette Wismer offen war dafür, etwas Neues auszuprobieren beim Stück «Gottvertraue», wo auch sie über ihren Gesangsgewohnheit hinaus ein Stück Neuland betreten habe. Die junge Jodlerin ihrerseits meinte nach dem Konzert, dass sie «ziemlich aufgeregt» gewesen sei, zumal es sich für sie um ein Heimspiel gehandelt habe und sie deswegen «noch nervöser» gewesen sei. Wozu sie eigentlich als sehr versierte Musikerin keinen Grund gehabt haben müsste. Mit ihrem natürlichen Auftreten gewann sie sowieso das Herz des Rickenbacher Publikums.

Die 24-jährige Jodlerin Arlette Wismer aus Rickenbach begeisterte mit ihrem Gesang.


Musik, Humor und Harmonie – drei feste Bestandteile

Zu gewinnen gab es nebst musikalischem Genuss auch viel Kulinarik aus der Festwirtschaft im Kubus und natürlich – unverzichtbar an jedem Konzert – eine Menge beliebter Tombolapreise. Wer den erst eine Stunde nach Konzertende verlosten «Haupttreffer aller Nieten» ergattert hatte, bleibt undokumentiert, obschon der Geschäftsführer von Rickenbach in vergnügter Stimmung ganz uneigennützig alle Namen seiner Tischnachbarn in die Runde geworfen hatte. Wie auch immer, Harmoniekonzerte sind auch stets ein harmonischer Gesellschaftsanlass voller Humor und Geselligkeit. Es gibt viele, die schon seit Generationen dem Rickenbacher Verein fest verbunden sind und allein deswegen niemals auf das beliebte Jahreskonzert verzichten.

Präsident Fabian Wey durfte unter den Musizierenden speziell Daniel Weber für 35 Jahre und Patrick Wey für 30 Jahre Mitgliedschaft verdanken. Als «altes» Neu- oder besser: Wiedermitglied, durfte er Adrian Meier begrüssen, der bereits seit Jahrzehnten dabei ist, beziehungsweise war, und der nun als Geschenk die Vereinsstatuten in die Hand gedrückt bekam, über die er in der nächsten Probe abgefragt wird. Humor – ja, auch dies ein fester Bestandteil der BBHR. Ihre Agenda 2023 wartet auf mit den gewohnt-beliebten Programmpunkten wie etwa der Begleitung der Kirchenfeste und als besondere Highlights darf man sich auf den Kantonalen Musiktag Mitte Juni in Ruswil freuen sowie auf den Luzerner Marschpreis in Rickenbach Anfang September. 

Präsident Fabian Wey durfte das Publikum in der vollbesetzten Kubus-Halle begrüssen.


Text und Bilder: Ursula Koch-Egli


Weitere Impressionen vom Jahreskonzert der BBHR:


Bilder: Ursula Koch-Egli




Das könnte Sie auch interessieren