Skip to main content Skip to page footer

Bauer Fritz hört auf ... und fängt neu an!

Sein Name wurde zur Marke: «Bauer Fritz» entwickelte über Jahrzehnte ein blühendes Event- und Ferienangebot auf dem Bauernhof im Diegenstal und konnte jährlich an die 8000 Gäste begrüssen. Nun hört er auf. Aber Bauer Fritz wäre ja nicht Bauer Fritz, hätte er nicht schon gleich ein neues Projekt im Köcher. 

Bereit für das neue Projekt: Fritz und Janine Neuenschwander richten ihren Bio-Laden im Dorfzentrum von Rickenbach ein.


Vor über dreissig Jahren haben Fritz und Janine Neuenschwander angefangen, auf ihrem Bauernhof im Diegenstal Gäste zu beherbergen. Es begann mit einem einfachen Zimmer für Ferien auf dem Bauernhof und entwickelte sich über die Jahrzehnte hinweg zu einem blühenden, gefragten und weit herum bekannten Event-Betrieb für sanften, nachhaltigen Agro-Tourismus. Seit dem 1. Januar 2023 sind nun diese Angebote eingestellt. Die Gastroeinrichtung wird aufgelöst, Mobiliar und Inventar verkauft oder weitergegeben, die Tipis abgebaut. «Wir mussten aufhören», erklären Fritz und Janine Neuenschwander am Tisch in der gemütlichen Bauernstube.

Veränderung absehbar

1990 hatten sie «Bauer Fritz» ins Leben gerufen mit B&B’s und der ersten Bewirtung von Gästen. Im Jahr 2000 wurde der Betrieb auf Bio umgestellt mit Verkauf von Bioprodukten vor Ort. 2005 wurde das Umnutzungsgesuch für Partyraum, Gästezimmer und Parkplatz gestellt und bewilligt. Seither herrschte im Ganzjahresbetrieb rege Aktivität bei «Bauer Fritz». Ob Geburtstagsfeier oder Brotbackkurs, Schlafen im Stroh, Hochzeit oder Seminar – «Bauer Fritz» begrüsste an die 8000 Gäste pro Jahr, sein Name wurde zur Marke.

Mit der Übergabe des Hofes an Sohn Mario im Jahr 2018 war eine Veränderung absehbar. Dass mit dem Eigentümerwechsel sämtliche Bewilligungen hinfällig würden, war ihnen nicht bewusst. «Janine und ich hätten das Bewirtungs- und Ferienangebot getrennt vom Landwirtschaftsbetrieb unseres Sohnes noch einige Jahre weiterführen können», meint Fritz Neuenschwander enttäuscht, «aber das durften wir so nicht. Für alles hätte unser Sohn eine erneute Bewilligung einholen müssen. Langfristig war das für ihn aber kein Thema», erklärt er und ergänzt: «Wir hätten sowieso irgendwann aufgehört, aber wir hätten gerne noch einige Jahre weitergemacht. Die Nachfrage war da.»

Die Gastroeinrichtung beim Bauernhof im Diegenstal wird aufgelöst, Inventar weitergegeben und entsorgt.


Agrotourismus versus Raumplanungsgesetz

Dass die Gesetze gegeben sind, ist für Fritz Neuenschwander verständlich. Auch mit der Gemeinde hatte er ein gutes Einvernehmen. «Aber was mir zu denken gibt ist, dass vom Kanton her aufgrund des Raumplanungsgesetzes Betriebe vernichtet werden, die laufen. Bei uns war alles eingespielt und bewilligt. Für mich ist es unverständlich, dass man wegen einer Betriebsübergabe alles frisch bewilligen muss. «So werden Werte vernichtet», findet er und bringt es auf den Punkt: «Agro-Tourismus versus Raumplanungsgesetz». Der stets vorausdenkende und innovative Bauer hätte sich vom Kanton, mit dem er lange schriftlich im Austausch war, mehr Augenmass gewünscht, mehr Toleranz. «Aber so gehts nicht nur uns», ergänzt er.

«Wir hätten gerne noch einige Jahre weitergemacht. Die Nachfrage war da.»

Das Event- und Ferienangebot auf Hof und Land von Bauer Fritz war bescheiden, authentisch und verträglich mit der Landwirtschaft. «Wir bildeten eine Schnittstelle zwischen Bevölkerung und Landwirtschaft», erklärt er. Solche Schnittstellen seien sehr wichtig, denn sie vermitteln und fördern den Austausch zwischen Konsumenten und Bauern. «Früher hatten die meisten Leute noch Bauern in der Verwandtschaft und man hatte ein natürliches Verständnis dafür, woher die Produkte kommen. Heute ist das leider nicht mehr so.» Umso wichtiger seien eben solche Schnittstellen, wie Bauer Fritz es war, wo Kinder den Weg vom Korn zum Brot verfolgen konnten oder die Geburt eines Kalbes miterleben.

