30 Jahre Sternwarte: Es darf gefeiert werden
Am 11. Dezember 1992 konnte nach 2-jähriger Planung die Sternwarte auf der Dachterrasse des Don Bosco in Beromünster eingeweiht werden. Was in diesen 30 Jahren alles gesehen und erlebt werden durfte – der Sterngucker Jürg Junker blickt zurück.
Waren Sie schon einmal bei einer der rund 200 Führungen in der Sternwarte auf dem Don Bosco Beromünster dabei? Wenn nicht, haben Sie am Sonntag, den 11. Dezember, die Gelegenheit. Wir wollen den 30. Geburtstag der Sternwarte feiern und hoffen natürlich auf einen sternenklaren Abend. Das genaue Programm entnehmen Sie der Infobox.
Was es alles braucht für die Realisierung eines Gedankens
Beginnen wir unsere Sternwarten-Geschichte ganz von Anfang an. Wie jede Geburt braucht auch eine Sternwarte eine Schwangerschaftsphase. Diese begann bei mir mit einem Kurs für praktische Astronomie, den ich 1986 in der Feriensternwarte Calina in Carona TI besuchte. Eine Kantiklasse war der Auslöser dafür. Diese wollte nämlich eine Projektwoche zum Thema Himmelskunde machen, wofür ich zu wenig Vorkenntnisse hatte. Also liess ich mich in Carona auf das Projekt Astronomie ein, und siehe da, es hat mir so richtig «den Ärmel hineingenommen». Zwar entschloss sich die Klasse für ein anderes Thema, der Aushub für unsere Sternwarte aber war gemacht!
Als nächstes führte ich an der Kanti das Freifach Astronomie ein, was nur möglich war, nachdem ich die offiziellen Stellen des Kantons davon überzeugen konnte, dass ein solches Fach den Freifachkatalog bereichern würde. Mein erster, anerkannter Kurs fand dann im Schuljahr 88/89 statt. Für diesen lieh mir ein Kollege von der Kanti Sursee ein selbstgebautes Fernrohr aus, mit dem wir den Mond, die Planeten und einige der bekannteren Himmelsobjekte betrachten konnten.
Im Sommer 1990 telefonierte mir derselbe Kollege – er war zu dieser Zeit Leiter der Sternwarte Sursee auf dem Dach des Schulhauses Kotten – und fragte mich, ob ich das Teleskop der Surseer Sternwarte haben möchte (Bild 1). Der Stadtrat habe 20'000 Franken gesprochen, womit sie nun ein neues, besseres Teleskop anschaffen könnten. «Du kannst das Alte gratis haben, einzige Bedingung ist, dass es öffentlich zugänglich sein sollte».
Ein Geschenk mit Pferdefuss
Und so kam ich – wie die Jungfrau zum Kind – zu einem knapp 2 Meter langen und 30 Zentimeter dicken Rohr! Aber wohin mit dem Ding? Zuerst fragte ich einen befreundeten Architekten, ob er mit mir dieses Monster besichtigen wolle. Er war sofort Feuer und Flamme und versprach mir, Pläne für ein Schiebedach zu zeichnen. «Als Standort wäre die Dachterrasse des damaligen Studienheimes Don Bosco ideal», dachten wir uns. Gedacht, getan ,und ich nahm Kontakt auf mit dem damaligen Direktor. Da er mir von der Schule her bestens bekannt war, verstanden wir uns von Anfang an sehr gut, und der Standort der Sternwarte war gewählt.
Es dauerte nicht sehr lange, bis ich die erste Kostenschätzung am 13. September 1990 bekam (siehe Bild 2) «Über zwanzigtausend Franken, viel zu teuer!», war meine Reaktion, und ich begann, zusammenzustreichen. Ende Februar des darauffolgenden Jahres erhielt ich von der Schlosserei Müller eine Offerte für Fr. 9'800 Franken (Bild 3). Ich war entschlossen, das Projekt zu wagen.
Geld musste her!
Woher aber das Geld nehmen? Die Schule/Kanton zahlte nichts an diese Kosten, da es sich um ein «Gebäude» handelte, und Baukreditgesuche müssen zwei Jahre im Voraus gestellt werden. Die vier ortsansässigen Banken waren auch nicht bereit, eine so grosse Summe zu sprechen und die Gemeinde beteiligte sich auch nur mit einem dreistelligen Betrag. Wenn ich nicht alles selber berappen wollte, musste ich Spender finden! Also gründete ich im September '91 die «Sternbeobachtungsgruppe Saturn» und schrieb Bettelbrief um Bettelbrief (Bild 4). Das Echo war beruhigend. Viele der angeschriebenen Freunde waren bereit, an das Sternwartenprojekt ihren Beitrag zu leisten, so dass ich keine andere Wahl mehr hatte, als den eingeschlagenen Weg mutig weiterzugehen.
