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Auch ein Teleskop braucht mal eine Dusche

Nach 18 Jahren einmal unter die Dusche zu kommen, ist wohl kein Luxus! Das war das Fazit, als Jürg Junker am 1. Advent am Nachmittag von vorne in das fast zwei Meter lange Rohr schaute und jede Menge Staub sah.

Ja, erinnern Sie sich an den Sonntag, den 1. Dezember? Sonnenschein pur! Jürg Junker hatte eine private Abendbeobachtung abgemacht und wollte am Nachmittag bereits alles vorbereiten. Er montierte den Sonnenfilter und stellte dabei mit Schrecken fest, wie staubig und fleckig der Spiegel war. Eigentlich verständlich, denn das letzte Mal wurde er gereinigt, als die Go To-Steuerung montiert wurde; und das war 2006! Trotz allem richtete Junker das Fernrohr auf die Sonne und es waren wunderbare Sonnenflecken (die Sonne ist jetzt in einem Aktivitätsmaximum) zu sehen. Der Abend kam gut heraus, es wurden Venus, Jupiter und Saturn, viele Sternbilder und Sternhaufen in riesigen Entfernungen beobachtet.

Das Buch «Der Sterngucker» entpuppt sich als Türöffner

Am nächsten Abend durfte Junker am Dezember Höck der astronomischen Gesellschaft Luzern (AGL) seinen Sterngucker vorstellen. Das war die Gelegenheit, um sein Bedürfnis anzumelden. Denn wie sollte er den Spiegel in fast zwei Meter Entfernung alleine putzen? Dass man ihn ausbauen musste, war schon klar, aber wie baut man ihn wieder ein, und wie justiert man dann dieses fast 10 kg schwere Ding? Da spielen Zehntelmillimeter eine riesige Rolle. Niemand Geringeres als der Präsident der AGL, Roland Stalder, meldete sich spontan. Und nach dem Leitsatz «schiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen», stand er bereits am vergangenen Freitag in Beromünster mit einem Rucksack voller Gerätschaften an der Bushaltestelle.

Der eigentliche Waschvorgang

Jürg Junker und Roland Stalder öffneten das Schiebedach, lösten drei Schrauben und konnten mit vier Händen die «Rückwand» des Rohrs entfernen. Doch halt, wenn bei einem mittig gelagerten Rohr am einen Ende 10 kg entfernt werden, so kippt das Ganze um. Schnell holte Junker einen Klappstuhl, damit das Rohr auch ruhig warten konnte, bis der geduschte Spiegel wieder eingebaut wurde. Nun ging es darum, den eigentlichen Spiegel bestehend aus mit Aluminium bedampftem, speziellem Glas noch aus seiner Halterung zu nehmen. Dann wurde der wertvolle Spiegel in eine grosse Tortenschachtel verpackt und ab ging es in das Badezimmer. Dort wurde dem Staub mit einer warmen Dusche, mit Haushaltspapier und mit Abwaschmittel durch Tupfen der Garaus gemacht. Und wer dachte, da müsse man richtig fest reiben, ist völlig falsch. Kleinste Partikelchen würden durch Reiben die hauchdünne Aluschicht verkratzen. Also darf man den nassen Spiegel auch nicht abtrocknen? Nein, stattdessen hilft ein Warmluftföhn. Aber bitte vorher noch mit destilliertem Wasser abspritzen, sonst gibt es Kalkflecken. Nach einer halben Stunde war die Operation beendet und der Spiegel wieder in der Tortenschachtel!

Alles andere als glasklar. Trotzdem behält Roland Stalder beim Auseinanderbauen des Spiegels den Durchblick.


Ein Resultat, das sich sehen lassen darf

Der Einbau war schnell gemacht. Zuerst noch die exakte Mitte des Spiegels mit einem Ringli bezeichnen, dann die Halterung montieren und alles zusammen ans Rohr schrauben. Jetzt war der Klappstuhl auch nicht mehr nötig, dafür das Justiergerät, welches Roland aus der Tasche zog. Dank des Ringlis in Spiegelmitte konnte man nun dafür sorgen, dass die einfallenden Lichtstrahlen so reflektiert werden, dass ein scharfes Bild am Okular beobachtet werden kann. Ob dem dann wirklich auch so ist, konnte aber erst am vergangenen Montag mit Freude bezeugt werden. An jenem Abend ging an einem wolkenlosen Himmel der Fast-Vollmond auf und gegenüber leuchtete der Abendstern. Neben Venus, Jupiter und Saturn konnte Jürg Junker so auch einen Kugelsternhaufen und zwei Galaxien beobachten, wie es sie schon lange nicht mehr zu sehen gab. Und den Mond? Nein, den stellte er nicht ein, der hätte viel zu stark geblendet!

Dank und Wünsche

Einen herzlichen Dank an Roland Stalder für seine spontane Hilfe. Er erhielt den «Sterngucker Band 2», von denen noch viele zu haben sind. Vielleicht suchen Sie noch ein Geschenk für jemanden, der gerne einmal die Sternwarte besuchen möchte? Auf der Redaktion des AZM, beim Ortsmarketing oder bei Jürg Junker werden Sie fündig.

Sterngucker Jürg Junker




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