Abschaffung Eigenmietwert für alle Generationen
Seit Jahren wird der Eigenmietwert schöngeredet, als sei er ein Gebot der Fairness. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Eigenmietwert ist eine Geistersteuer: ein fiktives Einkommen, das nie fliesst. Niemand hat effektiv mehr Geld zur Verfügung, nur weil er im eigenen Haus wohnt. Trotzdem werden Eigentümerinnen und Eigentümer so behandelt, als würden sie Dividenden kassieren. Dieser Vergleich vom Urner Finanzdirektor Janett hinkt massiv – eine Dividende ist reales Einkommen, das ausbezahlt wird, der Eigenmietwert hingegen existiert nur auf dem Papier.
Oft wird argumentiert, die Abschaffung des Eigenmietwerts sei ein «Geschenk» an ältere Generationen. Dabei wird übersehen, dass gerade diese Generation mit ihrem Wohneigentum die Sozialwerke entlastet. Wer im Alter im eigenen Haus wohnt, ist weniger auf staatliche Unterstützung angewiesen. Es wäre also im Interesse der Allgemeinheit, dieses Modell zu fördern, anstatt es mit einer Geistersteuer zu bestrafen.
Was mir ganz wichtig ist: Auch junge Menschen profitieren von der Abschaffung durch den neuen Ersterwerberabzug. Für Familien ist es heute schon fast unmöglich, Wohneigentum zu erwerben, obwohl gemäss der Bundesverfassung Art. 108 das Wohneigentum gefördert werden sollte.
Der Eigenmietwert ist weder fair noch zeitgemäss. Er ist ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, das nur noch für Frust und Ungerechtigkeit sorgt. Wer vorgesorgt hat, darf nicht dafür bestraft werden – und wer sich Wohneigentum wünscht, darf nicht durch künstliche Hürden blockiert werden. Darum ist die Abschaffung des Eigenmietwerts längst überfällig.
Jasmin Ursprung, Kantonsrätin, Udligenswil