Eine erste Enttäuschung
Und so kam im Frühling '92 der grosse Tag, an dem das in Einzelteile zerlegte Teleskop, welches bereits über ein Jahr im Luftschutzkeller der Kanti Beromünster zwischengelagert wurde, hätte an seinem neuen Bestimmungsort aufgebaut werden sollen. Die Rohre des Schiebedachs und alle Wände waren zur Montierung bereit. Wir hatten uns schon überlegt, wie wir die schweren Teile auf die Dachterrasse bringen könnten: aussen hinauf mit Seilen ziehen oder innen die Treppe hinauftragen... als ein aufgeregter Pater Fiedler, Rektor des Don Bosco, auf uns zurannte: «Bitte nichts montieren, die Dachterrasse muss saniert werden, sie ist an mehreren Stellen undicht!» Eine grosse Enttäuschung machte sich bei mir breit, denn das hiess, dass das Projekt nun sicher für ein halbes Jahr wieder aufs Eis gelegt wurde. Das gab mir allerdings nochmals mehrere Monate Zeit, weiter Geld zu sammeln, denn das Sammelziel war bei weitem noch nicht erreicht. Am 23. November 1992 war es dann endlich soweit: ein Schüler meiner Klasse, der neue Sternwartenleiter von Sursee und ich stellten zusammen das Teleskop auf, kurz nachdem die Schlosserei Müller das Häuschen montiert und die Schiene am Geländer befestigt hatte (Bild 5).
Feierliche Eröffnung
Dann kam der 11. Dezember 1992. Das Bläsersextett der Kantonsschule (Bild 6) machte in einer kalten Nacht den Anfang der Eröffnungsfeier, bevor Pater Stiegler das Teleskop einsegnete und es seiner alten Bestimmung am neuen Ort übergab. Rund 50 Personen aus nah und fern hatten sich dazu eingefunden, die allesamt froh waren, ins warme Innere dislozieren zu dürfen für den zweiten Teil (Bild 7). Dort bedankten sich Gemeindepräsident und Rektor der Kantonsschule, Dr. Felici Curschellas, sowie Gemeindeschreiber und Leiter der Volkshochschule Anton Suter bei der noch jungen Sternbeobachtungsgruppe Saturn für ihre Initiative. Sie brachten ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die neue Sternwarte vielen Menschen den Himmel auf die Erde bringen würde.
Highlights der letzten 30 Jahre
Ein besonderer Moment ist immer dann, wenn man einem Besucher zum ersten Mal den Ring des Saturns zeigen kann. Oder wenn eine Besucherin sich selber überzeugen kann, dass Jupiter vier Begleiter hat. Natürlich ist es für den Sternwartenleiter auch immer toll, wenn er dieselben Menschen mehrmals begrüssen kann und dabei merkt, wie sie ebenso fasziniert sind vom Sternenhimmel wie er. Das sind die Highlights von Wiederholungen.
Dann gab es natürlich auch Highlights, die Beobachtungen betreffen, welche selten oder sehr selten vorkommen. Etwa die totale Mondfinsternis vom 9. Oktober 2003, die von knapp zehn Personen bewundert wurde, oder der Venustransit am 8. Juni 2004, als die Venus bei schönstem Sonnenschein in der Zeit von 07:20 bis 13:23 sich vor der Sonne durchschob – ein Naturschauspiel, das ein Mensch auf Grund dessen Seltenheit höchstes einmal im Leben ganz beobachten kann! (Bild 8). Die Saturnbedeckung vom Mai 2007 (wenn der Mond vor dem Saturn durchzieht) sahen zwar nur fünf Personen, denn das Ereignis fand am späten Abend statt, aber alle, die es sahen, waren begeistert.
Übrigens, am kommenden 8. Dezember bedeckt der Mond den Mars in der Zeit von 06:07 bis 07:03. Da diese Zeit bereits in die Morgendämmerung fällt, und der helle Vollmond die Beobachtung zusätzlich erschwert, müssen Sie in die Sternwarte kommen, wenn Sie etwas sehen wollen. Schliesslich sind Sonnenfinsternisse auch jedes Mal ein Highlight, die letzte am 25. Oktober 2022 (Bild 9).
Die Aufrüstung des Teleskops mit einer Go-To-Steuerung (das Rohr sucht sich die Objekte selber, sobald es auf einen Fixstern eingestellt ist) im Jahre 2006 hat dem Demonstrator nicht nur Arbeit abgenommen, sondern die Objektvielfalt um ein Mehrfaches erhöht.
Das grösste Highlight aber war und ist, dass die Sternwarte 30 Jahre überdauert hat und dabei noch nichts an ihrer Attraktivität verloren hat. Ich danke allen, die mein – nein unser – Projekt am Leben erhalten, ganz herzlich. Mögen alle, die dies lesen oder lesen möchten, noch viele Sternstunden erleben!
Ihr Sterngucker, Jürg Junker
Programm des Jubiläumsfestes 30 Jahre Sternwarte Beromünster
11. Dezember 2022, ab 16 Uhr
16.00 Uhr: Apéro: anstossen und beobachten der Sonne (sofern man sie sieht)
17.00 Uhr: Führung durch die Ausstellung
18.00 Uhr: Video: die Nordlichter
19.00 Uhr: Kaffee, Tee und Käseschnitten gegen Kälte, Hunger und Durst
20.00 Uhr: Der Stern von Bethlehem, ein astronomischer Erklärungsversuch eines religiösen Motivs
20.45 Uhr: Musikalischer Abschluss
Zwischen den einzelnen Blöcken und nach dem letzten Block besteht die Möglichkeit, mit dem Fernrohr den Sternenhimmel zu beobachten.
Die Ausstellung ist die ganze Zeit geöffnet. Jedermann und jedefrau, gross und klein, sind herzlich eingeladen, auch nur einzelne Blöcke zu besuchen
Eintritt frei; Kollekte zur Deckung der Unkosten.
Text: Jürg Junker, Bilder: zvg