Advent, Advent, der Anspruch brennt
Der Countdown auf Weihnachten zu läuft, bei vielen läuft etwas gar viel. Die besinnlichen Adventstage bringen manchen um die Besinnung. Ich habe vor drei Jahren einen Text verfasst mit dem Titel «Why-Nachten – eine philosophische Betrachtung: Das Fest der Liebe, nicht des totalen Kommerzes», der online immer noch auffindbar ist, mit dem schönen Bonmot «Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, wieso ist dann Weihnachten nur an Weihnachten?» Der Text ist scheinbar zeitlos gültig.
In diesen Tagen realisiere ich eine Jahresend-Umfrage bei Leserinnen und Lesern. Einige sagen «bin gerade unter Strom», «bin im Schuss» oder «bin mit allem im Rückstand». Das Zeit- und das Geschenkemanagement ist mit all den elektronischen Helferlein nicht einfacher geworden.
Weihnachten ist ja die grosse Zeit des «Zuviel», ja der Orgasmus des Kapitalismus. Heute führt uns der Stern von Bethlehem direkt ins vermeintliche Online-Shoppingparadies. Und Weihnachten ist die Zeit, in der wir uns dafür beschenken, dass wir uns das ganze Jahr nichts geschenkt haben. Und ausgerechnet an Weihnachten werden manche Menschen daran erinnert, dass sie nichts geschenkt bekommen. Wenn nicht ausgerechnet Weihnachten mit all den Verpflichtungen wäre, könnten wir so richtig Zeit füreinander haben.
Doch an Weihnachten machen alle wieder auf Teufel komm raus auf «Engel komm raus». Das Lichtlein im Stall ist bei dieser Weihnachtsbeleuchtungs-Orgie schwer zu finden. Doch vieles, was das «Zuviel» an Weihnachten ausmacht, ist höchst freiwillig. Ich bin überzeugt, dass wir auch dieses Jahr das Lichtlein im Stall finden werden...
Karl Heinz Odermatt
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