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Kultur | Eich

100 Tonnen Brennholz sauber aufgeschichtet

Schon vor einem Jahr hat Michael Häfliger mit seinem riesigen 1.-August-Feuer in der Oberhundgellen ob Eich von sich reden gemacht. Auch heuer ist er wieder aktiv. Das Feuer, Modell 2024, steht bereits. Es ist höher und grösser als jenes im letzten Jahr und wird pünktlich am 1. August entzündet werden.

Michael Häfliger vor seinem monumentalen 1.-Augustfeuer.

«Ich habe das Feuer anders konstruiert als letztes Jahr. Da bestand es hauptsächlich aus Schwarten: Die waren nur etwa zweieinhalb Zentimeter dick. Das Aufschichten ging nur langsam voran, ich bin fast durchgedreht», blickt Michael Häfliger auf sein letztjähriges 1.-August-Feuer zurück, das in den Medien zu landesweiter Aufmerksamkeit gelangte. Beim Modell 2024 entschloss er sich deshalb zu einer anderen Konstruktion, einer mit Rundhölzern. Er orderte selbstverständlich nicht Bauholz, sondern «Käferholzstämme». Diese schichtete er blockhausartig auf. Jeden Einzelnen hat er mit der Motorsäge links und rechts mit einer Kerbe versehen, so sitzen sie fest und das ganze Bauwerk bekommt die notwendige Stabilität.  Den Freiraum im Innern der fünf Meter langen Stämme füllte er mit Schwartenläden auf.

Bis jetzt ist Häfliger insgesamt rund 350 Mal rauf und runter gefahren.

Zweite Neuheit: Ein Kran

Letztes Jahr ist Häfliger beim Bauen unzählige Male aufs Feuer rauf und wieder heruntergeklettert. Heuer hat es sich einen Kran geleistet. Nun kann er sich mit einem Klettergurt am Haken einhängen und sich hochziehen. Der Umgang mit einem Klettergurt ist ihm – Felssicherungs-Spezialist von Beruf – vertraut. Vor sich befestigt er jeweils, je nach Grösse, einen oder mehrere Stämme am Seil, schaltet den Kranmotor per Fernbedienung ein und hievt sich gemeinsam damit empor. Auch das Schwartenholz «verarbeitete» er auf diese Weise. Für einen Bund sind vier Fahrten notwendig. 50 Bunde hat er zur Verfügung, 45 hat er schon «eingefüllt». Aufgrund des Regenwetters in den vergangenen Wochen mussten die Bauarbeiten teilweise pausieren – auch mal zwei Tage. Der Boden weichte sich stark auf, schwemmte auch die Kranausleger, welche das Gewicht abfangen, so stark ein, dass er befürchtete, der Kran könnte umkippen.

Der Regen weichte den Boden um die Ausleger zeitweise stark auf.

350 Mal rauf und runter

Bis jetzt ist Häfliger insgesamt rund 350 Mal rauf und runter gefahren: Bis zum 1. August dürften noch einige Fahrten dazukommen. In den Tank des Krans hat er bisher einmal 7 Liter Diesel nachgefüllt. Eher ein kleiner Posten in der Investitionsrechnung. Denn er baut das Feuer nicht nur selber, er bezahlt auch alles selber. Den Kran hat er von einer Baumaschinenfirma gemietet. Er bat deshalb den Videojournalisten von Tele 1 beim Interview, die Kamera so zu schwenken, dass das Firmenlogo vom Kran zu sehen ist. Das Brennholz stammt vom Forstbetrieb, es kostet 6000 Franken.

Schwartenläden im Innern des «Rundholzbaus».

Am Turm hat er in den vergangenen drei Wochen mehr als 150 Stämme verbaut. Das zehrt. «Ich habe in dieser Zeit sieben Kilo abgenommen», sagt er, stutzt kurz und fügt an, «mir fällt eben ein, gestern habe ich vergessen etwas zu essen.» Am Tag der «Baustellenbesichtigung» ist er, wie oft, bereits um 4.15 Uhr aufgestanden und hat dann bald die Bauarbeiten fortgesetzt.

22 Meter hoch, 100 Tonnen schwer.

22 Meter

Inzwischen ist das designierte 1.-August-Feuer auf eine Höhe von rund 22 Meter angewachsen. «Es dürfte drei, vier Meter höher sein als letztes Jahr», schätzt Häfliger.  Es gibt zwar keine offizielle Rangliste, aber schon letztes Jahr dürfte das Feuer in Eich eines der grössten in der Schweiz gewesen sein. Zum Vergleich: Ein anderes prominentes Feuer, jenes das dem Böögg beim Sechseläuten jeweils zu Leibe rückt, ist rund zehn Meter hoch.

Das Podest für die zwei Festzelte ist schon fast fertig.

