500 auf der Bühne, 1200 zu Besuch: Was für eine Geburtstagsparty!
In gediegenem Rahmen wurde der Abschluss einer intensiven Jubiläumswoche begangen. Trotz Konkurrenz durch das Fussball-EM-Spiel und Jodlerfest Sempach fand sich am Samstag, 29. Juni, eine beachtliche Anzahl Zuhörer zum offiziellen Festakt im Kubus Rickenbach ein. Nebst Musikgenuss liess es sich auch eintauchen in die Geschichte.
Der Apéro der geladenen Gäste gab Gelegenheit, in die Vergangenheit einzutauchen. So erinnerte sich Alice Wey etwas wehmütig an die Gründung 1974: «Der FC Gunzwil war im Aufkommen, daher wollte man als Kontrapunkt die musikalische Förderung stärken.» Das Frauenstimmrecht war aber erst zwei Jahre in Kraft. So musste sie als treibende Kraft im Hintergrund bleiben und die lokalen männlichen Grössen von der Idee überzeugen. Wie der Erfolg zeigt, hat sie das hervorragend gemacht. Die Musikschulen entwickelten sich prächtig und gewannen stetig an Bedeutung. 1988 fusionierten Triengen und Schlierbach; 2004 Beromünster und Neudorf. Schliesslich kam es zur ganz grossen Fusion Michelsamt-Surental, um die vom Kanton neu geforderten Belegungen zu erreichen.
Wenn die Chemie stimmt, stimmt auch die Musik
Wieso gerade diese beiden? Matthias Häfliger, letzter Präsident der Musikschule Triengen, erklärt: «Uns war klar, dass wir den ländlichen Charakter beibehalten wollten. Bei den Gesprächen mit dem Michelsamt stimmte von Anfang an die Chemie.» Rolf Stirnemann, ehemaliger Leiter der Musikschule Triengen und heutiger Bereichsleiter, bestätigt: «Der Zusammenschluss verlief reibungslos und auch die Musiklehrer zogen mit.» Aber wie hält man eine Musikschule zusammen, die ein so grosses Gebiet umfasst und sich die 38 Lehrpersonen kaum jemals gemeinsam zu Gesicht bekommen? «Das ist eine grosse Herausforderung», erklärt Co-Schulleiter Christian Plaschy. «Aber wir machen viel für die Teambildung, auch mit gemeinsamen öffentlichen Anlässen.» Und es funktioniert, wie eine kurze Umfrage bei den Musikschullehrer:innen zeigt. «Es macht Spass, hier zu arbeiten. Die Entscheidungswege sind kurz. Es herrscht ein kameradschaftliches Klima.»
Warum Armin Hartmann Blockflöte spielte
Co-Leiterin Susanne Bättig führte souverän durch den Festakt. Umsichtig dankte sie Ehrengästen, Sponsoren, Helfern und allen Anwesenden. Ein kurzer Rückblick auf eine unvergessliche Woche rundete ihre sympathische Ansprache ab. Dann kündigte sie eine der legendären Reden von Regierungsrat Armin Hartmann an. Dieser überbrachte die Grüsse der Regierung. Er liess es sich aber nicht nehmen, auch seine persönlichen Kontakte zur Musikschule als Schüler, Funktionär, Gemeinderat und jetzt als verantwortlicher Regierungsrat zu beleuchten. So hatte er als Kind nicht verstanden, wieso es, um Klavier spielen zu lernen, zuerst zwei Jahre Blockflötenunterricht brauchte. Oder unvergessen der Tag, als er sich in der Kommission über die vielen Blechbläser beklagte und ihm geantwortet wurde: «Die spielen dir ein Ständchen, wenn du dann mal zum Regierungsrat gewählt wirst.» Genau so geschah es vor einem Jahr.
Unterhaltung mit Harmonie und Power
Für die Umrahmung des Festaktes waren die beiden Top-Formationen der Musikschule aufgeboten. Diese benutzten den Auftritt, um die ganze Breite ihres Könnens aufzuzeigen. Zuerst spielte das Blasorchester Jugendmusik Surental-Michelsamt unter der Leitung von Patrick Hummel die Stücke, welche ihnen am Jugendmusikfest in Wolhusen den ersten Platz in ihrer Kategorie einbrachten. Warum sie dafür mit unglaublichen 97.5 Punkten belohnt wurden, erlebte man live. Die Klangbreite, die Harmonie, die Dynamik; es war ein echter Hörgenuss. Jedes einzelne Instrument bekam seinen Raum, vor allem auch die «leisen»: Oboe, Fagott oder Querflöte. Nach einer kurzen Pause nahm die Jugend Brass Band Michelsamt-Surental unter der Leitung von Joel Spitaleri auf der Bühne Platz. Von Anfang an performte das Brass-Ensemble mit voller Power. Der jugendliche Überschwang wurde vom ausdrucksstarken Dirigenten angetrieben, aber auch in die richtigen Bahnen geleitet. Es erstaunt nicht, dass auch diese Band mit dem 3. Rang in ihrer Klasse am Jugendmusikfest glänzte. Bei beiden Bands überzeugt auch die Stückeauswahl. Klassische Blasmusikstücke und traditionelle Märsche wechselten mit moderner Unterhaltungsmusik. Die richtige Mischung um sowohl die jungen Leute zu motivieren, aber auch um sie auf ein Mitmachen in den Musikvereinen vorzubereiten.