Landwirtschaft hautnah: Kinder konnten bei Bauer Fritz die Geburt eines Kalbes miterleben.


Nahe beim Leben

Insgesamt hatten Janine und Fritz Neuenschwander rund 50 Mitarbeitende beschäftigt in all den Jahren. Student:innen, Praktikant:innen, Jugendliche in Agri-Prakti-Ausbildung. Gäste fanden den Weg ins Diegenstal aus allen Kontinenten und Ländern der Welt. Hochzeiten und Geburtstage wurden gefeiert, Seminare und Kurse gehalten im Ganzjahresbetrieb. Schlafen im Stroh und der hautnahe Kontakt zu den Eseln, Schafen und Hochlandrindern waren ein Renner und das Michelsämter Tageslager in den Tipis jeden Sommer ein Highlight für hunderte von Kindern. «Wir waren nahe bei den Menschen, nahe beim Leben.», blicken Neuenschwanders zurück. «Und ja, wir sind auch ein wenig traurig. Wir bedanken uns bei allen ganz herzlich, die uns besucht und unterstützt haben in all den Jahren.» Es war ein Lebenswerk, das sie geschaffen und aufgebaut haben, und das sie nun abschliessen.

Der Zeit voraus

Bauer Fritz war mit seinem gewieften Denken der Zeit oftmals voraus. Auf seinem Land kam ein Windrad zu stehen, als noch niemand davon sprach und bei ihm standen Tipis, als man dieses Wort noch kaum kannte. «2008 hatten wir als eine der ersten Solaranlagen in Betrieb, und für unsere erste Rundballenpresse 1990 wurden wir noch ein wenig belächelt», schmunzelt Bauer Fritz.

Aber Bauer Fritz wäre ja nicht Bauer Fritz, hätte er nicht schon ein neues Projekt im Köcher. Wiederum startet er ein Projekt, das es so noch nicht gibt: Einen Bio-Laden in Rickenbach. Zugänglich wird er mit einem Code sein, für den Self-Service-Einkauf rund um die Uhr. Lokalisiert direkt im Dorfzentrum in dem Raum, wo einst die Post war. Hier sind Fritz und Janine Neuenschwander nun damit beschäftigt, den neuen Bio-Laden einzurichten, füllen Gestelle auf und präsentieren Bio-Produkte wie Getreide, Trockenwürste, Öle, Leinsamen und vieles mehr. Am 14. Februar ist Eröffnung. Wie immer haben die beiden die Nase im Wind, schauen voraus und sagen: «Wir sind offen dafür, was kommt!»

Der Name «Bauer Fritz» wurde zum Markenzeichen.


Am 14. Februar ist Eröffnung des neuen Bioladens in Rickenbach. Fritz und Janine sind am Einrichten.
Roggen, Einkorn, Hafer, Urdinkel... Mehl, Teigwaren und Müesli.


Text und Bilder: Ursula Koch-Egli 


Die Impressionen aus den vergangenen Jahren lassen die Erinnerungen an Bauer Fritz im Diegenstal aufleben:

Nicht wegzudenken: Die pelzigen Hochlandrinder.
Auch diese Schilder werden nun abgebaut.
Die nackten Tipi-Konstruktionen am Waldrand.
Das Diegenstal hoch über dem Sempachersee. Ein fantastisches Umfeld für ein Lager.
Feldtag: Da gabs was zu bestaunen.
Hatte alle Hände voll zu tun: Brunchteam am 1. August.
Unzählige Gäste wurden bei Bauer Fritz willkommen geheissen.
Cow-Cutting!
Was für ein Spass! Schlafen im Stroh.
Die Tiere als Spielkameraden.
Das Highlight schlechthin: Ferienspass für die Kinder.
Vom Korn zum Brot: Backkurse für Kinder.
Kochbuchtaufe «Kochen mit Bauer Fritz».
«Miss Earth» zu Besuch.
Auch Open Airs fanden im Diegenstal statt.
Der PC-Pionier von Bauer Fritz.
Abschluss und Neubeginn: Janine und Fritz Neuenschwander hatten vieles zu erzählen in der gemütlichen Stube.


Bilder: uke / zvg




Das könnte Sie auch interessieren