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Bitte nicht zu deutlich 

Zwei Wochen vor der Abstimmung zur Initiative «Mehr Demokratie für alle» hat der Abstimmungskampf Schwung aufgenommen, ja hat vielleicht seinen Höhepunkt erreicht. Das Thema, über das am 13. Februar an der Urne abgestimmt wird, beschäftigt in Beromünster wie kein zweites. Das zeigt sich nicht nur am Stammtisch. Wie emotional das Thema ist, machen auch die zahlreichen Leserbriefe deutlich. Noch nie in den vergangenen sechs Jahren hat es so viele Personen in den Fingern gejuckt, schriftlich an der Diskussion teilzunehmen. Das freut mich ungemein! Die Zeitung ist hier eine wichtige Plattform für den Meinungsaustausch über die eigene Bubble hinaus.

Doch da gibt es etwas, das meine Stirn immer wieder in tiefe Falten legt. Man liest es hier und da, am Schluss oder am Anfang eines Leserbriefes, wenn für ein «deutliches Ja» oder ein «bestimmtes Nein» geworben wird. Aber wie sieht denn ein deutliches Ja überhaupt aus? Mein erster Gedanke wäre ein Ausrufezeichen am Schluss. Das wäre deutlich. Zu deutlich aber für die Behörden. Sonderzeichen sind – wie übrigens Bleistift und Tipp-Ex – nicht erlaubt bei den Urnenabstimmungen. Wer hingegen alle Buchstaben gross schreibt, wähnt sich auf der sicheren Seite. Mit einem deutlichen «JA» oder «NEIN» zählen die Stimmen am Ende auch. Darum hoffe ich für die oben erwähnten Leserbriefschreiber:innen, dass sie ihren durchaus positiven Enthusiasmus nicht «zu deutlich» zu Papier bringen. Oder doch? Das ist wieder Ansichtssache.

Sandro Portmann




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