«Am liebsten gleich alle!»
Zum 5-Jahre-Jubiläum der Bibliothek Beromünster wurde eine Leseratte sondergleichen eingeladen. Buch-Bloggerin Manuela Hofstätter referierte am vergangenen Freitag höchst unterhaltsam über zehn Buchneuheiten, sodass man diese am liebsten gleich alle lesen würde. Manche bekam man sogar geschenkt.
Bücher, Bücher, Bücher. Das ist die Leidenschaft von Manuela Hofstätter, Buchhändlerin, Buch-Bloggerin und lebhafte Referentin aus dem Berner Oberland. Sie wurde eingeladen, aus Anlass des fünfjährigen Bestehens der Bibliothek Beromünster das Lesefieber hiesiger Leseratten noch mehr zu entfachen. Dies gelang ihr bestens, am liebsten hätten alle Zuhörerinnen gleich alles gelesen – so der Grundtenor. Nun, das hat ja noch Zeit. Alle vorgestellten Bücher können ausgeliehen werden in der Bibliothek.
Welten zwischen zwei Buchdeckeln
Bibliotheksleiterin Karin Amgarten begrüsste die Referentin an einem Tisch voller attraktiv präsentierter Bücher. «Mein Leben drehte sich immer um Literatur und ums Buch», so Manuela Hofstätter gleich zu Beginn, die, von Papeteristin zu Buchhändlerin nun der Berner Literaturkommission angehört, welche Literaturpreise und Schreibstipendien vergibt. Und so führte die Profileserin quirlig und unterhaltsam im Untergeschoss der lichten Bücherausleihe quer durch zehn packende Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln. Wobei sie die Bücher auch gleich ins Publikum verschenkte. Was da alles in der Vorstellung lebendig wurde!
Von Geschichte über Thriller zu Fiktion
Da war einmal «In bester Absicht» von Sunil Mann, eine Story rund um die indische Kultur so animierend erzählt, dass man das ganze Buch gleich lesen wollte. Oder «Die Reise ins Innere» von Pia Gold: Düster, futuristisch und «völlig irre», wie sie sagte, aber gerade deswegen faszinierend. Das Buch «Angelina» hingegen führte in die Vergangenheit. Eine unschöne, nämlich in ein Jahrhundert Schweizer Geschichte und Politlandschaft rund um die Versorgung von sogenannten «Fagantenkindern», trauriges Schicksal authentisch und unangenehm geschildert und gerade deswegen ein «Funkelstern» unter den Büchern, wie es Manuela Hofstätter bezeichnete. Die Zuhörerinnen lauschten gebannt. «Und jetzt wirds hässlich!», so die Referentin dann schelmisch, und sie zückte einen Thriller, eine «Neujahrsparty» handelnd auf einer schottischen Insel, wo laufend weitere Menschen verschwinden. «Wer möchte eine schlaflose Nacht?», fragte sie lachend und verschenkte auch dieses Buch.
Lesefeuer geschürt
Ob «Anton will bleiben» von Jungautor Nelio Biedermann («Erzählen kann man es nicht, man muss es lesen...»), «Der Schacherzähler» von Judith Pinnow («Ein schönes Buch, einfach ein schönes Buch!») oder «Die Formel der Hoffnung» von Lynn Cullen, welche das Leben der Ärztin Dorothy Horstmann rund um die Polio-Pandemie nachzeichnet – jede der Buchvorstellungen zog hinein und Manuela Hofstätter verstand es gekonnt, immer an der richtigen Stelle abzubrechen, sodass die Spannung nur noch grösser wurde und das Lesefeuer garantiert geschürt.
Frisch von der Leber weg
Manuela Hofstätter erzählte frisch von der Leber weg, flocht viel Persönliches ein aus ihrem Leben («meine Apotheke ist häufig die Literatur»), wodurch sie sich nahbar machte und nicht bloss mit einer Prise, sondern gleich einem Teelöffel Humor das Vorgetragene versüsste. «Ihr würde man jedes Buch abkaufen!», sagte eine Zuhörerin begeistert beim Apéro im Anschluss an das Referat. «Aber man möchte sie an der Seite haben beim Lesen!» Nun, das dürfte etwas schwierig werden in Realität, aber in der Vorstellung nicht unmöglich, wurde doch durch die lebhafte Präsentation eine Brücke geschlagen, und der Funke konnte springen. Und wenn man fragte, welches Buch man nun gerne lesen wolle, hiess die Antwort: «Am liebsten gleich alle!»
Bis spät nach 22 Uhr verweilten die gut 15 Gäste noch im Gespräch. Man hatte der Referentin sehr gerne zugehört und die Bücherliste eingepackt, um sich später mit dem gewünschten Lesevergnügen einzudecken. Was meinte Manuela Hofstätter zu ihrem Gastauftritt in Beromünster? «Ein Geschenk!», sagte sie freudig und lachte herzhaft.
10 000 Medien – Die Bibliothek Beromünster
Wie alles begann: Im Rahmen der Schulraumplanung und des Umbaus des Schulhauses St. Michael II bewilligte die Gemeindeversammlung die Errichtung einer Gemeinde- und Schulbibliothek. Die damaligen Schulbibliotheken der Primar- und Sekundarschule Beromünster sowie die Pfarreibibliothek wurden vereint, um diese nebst dem Schulbetrieb für die ganze Bevölkerung zugänglich zu machen.
Am 15. Februar 2019 wurde die Gemeinde- und Schulbibliothek in Beromünster feierlich eröffnet. Als Betreiber war zuvor der Verein «Trägerschaft Bibliothek Beromünster» gegründet worden. Im Vorstand wirken mit: Antonia Schärli-Egli (Präsidentin), Thomas Stocker (Vertretung BiKo, Finanzen) und Brigitte Kneubühler (Vertretung Pastoralraum, Aktuarin).
Seither hat sich die Bibliothek in vielen Bereichen weiterentwickelt. Das Angebot für die stetig steigende Zahl von Nutzerinnen und Nutzern konnte von 6500 Medien auf rund 10 000 Medien erhöht werden.
Nebst einer breiten Auswahl an Belletristik und Fachbüchern gibt es auch Geschichten-Nachmittage für Kinder zum Zuhören sowie Leseabende für Erwachsene.
Im Team arbeiten mit: Karin Amgarten (Leitung), Susanne Bucheli (Ausleihe), Denise Häfliger (Lesenachmittage für Kinder), Ambra Waldis (Ausleihe).
Öffnungszeiten: Mittwochnachmittag 13.30 bis 17 Uhr, Freitagabend 16 bis 18 Uhr und Samstagvormittag 9 bis 11 Uhr.
Ursula Koch-Egli