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175 Jahre Bundesverfassung: Ignaz Troxler aus Beromünster prägte Identität und Demokratie der Schweiz 

Ignaz Paul Vital Troxler war ein vielseitiger Gelehrter und Politiker, der die schweizerische Identität und Demokratie prägte. Als Arzt, Philosoph, Pädagoge und Publizist setzte er sich für eine geistige und politische Erneuerung der Eidgenossenschaft ein. Er war ein Anführer der radikal-liberalen Bewegung, die sich gegen die Restauration und für eine Verfassungsreform stark machte.


Daniel Buser als Ignaz Paul Vital Troxler (1780–1866).


Ignaz Troxler ist am 17. August 1780 in Beromünster geboren und am 6. März 1866 in Aarau gestorben. Er war ein Bewunderer der amerikanischen Verfassung und empfahl sie in einer Schrift von 1814 als Vorbild für die Schweiz. Er gilt daher auch als der Schöpfer des Schweizer Zweikammersystems, das er 1833 in der Verfassung des Kantons Aargau einführte und das später in die Bundesverfassung von 1848 übernommen wurde. Seit über 150 Jahren hat sich das Zweikammersystem des schweizerischen Bundesparlamentes mit National- und Ständerat bewährt. Nur wenige Zeitgenossen wissen jedoch, dass der entscheidende Anstoss zur Einführung dieses Systems von einer starken Einzelpersönlichkeit ausging, von Ignaz Troxler, der sich zeitlebens auch mit politischen Fragen befasste. Die Erneuerung der Schweiz, besonders nach Krisen, war ihm ein besonderes Anliegen. Zahlreiche Schriften, Reden und Vorlesungen legen Zeugnis davon ab. Andreas Dollfus hat mit «Ignaz Paul Vital Troxler: Geistiger und politischer Erneuerer der Schweiz« 2005 darüber ein Standardwerk verfasst.

«Im Quell seines Ursprungs offenbart sich eines jeden Dinges reine und ungetrübte Natur...» Dieser Satz kennzeichnet Troxlers methodische Richtung: Um erneuernd wirken zu können, muss man vom Zeitgebundenen zum Ursprünglichen und damit zum lebendigen Kern einer Sache vorstossen. Dies gilt sowohl bei der Suche nach einem gültigen Menschenbild wie auch im Hinblick auf den geschichtlichen Werdegang eines Volkes, letztlich sogar im Bereich der Tagespolitik. Entsprechend nahm Troxler bei seinen politischen Aktivitäten immer wieder Bezug auf den Ursprung der Eidgenossenschaft.

«Notwendig: ein Troxler für die heutige Schweiz»

«‹Das Haus der Freiheit hat uns Gott erbaut!› So rief Troxler 1833 im Grossen Rat des Kantons Aargau aus, als man über die Asylfrage debattierte. Ein solcher Ausruf aus tiefster Überzeugung weist auf Troxlers Gesinnung und Verwurzelung im Religiösen hin, auf eine Verwurzelung, die mit klaren Gedanken philosophisch unterbaut ist und ihm innere Festigkeit verleiht.» Mit diesem Satz betitelt Pirmin Meier das Geleitwort zur Troxler-Anthologie von 2005. Und Max U. Rapold gibt seinem Nachwort die Überschrift: «Notwendig: ein Troxler für die heutige Schweiz». Tatsächlich scheinen uns die Visionäre und radikalen Erneuerer auszugehen.

Überzeugung wichtiger als beruflicher Aufstieg

Nationalrätin Priska Wismer-Felder ordnet Ignaz Troxler gegenüber dem Anzeiger Michelsamt ein: «Er hat sich in seinem Leben immer wieder für Anliegen, die ihm wichtig waren, ohne Wenn und Aber eingesetzt, so für die Pressefreiheit und für die Modernisierung der Schulen. Dabei hat er Nachteile in seinem beruflichen und privaten Leben bewusst in Kauf genommen, weil ihm seine Überzeugung wichtiger war. Er hat zum richtigen Zeitpunkt das Zweikammersystem in die politische Diskussion eingebracht. Dies ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Bundesverfassung. Sie gewährleistet, dass kleine Kantone mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen in Bundesbern Gehör finden. Es schafft Ausgleich und gewährleistet, dass nicht einfach die bevölkerungsreichsten Kantone über die anderen bestimmen können. Mit der heutigen Ausgestaltung der Bundesverfassung ist theoretisch der Einbezug der meisten Bevölkerungsschichten gewährleistet. Ob man diese noch weiter ausdehnen will, darf man diskutieren. Viel wichtiger ist, dass der Einbezug der heute schon berechtigten Personen besser gelingt. Es ist erschreckend, wie gering die Stimmbeteiligung jeweils ist. Es ist Aufgabe der Politik, aufzuzeigen, wie wichtig die Beteiligung aller Bevölkerungsschichten ist.»


Das Buch zu Ignaz Troxler von 2008  ist immer noch erhältlich oder bei der Redaktion ausleihbar.




















Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt 






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