Podest und Festzelte

Nicht nur das Feuer ist imposant, auch das dazugehörende Fest soll gross werden. Seit dem vergangenen Freitag widmet er sich dem Bau eines Podests. Dieses ist notwendig, damit die beiden Festzelte auf der abschüssigen Wiese ein Fundament erhalten, das im Lot steht. Hier unterstützen ihn übers Wochenende seine Kollegen als Helfer, wie auch Mitarbeiter eines Gerüstbauunternehmens. Am Dienstag stand das Podest kurz vor Fertigstellung, die Arbeiten befinden sich damit bestens auf Kurs.

Nicht nur Brennholz kommt in der Oberhundgellen zum Einsatz.

Bereits im letzten Jahr organisierte Häfliger mit ihnen erstmals ein öffentliches Fest an den Abenden vom 31. Juli und vom 1. August. Tatsächlich ist es bereits Häfligers fünftes Feuer. Die drei Jahre davor wurde das Abbrennen nur im Kollegenkreis gefeiert.  «Letztes Jahr waren am 31. Juli vier- bis fünfhundert Leute da, am 1. August dann wohl etwa tausend», schätzt Häfliger, «heuer rechne ich mit noch mehr Leuten.» Das Podest mit zwei Festzelten befindet sich in ausreichender Sicherheitsdistanz zum Feuer. Mit 60 mal 15 Metern ist auch dieses Podest viermal so gross wie letztes Jahr.

Das Feuer ragt vom Hotel Restaurant Vogelsang aus gut sichtbar empor.

Gut sichtbar

Das Feuer ragt, vom Hotel Restaurant Vogelsang aus gut sichtbar, über die Dächer der Bauernhöfe in der Nähe empor. Es präsentiert sich leicht bananenförmig. Das hat folgende Ursache. Verbaut sind rund 100 Tonnen Brennholz. Weil einzelne Stämme etwas morsch sind, wurden sie durch das hohe Gewicht leicht zusammengepresst, das führte zu einer leichten Schlagseite. Dieser gab Häfliger mit Drahtseilen eine Art Gegensteuer und korrigierte die Schräglage beim Weiterbauen.

Rundherum mit Drahtseil gesichert.

Mit Drahtseil gesichert

Er hat rundum Sicherungsseile angebracht. Insgesamt achthundert Meter Drahtseil. Sie sind alle festgebunden und im Boden verankert.  Diese Seile werden am 1. August einen zweiten Zweck erfüllen. Sollte das Feuer nicht selber umfallen, wird es nämlich aus Sicherheitsgründen noch in der Nacht zum 2. August mit dem Traktor zu Boden gezerrt. Dazu werden die Seile, die weiter oben am Turm montiert sind, verwendet.  Diese halten die Hitze, wie sich im letzten Jahr zeigte, aus. Unten ist die Hitze grösser, dort schmolzen sie teilweise. Das Schwartenfeuer vom letzten Jahr brannte drei Tage lang, weil die Rundhölzer deutlich massiver sind, schätzt Häfliger, dass es heuer eine Woche brennen wird. Das Feuer wird übrigens oben angezündet. Weil dann der Lift nicht mehr danebenstehen kann, wird Häfliger dafür mit Steigklemmen an einem Seil hochklettern, das er extra dafür festgebunden hat.  Rundherum wird ein Sicherheitsbereich mit einem Radius von 50 Metern abgesperrt.

Auch das Volumen von Restholz,  des nicht mehr benötigt wird ist imposant. Adrian Wandeler führt es ab.


Sieben Wochen Ferien

Häfliger hat eigens für das Projekt sieben Wochen Ferien, beziehungsweise frei genommen. Vier Wochen braucht er für den Aufbau, drei fürs Aufräumen. Ein grosses Engagement, um sich dem Nationalstolz hinzugeben. «Es ist nicht Nationalstolz, der mich zu solchen Feuern motiviert», winkt Häfliger allerdings ab, «ich war drei Jahre in Kanada, dort haben wir alles angezündet, was sich dazu anbot, sogar Häuser. Dabei habe ich Freude an grossen Feuern bekommen.» In der Schweiz werden Feuer zunehmend restriktiver gehandhabt. Da bleibt praktisch nur ein 1.-August-Feuer um der Passion zu frönen.

Festbetrieb

Bar- und Festbetrieb wird in der Oberhundgellen in Eich am 31. Juli zum 1. August von 17 bis 4 Uhr herrschen und vom 1. zum 2 August von 15 bis 4 Uhr. Am ersten Abend legt «DJ Team Rocket’s» und am zweiten Abend «DJ Maik Wisler» auf. Beide spielen ein Repertoire aus den 80er-, 90er- und 2000er-Jahren. Der Eintritt ist frei, zur Deckung der Unkosten werden aber Festbändeli (15 Franken) verkauft. Das Feuer wird erst entfacht, nachdem das Feuerwerk vom Hotel Restaurant Vogelsang beendet ist, welches nach 22 Uhr beginnt.

Ein Gerüstbau bringt das Podest ins Lot.

Martin Sommerhalder




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