Bibliothek Beromünster: Comics inspirieren Kinder zu unbeschwerten Leseabenteuern (mit Bildergalerie)
Die Bibliothek Beromünster startete am Mittwoch, 28. Februar, mit einem neuen Angebot für Kinder ab 7 Jahren. Während drei Stunden konnte in die Welt der Bibliothek eingetaucht werden mit vielen ganz verschiedenen Comicbänden. Es gab verschiedene Ateliers, die sich Leseanimatorin Denise Häfliger ausgedacht hatte. Es wurde wieder ein voller Erfolg.
«Boom», «Peng», «Wow», «Love» – die Comic-Sprache ist einfach und ausdruckstark. Sie springt einen richtig an. Viele Kinder werden magisch von den farbig gestalteten Bildern und den meist lustigen Inhalten angezogen. Die Texte sind kurz, die Inhalte aus Sicht der Erwachsenen nicht immer pädagogisch wertvoll, und trotzdem entwickeln die Kinder durch das Lesen ein Gespür für Geschichten und die Fähigkeit, Bilder zu lesen. Sie haben Erfolgserlebnisse und trauen sich immer mehr Text zu.
Die Lücke geschlossen
Seit 5 Jahren erzählt Denise Häfliger, Leseanimatorin SIKJM, jeden Monat eine neue Geschichte in der Bibliothek Beromünster. Dieses Angebot richtet sich an Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren. Natürlich sind ältere und jüngere Kinder immer willkommen. Ein Nachfolgeangebot für ältere Kinder gab es bis jetzt nicht. Diese Lücke wurde nun geschlossen: Der Bibliothek ist es ein grosses Anliegen, dass den Kindern weiterhin vielfältige Auseinandersetzungen mit (Bilder-)Büchern ermöglicht werden. Deshalb wurde das BiblioAbenteuer ins Leben gerufen. Dabei ist es Denise Häfliger wichtig, dass jedes Kind jeweils selber entscheiden kann, was es machen möchte oder wozu es gerne einen Input hätte. Der Nachmittag funktioniert nach dem Atelier-Prinzip. Verschiedene Angebote sind möglichst selbsterklärend aufgebaut und dürfen nach Lust und Laune genutzt werden.
Ungestört in die Höhle zurückziehen und der Leselust frönen
Das Herzstück dieser Nachmittage ist die Lesehöhle. Diese ist in einem separaten, abgedunkelten, ruhigen Zimmer; ausgestattet mit Kissen, Matratzen und Tüchern. Die Kinder erhalten eine Leselampe und können sich mit ihrem Lieblingsbuch oder einer Neuentdeckung zurückziehen und in die Geschichten eintauchen, ohne gestört zu werden.
Etwa 25 neugierige, comic-interessierte und kreative Kinder haben sich, zum Teil mit ihren Eltern, auf das Abenteuer eingelassen und ihr Lieblingswort gestaltet, eine eigene Comicfigur entworfen oder sich in der Lesehöhle zurückgezogen und die Ruhe genossen.
In seine Superkraft kommen
Eliana (7) zeichnet einen Koalabären und strahlt. «Wie mache ich nun die Augen?» Sofort erhält sie Tipps von Oliver, der einige Jahre älter ist. Umsetzen will sie es selber, auch die Namensgebung und das Finden der Superkraft fordert sie heraus. Heute Nachmittag habe ich noch einen Schwimmkurs, darauf freue ich mich auch, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen. Oliver hat seinem Superhelden den Namen «Ruedi Lauf» gegeben. Seine Superkraft: «Er kann mega schnell rennen.»
Auch die erwachsenen Leseratten lieben es
Julia Schär hat es sich auf einem Sessel bequem gemacht und liest. Sie sagt: «Ich war eine Zeitlang in der Bibliothek im Einsatz. Seit ich dies wieder aufgegeben habe, bin ich nicht weniger hier, da meine beiden Kids und ich so gern lesen. Ich lese gerne Krimis und Herzschmerz-Geschichten.» Auf die Frage, wieso sie hier sind an einem freien Mittwochnachmittag, sagen mehrere Mütter, dass sie lieber lesen und mit den Kids kreativ sind als zu netflixen. «Es gibt immer noch nichts besseres als die Realität, das liebe ich! Meine Kids sind irgendwo hier, in der Lesehöhle oder in einem der anderen Ateliers, und ich kann es auch mit einem Buch geniessen.»
Unbeschwertes Gefühl wieder aufleben lassen
Die Leseanimatorin Denise Häfliger, die den ganzen Anlass von A-Z konzipiert und realisiert hat, sagt: «Ich weiss nicht wie viele Nachmittage ich versteckt mit einem Stapel Comics in einer selbstgebauten Höhle verbracht habe. Aber ich weiss, dass mir diese sehr viel bedeutet haben und ich heute gerne an diese unbeschwerten Tage zurückdenke. Diese Erfahrung des Ungestörtseins und des Abtauchens aus dem Alltag möchte ich den Kindern ermöglichen.»
«Lesen ist ein grosses Wunder.» Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, 1830-1916
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt