3 Fragen an Hannah Treier, reformierte Pfarrerin: «Wir Menschen haben das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit»
Hannah Treier ist im reformierten Kirchenzentrum Gunzwil ansässig und hat bisher von da aus das Michelsamt betreut. Nun hat die Organisation leicht geändert. Der «Michelsämter» wollte von Hannah Treier die Hintergründe in Erfahrung bringen.
Hannah Treier, was hat effektiv geändert in der Organisation der Reformierten Kirche Sursee am Standort Gunzwil? Kann man Ihre seelsorgerischen Leistungen weiterhin vom Michelsamt aus buchen?
Ich bin nach wie vor die zuständige reformierte Pfarrerin für die Gemeinden Beromünster und Rickenbach. Auch das Kirchenzentrum in Gunzwil steht noch (lacht), wo unsere Gottesdienste und Veranstaltungen stattfinden. Ich bin für alle pfarramtlichen Tätigkeiten für die Menschen da, also für Seelsorge, Taufen, Trauungen oder Abdankungen. Es ist alles beim Alten geblieben, das Einzige, das sich geändert hat, ist, dass wir neu einen Sozialdiakon haben, Andreas Müller, der sein Büro hier in Gunzwil bezogen hat. Nach dem Tod meines Pfarrkollegen habe ich einen Teil seines Pfarramtes in Sursee übernommen, zusammen mit meiner Pfarrkollegin Andrea Klose, was bedeutet, dass ich nun ein Büro in Sursee habe. Ich bin aber in der ganzen Gemeinde unterwegs und telefonisch erreichbar.
Welchen generellen Ratschlag geben Sie den Menschen, die sich von der Kirche entfremdet haben und trotzdem auf der Suche nach spiritueller Nahrung sind?
Ich glaube, wir Menschen haben mit und ohne Anschluss an die Kirche das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit. Wir sind Suchende, ein Leben lang. Die Frage ist in Bezug auf die Kirche, was dort gefunden werden kann? Die Kirche an sich ist einerseits das Gebäude, das für viele Menschen einen Moment der Ruhe und des Entfliehens aus dem Alltag darstellt. In unseren Kirchen können Menschen «sein», anstelle zu leisten. Sie dürfen sich einen Moment hinsetzen und hören; auf sich und auf das, was wir Christinnen und Christen Gott nennen, also etwas, das nicht wertet, nicht be-wertet, sondern bedingungslos liebt. Menschen finden Halt in solchen Momenten der Stille, sie empfinden sich gehalten. Die Kirche ist andererseits eine Gemeinschaft von Menschen, die sich auf dieser Suche nach spiritueller Nahrung, nach Sinn im Leben, zusammengeschlossen haben. Menschen, die zusammen einen Weg gehen möchten, weil es gemeinsam einfacher ist. Ich als Pfarrerin bin ebenfalls auf einem Weg des Suchens; das ist Teil des Lebens. Auch ich lerne mit jeder Begegnung etwas, nämlich wie unterschiedlich Leben sinnvoll gelebt werden kann. So gibt es auch nicht den «generellen» Ratschlag, sondern höchstens die Einladung, sich freudig gespannt auf die Suche zu machen.
Welches sind Veranstaltungen der reformierten Kirche in Gunzwil, die Sie besonders empfehlen können?
Neben den klassischen Gottesdiensten finden seit einiger Zeit Lobpreisgottesdienste mit modernen Liedern statt. Zudem treffen wir uns einmal im Monat zum Kafi-Treff, wie der Name schon sagt, zu Kaffee und Kuchen, wo Gespräche und Zusammensein im Mittelpunkt stehen. Für die Kleinen gibt es das «Fiire mit de Chliine». Wir hören jeweils eine Geschichte, basteln und sitzen bei einem gemütlichen Znüni zusammen. Eine nächste grössere Veranstaltung ist sicher der Weltgebetstag am 7. März um 19:00 im Kirchenzentrum Gunzwil, bei welchem jedes Jahr ein anderes Land im Zentrum steht.
Interview und Bild: Karl Heinz Odermatt