Beromünster: Mehr Mut zum Verändern und Gestalten
In würdigem Rahmen mit einem ökumenischen Gottesdienst, umrahmt vom Trachtenchor Gunzwil und einer Rede von Luca Boog, Präsident der Jungen Mitte Kanton Luzern, wurde die Bundesfeier der Gemeinde Beromünster begangen. Dank des schönen Sommerwetters auf dem Rasen neben der Lindenhalle in Gunzwil.
Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold begrüsste die Festgemeinde zum Nationalfeiertag und blickte dabei auf eine eine fragile Situation in der Welt mit Krieg und Lebensmittelknappheit, welche man sich vor kurzer Zeit so noch nicht hätte vorstellen können. Aber auch mit dem schönen Auftritt der Gemeinde Beromünster an der Gedenkfeier der Schlacht bei Sempach mit Gedanken der Schüler der Kantonsschule Beromünster zu Frieden, Freiheit und Demokratie, die in schöner Erinnerung bleiben werde. Theres Küng, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt, und Pfarrerin Hannah Treier machten den Grund der Feier auch im Gottesdienst zum Thema, der das Thema «Bund» ins Zentrum stellte. Den Bundesstaat, die Bundesverfassung, welche in der Präambel auch die Verantwortung gegenüber der Schöpfung festhält. Ein Bund müsse immer wieder erneuert und Zeit angepasst werden, was in der Politik laufend geschehe. Sie sprachen deshalb den Politikern ein Dankeschön aus. Auch die Ehe sei ein Bund und empfahlen, diesen immer wieder zu besprechen und das Eheversprechen zu erneuern. Auch Gott möchte einen Bund mit den Menschen. Das verlange, das «Ich» zurückzustellen und sich zu fragen, was möchte Gott für mich?
Ein Bund verlange Verbindlichkeit, gerade diese gehe in der heutigen Zeit verloren, die Menschen möchten unverbindlich bleiben und selbstbestimmt leben. Der Blick für das grosse Ganze gehe dabei verloren. «Wie wärs, wenn die Politiker ihre Sitzungen mit einem Gebet beginnen würden, die Präambel der Bundesverfassungen zitieren?», fragte Theres Küng.
Gedanken zum 1. August von Luca Boog
«Ich haben rüüdig Freud hier die Rede halten zu dürfen», begrüsste Festredner Luca Boog, Präsident der Jungen Mitte Luzern, die Anwesenden. Er blickte auf die vergangenen Jahre zurück mit einem Virus, welcher den Namen eines Biers trage, und «letztes Jahr hatten wir zu dieser Zeit Hagel und Hochwasser, dieses Jahr eine Hitzewelle». Dann schwenkte er zurück in die 1920er-Jahre, damals herrschte eine Grippewelle, es gab eine Teuerung und die Landwirte kämpften mit der Maul- und Klauenseuche. «Ich bin sicher nicht der Einzige, der Parallelen zur heutigen Zeit feststellt», so Boog. In dieser Zeit war auch das Radio ein Thema und bald gab es die verrückte Idee, einen riesigen Sendemast zu bauen. Etwas später machte der Landessender Beromünster über die Landesgrenzen hinaus bekannt. «Der Sender wäre Sursee genannt worden, hätte man sich damals nicht entschlossen Münster in Beromünster umzubenennen, wie das Stift», so Boog. «Wenn ich den Politischen Dialog heute sehe, muss ich mit Bedauern feststellen, dass so etwas nicht mehr möglich wäre», so Boog, «wir bräuchten wieder Pioniergeist, den Willen etwas vorwärtszubringen und zu gestalten. Man sagt aus Prinzip ‹Nein›, statt etwas Neues anzupacken.» Statt die eigene Meinung fair in die Diskussion einzubringen und zusammen etwas verändern zu wollen, gebe es Frust, Hassmails und unbekannte Komitees.
Das heisse nicht, dass man nicht kritisch sein dürfe. Etwa über die Neutralität, auf die alle stolz seien, nachzudenken. Die Schweiz könne nicht einfach zusehen, wie ein Aggressor einen souveränen Staat überfalle und wie Oligarchen diesen über die Schweiz finanzieren. «Ab wann wird Neutralität unanständig?», fragte er. Die Schweiz müsste Werte vertreten und sich etwa an Henry Dunant orientieren, der das Rote Kreuz gegründet habe. Die Distanz Bern–Kiew sei kürzer als Bern–Sevilla, wo gerade viele Schweizer ihre Ferien verbringen. Er wünsche sich zum Geburtstag der Schweiz für alle mehr Mut zum gemeinsamen Verändern und Gestalten.
Luca Boog erhielt grossen Applaus für seine Rede. Wie auch der Trachtenchor, welcher den offiziellen Teil der Feier mit einem (weiteren) Lied abschloss.
Text und Bilder: Martin Sommerhalder