«Unglaublech», der Abschluss einer intensiven Jubiläumswoche
Zum Abschluss des Abends war Unterhaltung mit der Gruppe «Unglaublech» angesagt. Was diese sieben Profimusiker auf der Bühne zelebrierten, war sehr hohe Schule. Die Tonrange und die Dynamik brachte einen zum Staunen. Die Band harmonierte in völliger Perfektion. Viele der bekannten Stücke sind von David Rufer, der sowohl die «Little Brassers Michelsamt» als auch die «Feldmusik Gunzwil» leitet, auf die Besetzung angepasst worden. Seine jazzigen Arrangements treibt die Band zu unglaublichen Höchstleistungen. So bekam natürlich auch diese Formation sehr viel Applaus. Sie musste ebenfalls noch eine Zugabe nachliefern und bewies zum Schluss noch einmal: «Musik verbindet!»
Markus Bucher
Weitere Impressionen vom Hauptact am Samstagabend, mit Ehrengästen im Kubus Rickenbach:
Bilder: mbg
Zum Jubiläum eine ganze Woche voller Klänge
1200 Gäste und 500 Leute auf der Bühne: «Musik gehört zur Gesellschaft!», zieht Susanne Bättig, Co-Leiterin der Musikschule Michelsamt-Surental, ihr Fazit. Zusammen mit Christian Plaschy leitet sie die vor zwei Jahren fusionierte Musikschule. Diese als Bindeglied wirken zu lassen zwischen Orten und Generationen war der Grundsatz der Feierlichkeiten zum 50-Jahr-Jubiläum.
Schlag auf Schlag, nicht nur vivace und fortissimo, sondern «allegro furioso» gingen die klingenden Festlichkeiten während einer ganzen Woche über verschiedene Bühnen des Michelsamts und des Surentals.
vivace…
Am Montagabend füllten die Kirchenchöre Rickenbach, Beromünster, Schlierbach-Büron und Triengen-Winikon zusammen mit Musikschulchören den Saal mit Musik in Schlierbach. 100 Sängerinnen und Sänger, über vier Generationen verteilt sangen sie «Für immer uf di» – Gänsehautfeeling pur. Am Dienstag platzte das Forum Triengen fast aus den Nähten beim Auftritt der vielen Ensembles, die sich eigens fürs Jubiläum formiert hatten. Akkordeon-, Blockflöten-, Schwyzerörgeli- und Streicherklänge erfüllten den bis auf den letzten Platz besetzten Saal.
allegretto…
Am Mittwoch waren die Lehrpersonen dran. Amüsant und sehr unterhaltsam führten sie das Publikum in der Kanti Beromünster spielend durch die Musikgeschichte von Barock bis Gegenwart, von Telemann bis Billie Eilish.
Am Donnerstag war Rock angesagt. Denn die Musikschule bietet nicht nur Bläser- und Streicherensembles, sondern neuestens auch eine Rockband – die in der Mehrzweckhalle Beromünster «Eye of the Tiger» und ähnliches hinschmetterte. Ebenso hinreissend der A-cappella-Gesang der Gesangsschülerinnen und schliesslich als Highlight: «Wellerman», gespielt vom Ensemble aus 30 (!) Gitarre-Spielenden, dem meistgebuchten Instrument übrigens.
Am Freitag hiess es: Bühne frei für die jüngeren Ensembles, die Little Brassers, das Fortepiano, das Holzbläserensemble und die Jugendmusik Surental. Und nicht nur das: Auch Eltern spielten mit, innert Kürze war ein 100-köpfiges Ensemble aus Eltern und Kindern formiert worden, alle zusammen spielten sie «Fluch der Karibik» – verflucht gut.
… allegro furioso!
Der offizielle Festakt am Samstag in Rickenbach hatte zwar etwas Konkurrenz vom Jodelfest in Sempach, von AC/DC in Zürich und der Fussball-EM in Berlin bekommen, war aber mit vielen Ehrengästen und den beiden «grossen», schon fast Profi-Bands der Musikschule nichtsdestotrotz das fulminante Highlight einer unvergesslichen Jubiläumswoche.
An jedem dieser Abende wurde auch das Nachspiel sehr genossen, das gemütliche Zusammensein bei feinem Essen und Getränk. «Das ist ja das Schöne!», sagt eine sichtlich zufriedene Susanne Bättig abschliessend. «Wir haben Hunderte von Leuten auf die Bühne gebracht, jede Musiklehrperson war irgendwo involviert und hat mitgezogen. Wir von der Leitung haben die Gefässe geschaffen, mit Musik gefüllt hat sie das ganze Team. Es war wundervoll!»
Ursula Koch-Egli, Bilder: zvg