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Kultur | Gunzwil

11. Sänder Party: Jubiläumsparty mit einem Jahr Verspätung und überwältigender Resonanz

Letztes Jahr stand noch das Coronatestzelt auf dem roten Platz beim Schulhaus Linden. Dieses Jahr war dort wieder die Kafistobe. Musste sich die Landessender Jugend letztes Jahr mit dem Schutzkonzept herumschlagen, so konnte dieses Jahr die Energie wieder in die Ausgestaltung des Festgeländes und die Dekoration gesteckt werden. Und das Partyvolk hat die Anstrengungen honoriert und kam in Scharen. Schon kurz nach 21 Uhr mussten die Tore geschlossen werden. Ausverkauft.


Tomorrowland in der Halle – total eindrücklich!


«2500 Personen und dann müssen wir den Eintritt schliessen», erklärte Fabian Wandeler, OK-Chef, am Nachmittag. Dass dies kurz nach 21 Uhr bereits der Fall war, hatte er vermutlich nicht erwartet. Es war auch etwas verwirrend, wenn man sich dem Festgelände vom Parkplatz her näherte. Von der angekündeten House-Music mit den wummernden Bässen konnte man nichts hören. Dafür zog da einer zünftig an einer Bassgeige und wurde von zwei Örgalis begleitet. Das Ländlertrio «Rusch Büeblä» war verstärkt wie eine Rockband und sorgte im Kafizelt für ausgelassene Stimmung. Erst wenn man oberhalb des Schulhauses durch die mäandernde Eintrittsschleuse ging, waren etwas modernere Töne zu hören.

Road Trip: Schweiz, Papua-Neuguinea, Dubai, Belgien

Das Motto der 11-jährigen Jubiläumsparty war ein Road-Trip um die Welt. Die erste Bar links versprach Südsee Atmosphäre: Papua-Neuguinea war sie angeschrieben und sehr originell dekoriert. Hier wurde man mit Popsongs empfangen und die Bar war nicht mal zur Hälfte gefüllt. Wieso steht da vorne ausverkauft? «Genau deshalb bin ich hier», meinte Ramon. «Die andern Zelte sind alle völlig überfüllt.» Und er hatte recht. Keine zehn Meter weiter fing das Gedränge an. Auffallend dabei: Bauchfrei und T-Shirt. Aufgrund des lauen Oktoberabends war viel Partyvolk auch ausserhalb der Lokale anzutreffen. Beim «edlen» Dubai Party-Zelt, in dem DJ Woodwell mit der Stobete Gäng nach Petra Sturzenegger suchte, schlug einem beim Eintreten ein Schwall an Ausdünstungen von Schweiss und Alkohol entgegen. Nun, die jugendlichen Partygänger schienen es zu mögen. Aber angekündigt waren doch noch die momentanen Überflieger der Electro Dance Szene aus Österreich. Also weiter in die Mehrzweckhalle und dank dem VIP-Armbändali durch den Notausgang am Samariterposten und dem Ruheraum der 17-köpfigen professionellen Security-Crew vorbei in die Galerie, wo bereits die Marketing-Verantwortliche, Eveline Furrer, wartete.

Tomorrowland in Gunzwil

Von dieser übersichtlichen Position aus konnte man in die Halle blicken, die wie ein internationaler Club ausgestattet war. Hunderte von Jugendlichen drängten sich aneinander und sangen zu den Klängen von DJ Ref JD lautstark mit. Und als um Mitternacht DJ Darius & Finlay aus Östereich übernahmen, verstand man das Motto der Halle: Belgien mit Tomorrowland. – Für nicht Eingeweihte: Das ist die grösste Raverparty der Welt. – Und Gunzwil stand dem für ein paar Stunden in nichts nach: Weltklasse in Gunzwil! Die Feiernden tanzten im Beat der wummernden Bässe und die Lindenhalle hüpfte mit, als ob sie sich von der fröhlichen Stimmung anstecken liess. «Das ist genau das, was wir mit der Sänder Party erreichen wollen», erklärte Eveline. «Eine Party für die jungen Leute unserer Region.» Und damit hat sie ziemlich untertrieben. Denn die Sänder Party hat inzwischen so einen guten Ruf, dass auch von weiter her junge Leute nach Gunzwil pilgern. Marino aus Grosswangen meinte: «Sänderparty, da muss man einfach dabei sein.» Und Robin aus Vordemwald: «Sogar im Aargau hat sich herumgesprochen, dass hier die Post abgeht.» Ja, die Post ist in Gunzwil richtig abgegangen. Um 23.30 Uhr musste der Getränkelieferant angerufen werden, damit er sofort Getränke nachliefert.

Wenn 84 junge Leute am selben Strick ziehen

84 junge Leute umfasst der Verein Landessender Jugend. Innerhalb von 10 Tagen wird das Fest auf die Beine gestellt und am Sonntag bis am Abend ist alles wieder aufgeräumt. Ein minutiöser Plan regelt den ganzen Ablauf bis ins Detail. Jedes Mitglied hat seine Einsatzzeiten und diese sind nicht zu knapp bemessen. Und dann der Samstag selbst: Um 18 Uhr müssen alle da sein und dann hat jeder seine Aufgabe mit minimaler Pause bis um 4 Uhr. Dann beginnt das Aufräumen; aber nur drinnen. Draussen wird erst wieder ab 9 Uhr gearbeitet, damit die Nachbarn auch ein paar Stunden Pause haben. Denn unbestritten bringt das Fest Emissionen vor allem im Lautstärkebereich mit sich. Die Leute vom OK nehmen das auch sehr ernst. Auf dieses Jahr hin, hat man ein neues Verfahren installiert, das die durchdringenden Bässe besser neutralisiert. Und als das OK um 21 Uhr beim Gang durch das Quartier feststellte, dass es lauter war als auch schon, wurde aus Eigenantrieb die Lautstärke zurückgeschraubt. «Wir sind froh, wenn die Leute anrufen, wenn es zu viel wird. Wir nehmen jede Reklamation ernst», bestätigte Fabian Wandeler. Die Anwohner wurden schon Tage vorher über den gesamten Festablauf detailliert aufgeklärt und eine Kontaktnummer stand auf dem Infoblatt. Die gute Informationspolitik und das riesige Engagement bringt in der Nachbarschaft viel Akzeptanz. Trotz der Emissionen herrscht beim überwiegenden Teil der Tenor: «Die Landessender Jugend sind junge Leute, auf die wir stolz sein können in unserer Gemeinde. Deshalb nehmen wir die Störungen in Kauf, denn wir waren ja auch mal jung.»


Impressionen aus dem Festzelt (Dubai City).
Ländlertrio Rusch-Büeblä in der Kafistobe – die Tanzbühne war durchgehend sehr gut besetzt.






Die engagierte Truppe der Landessender Jugend kurz vor Beginn der Megaparty.



Text: Markus Bucher, Bilder: Markus Bucher / Lirim Latifi




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