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Überbauung der Schlössli Höchi: «Was wir verlieren»

In Beromünster sammelt die IG Baukultur bekanntlich zurzeit Unterschriften für ihre Gemeindeinitiative. Diese richtet sich gegen die Überbauung der Schlössli Höchi, sie soll ausgezont werden. Im nachfolgenden Beitrag erklären sie unter dem Titel «Was wir verlieren» ihre Beweggründe.

Die Schlössli Höchi mit Bauprofilen.


«Was wir verlieren»

Vom Chorherrenstift St. Michael schlängelt sich ein uralter Weg hoch zum ehemaligen Schlössli bei der Waldkathedrale. Heute führt er zwischen Neubauten vorbei, wird aber noch immer von alten Obstbäumen begleitet und der asphaltierte Teil endet beim markanten Haus Schlösslifeld 29, das sich im kantonalen Bauinventar befindet. Dieses wurde 1927 vom bekannten Architekten Albert Zeyer (wichtigstes Werk: Dulaschulhaus, Luzern) erbaut und markiert mit seinem Giebel die Pforte und Übergang zum steil aufsteigenden Fussweg. Dies ist das letzte naturbelassene Teilstück und auf der Anhöhe belohnt uns ein schöner Blick auf Beromünster und die Hügelzüge.

Gekonnte räumliche Staffelung

Dieser schmale und bescheidene Fussweg führt ab dem Siedlungsrand in die offene Landschaft, verbindet das Chorherrenstift mit der Waldkathedrale, die beide von nationaler Bedeutung sind. Diese gekonnte räumliche Staffelung würde mit der Überbauung Schlössli Höchi kanalisiert und damit zerstört. Der Weg ist im Inventar der historischen Verkehrswege als Objekt von lokaler Bedeutung aufgeführt. Er dient der Bevölkerung und Radiowegbesuchern als geschätzter Wanderweg und ist an Auffahrt ein lieb gewonnener Teil des Pilgerweges.

Dieser Weg ist bereits auf dem Merianstich von 1642 mit Spaziergängern gezeichnet.

Der spätere Custos Ludwig Helmlin (1596–1640) liess als Dank für seine geglückte Pilgerreise nach Jerusalem ein Kreuz und eine Ölbergkapelle (abgebrochen) errichten. Genauso liess er ein zweites Kreuz auf dem Sandhübel erbauten (versetzt 1952 an die Don-Bosco-Strasse). In der Mitte lag genau die Kuppel der Stiftskirche! Custos Ludwig Helmlin begab sich später noch einmal auf eine Reise nach Jerusalem. Wie riskant eine solche Reise war, schildert sein damaliger Begleiter: «Wie die Anker wieder gerüstet waren, sieh! Da erschienen drei Schiffe von Seeräubern (…) O weh! Unser Schiffshauptmann wollte, seinem eigenen Sinne folgend, nicht fliehen, sondern war entschlossen, den Räubern Widerstand zu leisten.» Das Schiff wurde in Brand gesteckt, das Feuer ergriff das Schiesspulver, sie wurden hochgehoben und ins Meer geschleudert. Ludwig Helmlin (…) fand, ehe er zu den lieben Seinigen und in sein geliebtes irdisches Vaterland kam, wohin er sich so sehr sehnte, auf der frommen Wallfahrt (…) seinen Tod im Meer.

1790 liess Propst Krus (1734–1803) hinter dem Schlössli einen barocken Lustgarten errichten. Dieser hatte genau die Ausmasse des Fleckens und lag auf derselben Meereskote, wie das von ihm errichtete Krusenschloss auf der gegenüberliegenden Hügelseite! Eine solche Anlage war sehr pflegeintensiv und bald schon kamen barocke Gärten aus der Mode. Wegen dieses «Pflegerückstands» konnten die Bäume in die Höhe schiessen und die weltweit einzigarte Waldkathedrale bilden!


«Heilige Achse»

Machen Sie doch bald wieder einmal einen kleinen Spaziergang dahin und halten Sie bei der «Bänklialp» inne. Wie vernetzt und sorgfältig alles aufeinander abgestimmt ist offenbart sich dort auf eindrückliche Weise: Sie stehen mitten auf einer rund drei ­Kilometer langen «heiligen Achse»! St.Theobaldskapelle – Jerusalemkreuz – Ölbergkapelle (abgebrochen) – St.Peterkapelle (abgebrochen) – Christus Statue im Feiet – Auffahrtskranz – Kreuz bei der Pfarrkirche – Altar Pfarrkirche – Jerusalemkreuz Don-Bosco-Strasse (versetzt) – St. Wendelinskapelle Witwil und der Bildstock Chäppelifeld am gegenüberliegenden Hügelzug liegen alle auf einer Linie mit dem Hochaltar der Stiftskirche!

Lassen wir uns diesen einzigartigen Blick auf unser Kulturerbe nicht nehmen!

Kupferstich von Mathäus Merian von 1642, links oben die Schlössli Höchi.


Kostenfolge der Initiative

Bewusst haben wir uns zu den Kosten einer allfälligen Auszonung nicht geäussert. Ob überhaupt Anspruch auf Entschädigung besteht muss vorab grundsätzlich geklärt werden. Die allfällige Höhe einer Entschädigung kann abschliessend erst in einem Gerichtsverfahren festgelegt werden. Entscheidend ist, dass die Parzellen nicht erschlossen sind (Werkleitungen, Weg). Trotzdem sind wir der Meinung, dass uns dieses Stück Land und unser Kulturerbe auch etwas wert sein darf!

Die Auszonung darf auch nicht gegen andere Projekte z.B. die Dreifachturnhalle ausgespielt werden. Sport und Vereinsleben sowie der Schutz von Landschaft, Ortsbild und Naherholungsgebiet haben alle Platz. Gemeinsam machen sie unsere Gemeinde lebenswert.

Weitere Informationen und Unterschriftenbögen: www.ig-baukultur.ch

Literatur: Herzog Ignaz Vital: Chorherr Ludwig Helmlin, sein Leben, Wirken und die unglückliche zweite Fahrt nach Jerusalem, 1876

Suter-Wandeler Joseph: residieren & brevieren. Die Sommervillen der Chorherren von Beromünster, 2004

Suter-Wandeler Joseph: Krus, Propst und «Herr zu Münster» 2016

Text: Marco Steiner, Annabarbara Suter, Peter Suter, Nathalie Wey

Bilder: zvg, mars.




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