22. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag Römerswil am 30. Juni: Der Lokalmatador will den Heimsieg
Der Römerswiler Jungschwinger Noe Müller (15) gilt als talentiert. Der ehrgeizige junge Mann glänzt auch schon bei den «Grossen» und beim Innerschweizer Nachwuchsschwingertag am 30. Juni in Römerswil, will er vor heimischem Publikum natürlich den Sieg holen.
«Mein Ziel ist die Titelverteidigung», sagt Noe Müller selbstbewusst. Der Römerswiler konnte bereits 2023 in Siebnen SZ den jährlich stattfindenden Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in seiner Alterskategorie für sich entscheiden. Daher ist der junge Mann bei der Austragung Ende Juni in Römerswil, ausgerechnet im Dorf, wo er wohnt und aufgewachsen ist, natürlich ein Mitfavorit auf den Sieg.
«Dass ich zu Hause antreten kann, vor Freunden und der Familie, motiviert mich zusätzlich.» Als seine stärksten Konkurrenten sieht Müller die Schwyzer, insbesondere Daniel Steiner, Mauro Föhn und André Betschart – ihn bezwang Müller in Siebnen letztes Jahr im Schlussgang. Müller kämpfte dieses Jahr zwar mit einigen Verletzungen, er hatte eine Adduktorenzerrung und zuletzt eine Ellbogenüberdehnung. Doch das sei nun beides überstanden, versichert er. «Ich fühle mich fit und bereit.»
Schon zwei «Grosse» bezwungen
Noe Müller ist seinem Ruf als Talent bisher gerecht geworden. So errang er im Nachwuchsbereich bereits 35 Festsiege. In der aktuellen Saison bestreitet Müller zum ersten Mal auch Schwingfeste bei den «Grossen», also bei den erwachsenen Schwingern. «Ich konnte schon zwei Kranzschwinger besiegen, das war natürlich ein gutes Gefühl. Doch kann ich mich sicher noch steigern und im technischen Bereich vielseitiger werden.»
Laut Müller besitzt ein guter Schwinger folgende Eigenschaften: Er sollte gross und kräftig sein, athletisch, ausdauernd, technisch gut und mental stark. Diese Voraussetzungen bringe er mit, nur an Grösse und Gewicht könne er jedoch noch zulegen, obwohl er schon jetzt ein 1,85 Meter grosser und 92 Kilogramm schwerer «Brocken» ist. Bei den Aktiven seien 100 Kilo aber eher leicht. «Und ich kann nur schlecht verlieren», sagt er mit einem Schmunzeln. «Niederlagen wegzustecken und positiv zu bleiben, gehört aber auch dazu.»
Müller wird diese Saison noch einige Wettkämpfe bestreiten, etwa den Bernisch-Kantonalen Jungschwingertag in Huttwil (BE) am 14. Juli. Das Highlight wird aber der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag am 25. August in Sion (VS) sein, der findet nur alle drei Jahre statt. Als Hauptpreis gibt es ein «Kälbli». Auch dort will Müller erfolgreich abschneiden. «Bei diesem Fest vorne mitzuschwingen, wäre natürlich toll.»
Mit drei Jahren im Sägemehl
Müller gehört dem Schwingklub Rothenburg an, so wie auch sein Vater Roland, der früher selbst Aktivschwinger war und nun die Jungen trainiert, unter anderem auch seine Söhne, neben Noe sind dies Juri (Jahrgang 2013) und Max (Jahrgang 2010). «Juri ist auch schon ehrgeizig, doch Max mag Wettkämpfe nicht so sehr und trainiert lieber», sagt der älteste Bruder.
Noe Müller schwingt schon seit seiner frühsten Kindheit. «Ich stand schon mit drei Jahren im Sägemehl.» Der Sport ist seither ein fester Bestandteil seines Lebens. Seit er acht ist, trainiert er jeweils am Dienstag und Donnerstag in Rothenburg, seit Kurzem geht er am Samstagmorgen zudem beim bekannten Coach Tommy Herzog in Beromünster ins Athletiktraining. «Für mich sind die Schwingtrainings am wichtigsten, denn dort kann ich am meisten dazulernen.» Seine Lieblingsschwünge sind der Kurz und der Fussstich, damit übertölpelt er seine Gegner gerne. Seine Vorbilder sind der Unspunnensieger Samuel Giger und der Schwingerkönig Joel Wicki.
«Mir gefällt am Schwingen, dass es ein Kampf Mann gegen Mann ist, du bist auf dich alleine gestellt.» Doch auch der Teamgeist sei wichtig. «Beim Training und beim Einwärmen pushen wir uns gegenseitig, das stärkt mich sicher auch.»
Lehre als Elektroinstallateur
Vom Schwingsport allein kann aber niemand leben. Aktuell besucht Noe noch die Schule, und nach den Sommerferien wird er eine Lehre als Elektroinstallateur bei der Studer Erwin Elektro AG in Römerswil beginnen, diese dauert vier Jahre. Neben seiner beruflichen Laufbahn will Müller weiterhin dem Schwingsport treu bleiben. «Mein grosser Traum war es schon immer, selbst Schwingerkönig zu werden. Auf jeden Fall will ich ein erfolgreicher Schwinger werden und möglichst verletzungsfrei bleiben.»
Gerne würde Müller am Eidgenössischen Schwingfest 2025 im glarnerischen Mollis teilnehmen. «Um dies zu schaffen, müsste ich in der kommenden Saison bei den Grossen sicher noch ein paar Kränze holen.» Falls das nicht klappen sollte, bietet sich drei Jahre später eine weitere Chance bei der Austragung in Thun. Der junge Römerswiler hat aber noch viel Zeit, um sich sportlich zu entwickeln, und wenn er nicht nachlässt, könnte ihm eine grosse Karriere bevorstehen.
Text: Jonas Baud, Bild: zvg